Finanzielle Unabhängigkeit: Ausgesorgt statt ausgelaugt: So gelingt der Traum von einem schnellen Job-Abschied
Ein sparsamer Lebensstil und renditestarke Investitionen könnten finanzielle Freiheit ermöglichen.
Foto: Davide Bonazzi
- Immer mehr junge Menschen suchen einen Weg zu finanzieller Unabhängigkeit und frühem Abschied vom Arbeitsleben – gerade in Zeiten der Pandemie. Aber was ist zu beachten, damit der Plan aufgeht? Und kann die finanzielle Freiheit überhaupt dauerhaft glücklich machen?
- 2007, als sie das erste Jahr voll arbeiteten, begannen Kristy Shen und Bryce Leung mit dem Aufbau eines ETF-Depots. Neun Jahre später gingen sie in den Ruhestand – mit Anfang 30. Ihr Beispiel zeigt, wie der Weg in die frühe finanzielle Freiheit gelingen kann.
- Glücksforscherin Michaela Brohm-Badry erklärt im Interview, wann Wohlstand zufrieden macht, warum man eine Aufgabe nach der Frührente braucht – und wie die Pandemie unseren Blick aufs Wesentliche verändert hat.
Der Wunsch, das Hamsterrad endlich zu verlassen, kam schon im vierten Berufsjahr: Florian Wagner arbeitete damals als Wirtschaftsingenieur beim Automobilzulieferer Mahle. Wagner verdiente gut, bekam als Projektleiter zuletzt ein Nettogehalt in Höhe von 4320 Euro. Aber: „Irgendwann machte es mir keinen Spaß mehr, es gab zu viele sinnlose Meetings, mich hat der Job nicht mehr erfüllt“, erinnert sich Wagner. Er ging nur noch zur Arbeit, weil er nette Kollegen hatte – und das Geld stimmte.
Mit 31 kündigte er, nach nur vier Jahren im Job. Ohne Aussicht auf eine neue Stelle, aber mit einem Polster von rund 130.000 Euro in der Hinterhand. Wagner hatte schon direkt nach dem Studium begonnen, den Großteil seines Gehalts zu investieren. Mehr als 60 Prozent legte er beiseite. Sein Ziel: finanziell unabhängig werden – und das so schnell wie möglich.
Ein sparsamer Typ war er schon immer, 20.000 Euro pro Jahr reichen ihm zum Leben. Er geht lieber wandern als auf Weltreise, kocht selbst, statt ins Restaurant zu gehen, zahlt für seine 55 Quadratmeter im Stuttgarter Zentrum nur 620 Euro warm – Strom und Internet inklusive. Ein Auto teilt er sich mit seiner Schwester, sonst hat er kaum Fixkosten. Von seinen Ersparnissen, die er vor allem in börsengehandelte Fonds (ETFs) und Dividendenaktien investiert hatte, würde er also locker sechs Jahre leben können.