Quartalszahlen: Munich Re profitiert von gestiegenen Zinsen
Mit der Gewinnpräsentation präzisierte der weltgrößte Rückversicherer Munich Re am Mittwoch seine Angaben vom Oktober.
Foto: IMAGO/ZoonarKöln. Der Münchener Rückversicherungskonzern Munich Re hat im dritten Quartal dank geringerer Großschäden mehr verdient als im Vorjahr. Finanzvorstand Christoph Jurecka kennt den Grund: „Anders als im vergangenen Jahr profitierten wir dabei auch von einer relativ milden Hurrikan-Saison im Nordatlantik." Das Quartalsergebnis stieg leicht auf rund 1,17 Milliarden Euro.
„Damit hat Munich Re das dritte Quartal in Folge mit einem Konzernergebnis oberhalb der anteiligen Jahreserwartung abgeschlossen“, heißt es in der Mitteilung des Konzerns.
Die Großschadensbelastung fiel im dritten Quartal auf 770 Millionen Euro, nach 2,13 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Damals hatte der Hurrikan „Ian“ große Schäden verursacht.
Der im Dax notierte Rückversicherer bestätigte seine angehobene Jahresprognose von vier auf 4,5 Milliarden Euro. Die Aktie des Konzerns legte am Mittwochmorgen leicht zu und notierte nach Handelsbeginn bei 370,70 Euro.
Vor allem bei Großschäden konnte Munich Re in diesem Jahr bislang deutlich sparen. Die Großschadenbelastung betrug lediglich 11,7 Prozent des Netto-Versicherungsumsatzes, nach 30,8 Prozent im Vorjahresquartal.
Die von Menschen verursachten Großschäden fielen von 460 auf 235 Millionen Euro, Schäden aus Naturkatastrophen von 1,675 Milliarden auf 535 Millionen Euro.
Die teuerste Naturkatastrophe für Munich Re war im abgelaufenen Quartal der Waldbrand auf der Insel Maui im US-Bundesstaat Hawaii mit einem Gesamtschaden in Höhe von rund 200 Millionen Euro.
Munich Re: Erstversicherungstochter Ergo hat Einbußen im Kerngeschäft
Munich Re gibt bei der Ergebnispräsentation auch Zahlen über die Erstversicherungstochter Ergo bekannt. Vor allem beim Geschäft in Deutschland verdiente das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf deutlich weniger.
Im Segment Leben und Gesundheit fiel das Ergebnis im abgelaufenen Quartal auf 52 Millionen Euro von 221 Millionen Euro. In der Schaden- und Unfallversicherung schrumpfte der Ergebnisbeitrag von 103 auf 31 Millionen Euro.
Im internationalen Geschäft lief es für die Erstversicherungstochter deutlich besser. Obwohl der Versicherer etwa für die verheerenden Unwetter in Griechenland aufkommen musste, verdiente Ergo außerhalb Deutschlands unter dem Strich 90 Millionen Euro, nach einem Verlust von 73 Millionen Euro im Vorjahresquartal.
Die Schaden-Kosten-Quote, die Aufwand und Erträge im Versicherungsgeschäft in Relation zueinander setzt, verbesserte sich im Rückversicherungsgeschäft auf 82,0 von 88,9 Prozent im Vorjahr. Liegt der Wert unter 100, arbeitet eine Versicherung im Kerngeschäft profitabel. Beim Erstversicherer Ergo stieg die Quote von 80,6 auf 88,2 Prozent.
Warum die Inflation Rückversicherern nützt
Rückversicherer übernehmen gegen eine Prämie Risiken der Erstversicherer. Solche Unternehmen wie Ergo, Allianz und Axa sichern ihre Versicherungsportfolios, etwa Hunderttausende Kfz-Policen oder Hausratversicherungen, damit gegen plötzliche Großschäden ab.
Beschädigt ein regionales Hagel-Unwetter zum Beispiel über Nacht Tausende Autos in einer Stadt, könnte ein Versicherer diesen Schaden nicht allein stemmen.
Rückversicherer und Versicherer schließen einen Vertrag über die Höhe der Versicherungssumme ab. Überschreitet der Schaden den vereinbarten Betrag, trägt der Rückversicherer die überschüssigen Kosten. Dafür erhält er einen Anteil an den Prämienzahlungen der Endkunden.
Für Rückversicherer ist in diesem Jahr die Inflation ein Gewinntreiber. Durch die Teuerung steigen zwar die Schadenkosten zum Beispiel für versicherte Autoreparaturen an. Aber damit wachsen auch die Prämien, die Rückversicherer von den Erstversicherern erhalten.
Bei gleichem Risiko können sie also höhere Prämien verlangen. Der finanzielle Vorteil entsteht aber nur dann, wenn die Großschäden vergleichsweise gering ausfallen.
Munich-Re-Profit auch durch hohe Zinsen
Auch von den gestiegenen Zinsen kann der Konzern profitieren. Rückversicherer verdienen nämlich nicht nur Geld mit ihren Kunden, sondern auch durch die Anlage dieses Geldes an den Finanzmärkten. Da die Zinsen steigen, kann es sich für den Rückversicherer lohnen, alte Anlageobjekte abzustoßen und neue zu kaufen.
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Finanzvorstand Jurecka betont, dass der Konzern festverzinsliche Anlagen verkauft habe, „um durch die Neuanlage schneller vom aktuell höheren Zinsniveau zu profitieren“. Das Kapitalanlageergebnis von Munich Re stieg im dritten Quartal auf 760 Millionen Euro, nach 691 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Erstpublikation: 08.11.2023, 08:05 Uhr.