Versicherung: Verdi ist vom Angebot der Arbeitgeber enttäuscht
Frankfurt. Nach der zweiten Runde der Tarifverhandlungen für die rund 183.000 Innendienst-Angestellten der Versicherer weist die Gewerkschaft Verdi das Angebot der Arbeitgeberseite als unzureichend zurück. „Die Versicherungsunternehmen streichen Rekordgewinne ein – und legen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Angebot vor, das noch nicht einmal die Einkommensverluste durch die Inflation wettmacht“, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Martina Grundler am Montagabend. Die Gewerkschaft will daher in den nächsten Tagen an verschiedenen Standorten zu Warnstreiks aufrufen.
Das Angebot des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen in Deutschland (AGV) umfasst eine Erhöhung der Tarifgehälter, Zulagen und Schichtzulagen in drei Schritten: 3,6 Prozent ab September 2025, 2,6 Prozent ab September 2026 und 2,1 Prozent ab September 2027. Nach diesen drei Erhöhungen wäre das Tarifgehaltsniveau um 8,63 Prozent höher als heute, sagen die Arbeitgeber.
Der neue Tarifvertrag soll bis Februar 2028 gelten, der bisherige ist Ende März ausgelaufen. Man habe den Gewerkschaften Verdi und DBV – dem Deutschen Bankangestellten-Verband – ein gleichlautendes Angebot vorgelegt, erklärte der AGV.
Verdi fordert dagegen unter anderem eine Erhöhung der Gehälter und Zulagen um jeweils zwölf Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Daneben setzt sich die Gewerkschaft für eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 250 Euro und eine unbefristete Übernahme von Auszubildenden ein.
Die angebotene Gehaltserhöhung der Arbeitgeberseite sei angesichts der geforderten Laufzeit indiskutabel und ein Beleg mangelnder Wertschätzung für die Leistungen der Beschäftigten, betonte Grundler.
Arbeitgeber wollen Reallohnverlust nicht in einem Abschluss aufholen
Auch Ute Beese, Verhandlungsführerin der DBV-Tarifkommission, betonte, dass das Gesamtpaket eine deutliche Aufwertung brauche, um eine Einigung zu erzielen.
Arbeitgeber-Verhandlungsführer Andreas Eurich erklärte unterdessen, dass der Reallohnverlust der vergangenen Jahre nicht in einem Abschluss nachgeholt werden könne. Zudem hinterfragte er die Berechnungen von Verdi zur genauen Höhe dieses Verlusts.
Einigen Positionen der Arbeitgeberseite steht der DBV darüber hinaus sehr kritisch gegenüber, etwa denen, die Kosten zu senken und Belastungen für Teile der Belegschaft zu steigern. Dazu zählt der DBV auch die Verkürzung von Ruhezeiten bei Rufbereitschaften. Verdi vermisst zudem Perspektiven für die Nachwuchskräfte.
In Bezug auf die angekündigten Warnstreiks betonte die Gewerkschaft, dass die Beschäftigten der Versicherungsbranche bereits in den vergangenen Wochen mit verschiedenen Aktionen und hoher Beteiligung deutlich gemacht hätten, dass sie es mit ihren Forderungen ernst meinen. Die dritte Runde der Tarifverhandlungen findet am 23. Mai in Düsseldorf statt.