Versicherung: Generali legt Rekordgewinn vor – Chef kämpft um seine Wiederwahl
Frankfurt. Der italienische Versicherungskonzern Generali hat für das Geschäftsjahr 2024 einen Rekordgewinn vorgelegt. Das spielt Generali-Chef Philippe Donnet in die Karten, der bei der Hauptversammlung am 24. April um seine Wiederwahl kämpft. „Die Gruppe befindet sich heute in der stärksten Position ihrer Geschichte“, betonte er daher.
Das Aktionärstreffen könnte wieder ähnlich turbulent werden wie vor drei Jahren. Damals hatte der Generali-Aktionär Francesco Gaetano Caltagirone mit Unterstützung des inzwischen verstorbenen Luxottica-Gründers Leonardo Del Vecchio einen Gegenkandidaten zu Donnet präsentiert. Donnet blieb bekanntlich im Amt, vor allem dank der Rückendeckung der Investmentbank Mediobanca, die mit mehr als 13 Prozent der größte Aktionär von Generali ist.
Dieses Mal plant Caltagirone laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zwar nicht, einen alternativen Kandidaten für den Chefposten zu benennen. Allerdings will er bis zu sechs Mitglieder für den Verwaltungsrat vorschlagen, was die Führung des Konzerns für Donnet erschweren würde.
Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen sprechen jedenfalls für ihn: Generali teilte mit, dass der bereinigte Nettogewinn im vergangenen Jahr um 5,4 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro gestiegen ist. Der Betriebsgewinn kletterte um 8,2 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro. Beide Zahlen sind Rekordwerte für den Konzern.
Generali wuchs sowohl in der Schaden- und Unfallversicherung als auch in der Lebensversicherung – hier sogar besonders stark. Insgesamt legten die gebuchten Bruttobeiträge um rund 15 Prozent auf 95,2 Milliarden Euro zu.
Aktionäre kritisieren neue Strategie des Konzerns
Die Anteilseigner sollen an dem Erfolg beteiligt werden: Der Vorstand des Versicherers schlägt eine Dividende von 1,43 Euro pro Aktie vor, ein Plus von 11,7 Prozent zum Vorjahr. An der Börse hat sich Generali zuletzt ebenfalls sehr positiv entwickelt. Auf Jahressicht legte der Kurs mehr als 40 Prozent zu.
Mit den strategischen Entscheidungen hadert ein Teil der Aktionäre dennoch. Caltagirone und die Delfin Holding der Familie Del Vecchio lehnten im Januar die neue Strategie von Donnet ab, da sie ihrer Meinung nach das Wachstum nicht angemessen fördere.
Vor Kurzem kritisierten sie zudem den Plan zur Zusammenlegung des Vermögensverwaltungsgeschäfts von Generali mit der zur französischen Bankengruppe BPCE gehörenden Natixis Investment Managers.
Auch die italienische Regierung, die bei strategischen Übernahmen ein Mitspracherecht hat, hat bereits Vorbehalte geäußert. Sie fürchtet, dass Gelder nach Frankreich abfließen könnten – was Generali wiederum dementiert.
Viel Bewegung bei den Beteiligungen
Zusätzlich schwierig macht die Gemengelage, dass Mediobanca inzwischen ein Übernahmeziel für die staatliche Banca Monte dei Paschi geworden ist, die seit November Caltagirone und Delfin zu ihren Aktionären zählt. Auf diesem Weg könnte deren Einfluss auf Generali künftig noch größer werden. Aktuell halten Caltagirone und Delfin 6,9 Prozent beziehungsweise 9,9 Prozent von Generali.
Interessanterweise hat sich auch die italienische Großbank Unicredit mit mehr als fünf Prozent an Generali beteiligt. Die Machtverhältnisse bei dem Versicherer verschieben sich also – allerdings noch mit unklarem Ausgang.