Rückversicherung: Hannover Rück zeigt sich mit Erneuerungsrunde zufrieden
Frankfurt. Der Dax-Konzern Hannover Rück hat in den Vertragsverhandlungen zum Jahreswechsel bei den Erstversicherern in der Schaden-Rückversicherung einen Preisanstieg von 2,3 Prozent durchsetzen können. Zusammen mit dem Neugeschäft konnte der weltweit drittgrößte Rückversicherer das Prämienvolumen um 6,9 Prozent auf 10,2 Milliarden Euro steigern.
„Wir sind mit dem Ergebnis der Erneuerung zufrieden“, sagte Hannover-Rück-Vorstandschef Jean-Jacques Henchoz am Mittwoch. Vor dem Hintergrund der Schäden im Jahr 2023, der weiterhin hohen Inflation und der geopolitischen Unsicherheiten habe man weitere notwendige Ratenverbesserungen in vielen Sparten und Regionen vereinbaren können.
Das Marktumfeld der Erneuerung habe sich stabiler als im Vorjahr gezeigt. Das heißt, die Prämien zogen nicht mehr so stark an wie noch ein Jahr zuvor. Dort, wo hohe Schäden auftraten, wie etwa im Naturkatastrophengeschäft, kam es dem Rückversicherer zufolge dennoch zu signifikanten Preissteigerungen. Gleichzeitig habe sich die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz weiter erhöht. Die Erstversicherer hätten sich dabei hauptsächlich an die etablierten Anbieter gewandt.
Henchoz bestätigte auch den Ausblick für 2024. Demnach soll der Nettogewinn auf mindestens 2,1 Milliarden Euro steigen. Voraussetzung ist, dass die Belastung aus Großschäden nicht wesentlich über dem Wert von 1,8 Milliarden Euro liegt.
Bei den Vertragserneuerungen zum Jahreswechsel standen in Europa vor allem Sparten im Fokus, in denen es zuletzt hohe Schäden gab. Unter anderem in Deutschland sei es hier zu deutlichen Ratensteigerungen gekommen, teilte Hannover Rück mit. Besonderes Augenmerk lag auf der Kraftfahrzeugversicherung, für die die Tochter E+S Rück zuständig ist.
Diese hatte bereits im Herbst von den Erstversicherern gefordert, die Prämien für die Endkunden deutlich zu erhöhen, was sich auch auf die Rückversicherungspreise auswirkt. Die Autoversicherer waren wegen zunehmender Schadenzahlen nach der Coronapandemie und stark steigender Reparatur- und Ersatzteilpreise in die Verlustzone gerutscht. Auch in Italien passte Hannover Rück nach hohen Schäden durch schwere Unwetter die Preise, Selbstbehalte und Konditionen an.
In China konnte Hannover Rück das Prämienvolumen zum Jahreswechsel nach einer Reihe von Naturkatastrophenschäden ebenfalls deutlich ausweiten. In anderen Regionen der Welt, etwa in Amerika, verhandelt der Konzern den Großteil der Verträge erst zur Jahresmitte neu.
Operatives Ergebnis verfehlt Erwartungen
Wie Hannover Rück bereits am Dienstagabend berichtete, hat der Konzern im Jahr 2023 ein operatives Ergebnis von 1,97 Milliarden Euro erzielt und dabei die Analystenerwartungen deutlich verfehlt. Ein wesentlicher Grund war die Erhöhung der Reserven in der Schaden-Rückversicherung.
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Beim Nettogewinn hingegen übertraf Hannover Rück mit 1,8 Milliarden Euro das selbst gesteckte Ziel von mindestens 1,7 Milliarden Euro – dank eines Einmaleffekts. Die Steuerquote lag nur bei 1,4 Prozent nach 22,7 Prozent im Vorjahr. Der Rückversicherungsumsatz stieg auf 24,4 Milliarden Euro. Dieser soll 2024 um mehr als fünf Prozent wachsen.