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Geldpolitik US-Notenbank bremst den Optimismus der Trump-Regierung

Trotz der guten Daten vom Arbeitsmarkt: Die Fed wird den Leitzins noch lange bei nahe null halten und sorgt sich um die langfristigen wirtschaftlichen Schäden der Pandemie.
10.06.2020 Update: 10.06.2020 - 23:46 Uhr 1 Kommentar
Die Fed ist seit Ausbruch der Krise im Dauereinsatz. Quelle: AFP
Fed-Chef Jerome Powell

Die Fed ist seit Ausbruch der Krise im Dauereinsatz.

(Foto: AFP)

Denver Amerikas Notenbanker warnen vor zu viel Optimismus in der Coronakrise. Sie werde weiter „die wirtschaftlichen Aktivitäten bremsen, genauso wie den Arbeitsmarkt und die Inflation“, sagte Jerome Powell, der Chef der Federal Reserve (Fed) am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Die Krise verursache zudem „hohe Risiken für den mittelfristigen wirtschaftlichen Ausblick“ der weltgrößten Volkswirtschaft.

Powell klang damit deutlich pessimistischer als die US-Regierung, die nach den überraschend guten Arbeitsmarktdaten im Mai auf eine schnellere Erholung setzt. „Das Glas ist mehr als halbvoll“, hatte Larry Kudlow, der Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, noch kurz vor der Pressekonferenz im Börsensender CNBC verkündet.

Der Fed-Chef hat dagegen eher die Risiken im Blick und betonte, weiterhin „alles zu tun, solange es nötig ist“, um die Wirtschaft nach dem beispiellosen Schock der Pandemie zu stützen. So wird die Notenbank den Leitzins noch lange auf der Spanne von null bis 0,25 Prozent lassen, auf die er im März zu Beginn der Krise gesenkt wurde.

Die 17 Mitglieder des Offenmarktausschusses, der den Leitzins festlegt, sprachen sich einstimmig dafür aus, die Zinsen noch bis Ende des kommenden Jahres auf dem derzeitigen Niveau zu belassen. 15 Mitglieder gehen zudem davon aus, dass sich der Leitzins auch bis Ende 2022 nicht ändern wird. Das geht aus den wirtschaftlichen Prognosen vor, die die Fed am Mittwoch ebenfalls veröffentlichte.

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    Es ist die erste Prognose, die die Fed in diesem Jahr herausgab. Eigentlich geben die Notenbanker einmal im Quartal einen Einblick in ihre längerfristigen Erwartungen. Wegen der großen Unsicherheit über die Folgen der Pandemie verzichtete die Fed im März jedoch auf die planmäßige Veröffentlichung. Die Währungshüter signalisierten damit jedoch auch, dass die negative Zinsen weiterhin ausschließen.

    Wirtschaft soll laut Fed um mehr als sechs Prozent schrumpfen

    Für dieses Jahr rechnet die Notenbank mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 6,5 Prozent, gefolgt von einem Wachstum um fünf Prozent im kommenden Jahr. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr 9,3 Prozent betragen und 2021 auf 6,5 Prozent sinken. Die Inflation wird den Prognosen zufolge bis 2022 unter dem Ziel der Fed von zwei Prozent liegen.

    Seit dem Übergreifen der Coronakrise auf die USA im März hat die Fed den Leitzins in zwei großen Schritten auf fast null Prozent gesenkt. Anfang März hatte der Leitzins noch zwischen 1,50 und 1,75 Prozent gelegen.

    „Vereinfacht gesagt: Die Fed wird das Gaspedal noch lange weiter voll durchdrücken“, sagte der unabhängige Ökonom Joel Naroff. Die Börsen reagierten uneinheitlich. Der Nasdaq-Index baute nach der Zinsentscheidung seine Gewinne aus und schloss auf einem Rekordhoch. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P-500-Index schlossen dagegen im Minus. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanliehen stiegen zunächst, fielen dann aber auf ein Tagestief. Der Dollar gab zum Yen nach, zum Euro sank er auf ein Dreimonatstief.

    Die Fed kündete an, ihre Käufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren fortzusetzen „mindestens auf dem derzeitigen Niveau“, stellet Powell klar. So wird die Fed künftig Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden Dollar und mit Hypotheken besicherte Anliehen, sogenannte Mortgage Backed Securities, im Wert von 40 Milliarden Dollar pro Monat kaufen, um zu verhindern, dass die Märkte erneut austrocknen.

