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VersicherungUnwetter im Alpenraum verderben der Allianz den Gewinn

Naturereignisse wirkten sich lange nicht mehr so negativ auf die Allianz-Bilanz aus wie im abgelaufenen Quartal. Dennoch legt die Aktie zu.Ozan Demircan 10.11.2023 - 13:38 Uhr Artikel anhören

Naturkatastrophen haben den Gewinn der Allianz gesenkt.

Foto: imago images/imagebroker

Frankfurt. Kostspielige Naturkatastrophen haben den Gewinn der Allianz belastet. Der operative Gewinn sank nach Angaben vom Freitag im abgelaufenen Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 14,6 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Freitag mitteilte.

Die Schaden-Kosten-Quote sei durch Naturkatastrophen in Höhe von 7,3 Prozentpunkten beeinflusst worden, das sei der höchste Wert seit einem Jahrzehnt, teilte das Unternehmen weiter mit. Die Quote gibt das Verhältnis zwischen Prämieneinnahmen und Ausgaben für versicherte Schäden an. Eine Verschlechterung von 7,3 Prozentpunkten bedeutet in dem Fall, dass die Allianz für jeden Euro, den sie eingenommen hat, 7,3 Prozent mehr für Schäden ausgeben musste als im Vorjahresquartal.

Auffallend sind die Schäden durch Unwetter und Naturkatastrophen. Allianz-Finanzchef Giulio Terzariol erklärte nach Bekanntgabe der Zahlen im Gespräch mit Journalisten, dass die Allianz zuletzt im Jahr 2011 derart viele Schäden in einem Quartal begleichen musste. Vor allem in Bayern hatten in diesem Jahr Unwetter mit Sturm und Hagel im August schwere Schäden an Autos und Häusern angerichtet, in vielen Ländern im Alpenraum kam es zu Überschwemmungen. In Deutschland konnte die Allianz im entsprechenden Geschäftszweig Schaden/Unfall im dritten Quartal überhaupt kein Geld verdienen, wie Terzariol einräumte.

Allerdings fällt der konzernweite Gewinnrückgang nicht so stark aus, wie Analysten erwartet hatten: Der bereinigte Jahresüberschuss sank um 29,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, während Analysten knapp zwei Milliarden Euro vorhergesagt hatten.

Ein höheres Anlageergebnis habe die Zusatzkosten wegen der höheren Schäden teilweise ausgeglichen, erklärte die Allianz dazu. Das Geschäftsvolumen stieg um 4,5 Prozent auf 36,5 Milliarden Euro.

In der Schaden- und Unfallversicherung spielten dabei höhere Preise und Volumina eine Rolle, im Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen kamen hohe Einmalbeiträge in den USA dazu.

Allianz-Chef Bäte erwartet über 14 Milliarden Euro Gewinn

Für die ersten neun Monate meldete die Allianz Einnahmen von 122,1 Milliarden Euro, das sind 4,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Der Betriebsgewinn verbesserte sich in dem Zeitraum um 3,6 Prozent auf elf Milliarden Euro.

Allianz-Chef Oliver Bäte bestätigte das Ziel für ein operatives Ergebnis von 14,2 Milliarden Euro, mit einer Schwankung von plus oder minus einer Milliarde Euro.

„Unsere Widerstandsfähigkeit als Unternehmen verdeutlicht die Vorteile unserer globalen Größe, unseres diversifizierten Geschäftsmix und des branchenführenden Niveaus an Vertrauen und Engagement, das wir uns bei unseren Stakeholdern erarbeitet haben“, erklärte Bäte dazu am Freitag.

Dass die Aktie der Allianz am Freitag trotz der gemischten Stimmung dennoch zu den Gewinnern zählt, dürfte an den pessimistischen Vorabschätzungen vieler Analysten liegen. Expertinnen und Experten von der Deutschen Bank, Citi, JP Morgan und anderen Großbanken hatten größtenteils mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet.

Nachdem die Aktie vorbörslich schwächer notiert hatte, lagen die Preise für die Anteilscheine am späten Mittag etwa zwei Prozent höher als am Vortag.

Neben den Unwettern bedroht ein weiteres Risiko die Versicherer in den kommenden Monaten: ein vorläufiges Ende der jüngsten Zinswende. Denn dies würde bedeuten, dass die Renditen der Anlagen wieder sinken.

Firmen wie Allianz, Axa oder Munich Re investieren einen Teil der Beiträge ihrer Kunden in Anlagen, solange das Geld nicht dafür gebraucht wird, Schäden zu begleichen.

Warum die Kfz-Versicherung teurer wird

Die niedrigen Zinsen der vergangenen Jahre waren dabei lange ein Problem, weil dadurch die Investments der Versicherer kaum Rendite abwarfen. Auch Lebensversicherungen, in der Versicherer ihren Kunden eine langfristige Rendite versprechen, wurden damit immer unattraktiver. Der Garantiezins, also die garantierte Mindestrendite für Inhaber einer Lebensversicherung, sank in Deutschland seit 1999 kontinuierlich von vier auf 0,25 Prozent.

Dass nach Jahren mit Niedrigzinsen seit gut einem Jahr die Renditen wieder angezogen haben, sorgte damit erst einmal für einen Aufschwung in der Branche – und zwar an allen Fronten. Die Lebensversicherungen warfen auf einmal wieder bessere Zinsen für ihre Inhaberinnen und Inhaber ab. Die Versicherer verdienen außerdem mehr an den Finanzmärkten. Und selbst Aktionäre profitierten.

Die Aktien der Versicherer, die im Leitindex Dax notiert sind, haben seit Jahresbeginn deutlich zugelegt. Aktien der Allianz notieren seit Jahresbeginn mehr als zwölf Prozent höher, Anteilscheine des weltgrößten Rückversicherers Munich Re sogar rund 23 Prozent, Hannover Rück knapp zehn Prozent.

Gleichzeitig mindert die hohe Inflation die Erträge der Versicherer. Denn dadurch steigen die Kosten für Schäden, die Versicherer begleichen müssen.

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Kein Wunder, dass Versicherer wie Allianz oder Axa hier kräftig an der Preisschraube drehen wollen. Die Vergleichsportale Verivox und Check24 hatten in den vergangenen Tagen bereits über Prämienerhöhungen von bis zu 16 Prozent berichtet.

Erstpublikation: 10.11.2023, 07:39 Uhr (zuletzt aktualisiert: 10.11.2023, 13:09 Uhr).

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