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FondsDeutsche Finance Group in der Krise – Anleger werden nervös

Fast jeder fünfte Job fällt beim Anbieter geschlossener Fonds weg, die Zahlen liegen unter den Erwartungen und Geschäftsberichte verzögern sich. Ein neuer strategischer Aktionär soll helfen.René Bender, Lars-Marten Nagel 07.10.2025 - 08:41 Uhr aktualisiert Artikel anhören
Blick auf München: Der bayerische Fondsanbieter Deutsche Finance Group kämpft derzeit mit zahlreichen Problemen. Foto: imago/Photocase

Düsseldorf, Berlin. Bei der Deutschen Finance Group, einem der größten deutschen Anbieter geschlossener Publikumsfonds, herrscht Unruhe: Das Münchener Unternehmen baut massiv Stellen ab. Wie es auf Handelsblatt-Nachfrage mitteilte, soll das Personal um rund 18 Prozent reduziert werden. Die vielen, auch privaten Anleger sind außerdem darüber beunruhigt, dass ein Teil der Geschäftsberichte auf sich warten lässt.

Nach Informationen des Handelsblatts ist die Finanzaufsicht Bafin bereits eingeschaltet. Die Ratingagentur Scope überprüft das „Asset Manager Rating“ des Fondsanbieters. Deutsche Finance präsentiert indes einen neuen strategischen Aktionär, der helfen soll, das Unternehmen neu auszurichten.

Man nehme „im Zuge der weiteren strategischen Ausrichtung“ Anpassungen „in der Personalstruktur im In- und Ausland vor“, sagte  eine Sprecherin zum Stellenabbau. Zuvor hatten in Branchenkreisen Gerüchte die Runde gemacht, dass bis zu 50 Prozent der Stellen gestrichen werden könnten.

Zu Begründung hieß es: „Die bisherigen Platzierungsergebnisse liegen unter unseren Erwartungen“, sagte die Sprecherin. Man befinde sich in einem „herausfordernden Marktumfeld.“ Zuletzt beschäftigte die Gruppe soweit bekannt rund 160 Angestellte.

Laut Sprecherin seien die „sehr guten Ergebnisse“ des Vorjahres nicht erreicht worden. Wie genau diese aussahen, ist aktuell nicht zu erfahren. Der Konzernabschluss der Dachholding DF Deutsche Finance Partners GmbH ist bislang nicht veröffentlicht.

Rückläufige Nachfrage seit 2023

Der Konzernabschluss 2023 dokumentierte bereits eine rückläufige Nachfrage im Geschäft. So platzierte die Deutsche Finance nur noch in etwa halb so viel Geschäft bei den Kunden wie im Vorjahr: Nach 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2022 kam sie 2023 nur noch auf einen Umsatz von 536 Millionen Euro.

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Noch stärker gingen die Verkäufe im Privatkundengeschäft zurück. Hier brach der Umsatz im selben Zeitraum von 340 Millionen Euro auf gerade noch 109 Millionen Euro ein.

Die Deutsche Finance Group ist seit rund 20 Jahren am Markt vertreten und fokussiert sich mit 24 geschlossenen Fonds auf Investitionen in Immobilien sowie in Infrastruktur. Geschlossene Publikumsfonds sind eine spezielle Form von alternativen Investmentfonds, die gezielt für private Anleger konzipiert sind und in Sachwerte wie Immobilien, erneuerbare Energien, Flugzeuge oder Schiffe investieren.

Im Gegensatz zu den klassischen, offenen Publikumsfonds, ist das Kapital der Anleger dort langfristig gebunden, oft mehr als fünf bis zu 15 Jahren. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur über einen Verkauf der Fondsanteile über den Zweitmarkt möglich und führt nicht selten zu Verlusten.

Leere Schreibtische: Das Personal soll um rund 18 Prozent reduziert werden. Foto: Stone/Getty Images

Seit Gründung sammelte Deutsche Finance etwa 1,4 Milliarden Euro bei knapp 55.000 Anlegern ein. Laut eigener Angabe verwaltet die Gruppe 4600 Direktinvestments im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro (12 Milliarden US-Dollar).

Fehlende Geschäftsberichte verunsichern Anleger

Die Geschäftsentwicklung und der Personalabbau sind nicht die einzigen Entwicklungen, die Anleger beunruhigen. Seit Längerem lässt ein Teil der Geschäftsberichte auf sich warten.

Dabei gelten für geschlossene Publikumsfonds, die vorrangig privaten Anlegern angeboten werden, klare gesetzliche Berichtspflichten: Jahresabschlüsse müssen spätestens bis 30. September des Folgejahres vorliegen. Bei verschiedenen Fonds der Deutschen Finance fehlen allerdings noch Geschäftsberichte für 2023.

Die Sprecherin teilte zu den verspäteten Wirtschaftsdaten mit: „Derzeit können noch nicht alle Geschäftsberichte erstellt werden, da ausländische Beteiligungen noch auf die finalen Testate warten.“ Man stehe in engem Austausch mit den jeweiligen Wirtschaftsprüfern und erwarte eine zeitnahe Fertigstellung.

Verspätete Berichte im Visier der Finanzaufsicht

Nach Informationen des Handelsblatts soll sich die Bundesfinanzaufsicht Bafin eingeschaltet haben. Das Unternehmen beantwortete die Nachfrage dazu nicht, die Bafin wollte sich mit Verweis auf Verschwiegenheitspflichten nicht äußern.

Erst Ende August dieses Jahres passte die Ratingagentur Scope ihre Einschätzungen für die Deutsche Finance an und stellte das bestehende Rating auf „under review“. Die Deutsche Finance betont auf Nachfrage, dies sei „ein gängiger Vorgang im Rahmen der regelmäßigen Überprüfung von Asset-Management-Ratings“. Es handele sich um „kein Downgrade“.

Im Netzwerk Linkedin geteilten Spekulationen, die Gesellschaft habe die Platzierung neuer Fondsprodukte eingestellt und wolle sich vorerst auch nicht mehr im institutionellen Geschäft engagieren, trat die Deutsche Finance klar entgegen.

Man sammele weitere Gelder ein, sagte die Sprecherin: „Wir befinden uns derzeit im Fundraising für Privatanleger und institutionelle Investoren“. Angeboten würden unter anderem an Privatanleger gerichtete Alternative Investmentfonds und sogenannte Club-Deals. In diesen kann eine ausgewählte Zahl von Investoren – meist zwischen drei und sieben – in eine einzelne Immobilie oder ein Immobilienportfolio investieren.

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Auch neue Angebote seien anvisiert: „Für das erste Quartal 2026 planen wir zudem neue Produkte in weiteren Assetklassen – insbesondere Wohnen, Micro-Living und Shared Living mit Schwerpunkt Deutschland und Europa”, sagte die Sprecherin.

Family-Office-Gründer Ralph Winter ist neuer strategischer Aktionär

Ein neuer strategischer Aktionär soll der Deutschen Finance Group nach eigener Aussage dabei helfen. Nahezu zeitgleich zu den Informationen über das rückläufige Geschäft und den Personalabbau gab die Gruppe den Einstieg von Ralph Winter bekannt.

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Der Gründer des Family Office W5 Group, halte künftig zusammen mit den beiden Executive Partnern Thomas Oliver Müller und Sven Neubauer die Mehrheit an der Deutschen Finance Group. Winter verfüge über ein weitreichendes Netzwerk zu internationalen Investoren und berate die Deutsche Finance künftig zur strategischen Ausrichtung. Ein besonderer Schwerpunkt sei der Aufbau einer Investmentplattform für „innovatives Wohnen“.

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