    Die Lage auf den wichtigen Finanzmärkten hat sich dank dem schnellen und aggressiven Einschreiten der Fed in den vergangenen Monaten bereits deutlich beruhigt. Ende März, während der großen Marktturbulenzen, kaufte sie allein in einer Woche Staatsanleihen im Wert von 375 Milliarden Dollar. Zudem erwägt die Fed ein weiteres Instrument einzusetzen, um die Wirtschaft zu stützen: die Kontrolle der Zinskurve. Die Notenbanker hätten ein Briefing zu der historischen Wirkung der Maßnahme bekommen, die von der Fed von 1941 bis 1951 eingesetzt wurde und das Niveau der Anleiherenditen fixiert, so Powell. Ebrahim Rahbari, Währungsstratege der Citigroup, rechnet damit, dass es frühstens im September dazu kommen könnte.

    Fed ist im Dauereinsatz

    Die Fed ist seit Ausbruch der Krise im Dauereinsatz. Weil sich Hedgefonds mit Wetten auf Staatsanleihen verspekuliert hatten, kam es zu Notverkäufen und dazu, dass die Märkte zum Teil nicht mehr funktionierten. Zum ersten Mal überhaupt kauft die Fed auch Unternehmensanleihen, und zwar auch die von ohnehin schon hochverschuldeten Firmen.

    In Kürze werden weitere Hilfsprogramme starten, die schon länger in Arbeit sind. Eines wird ebenfalls zum ersten Mal direkt Kommunalanleihen kaufen, um Städten und Gemeinden dabei zu helfen, die hohen Kosten rund um die Coronakrise zu stemmen. Ein zweites soll die Kreditvergabe an Mittelständler fördern, was unter anderem der Sicherung von Arbeitsplätzen dienen soll. Es wurde erst am Montag noch einmal erweitert, um möglichst vielen Unternehmen Zugang dazu zu gewähren.

    Die Programme würden in den kommenden Tagen starten. Das sei noch nicht zu spät, versicherte Powell. Die Notenbanker hätten die Zeit sinnvoll genutzt, um sicherzustellen, dass möglichst viele Empfänger von ihnen profitieren.

    Weitere Hilfsprogramme könnten nötig sein, sowohl von der Fed als auch von der Regierung, betonte Powell. Konkrete Empfehlungen für neue fiskalpolitische Maßnahmen wollte er nicht geben. Er betonte jedoch seine Sorge vor einer langen Schwächephase am Arbeitsmarkt. Von den vielen Mitarbeitern, die nur temporär arbeitslos sind, „werden sicher nicht alle zurück in ihre Jobs gehen können“, warnte Powell. Millionen von Amerikanern würden vermutlich in den kommenden Jahren noch nicht mal in der gleichen Branche eine neue Stelle finden. Zudem könnte eine zweite Infektionswelle den Aufschwung gefährden, selbst wenn es nur, wie derzeit in Texas und Kalifornien, zu einem lokalen Anstieg der Fälle kommt.

    Vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed haben Europas Aktienanleger eine Verschnaufpause eingelegt. Der Dax ging am Mittwoch 0,7 Prozent im Minus bei 12.530 Punkten aus dem Handel, der EuroStoxx gab rund 0,8 Prozent ab.

    Mehr: Mohamed El-Erian im Interview: „Die Rally kann noch eine Weile so weitergehen“

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    1 Kommentar zu "Geldpolitik: US-Notenbank bremst den Optimismus der Trump-Regierung"

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    • Die Fed wird demnach Städten und Gemeinden Finanzmittel zur Verfügung stellen. Das sollte das Regierungs-Berlin mit der Lupe lesen. €-Europa, d.h. die EZB könnte ähnliches auch vorbereiten und dann schnell durchführen. In Deutschland und Europa sind zahlreiche Städte und Gemeinden finanziell kaum noch handlungsfähig. Der allgemeine Lacher lautet: Und ewig stinkt das Schulklo, es regnet in so machen Schulen durch das Dach. Es ist kein Staatsgeheimnis, was zu tun ist. Es sind Städte und Gemeinden mit Finanzmitteln auszustatten, Zinsen Null, 50 Jahre Laufzeit, dann wächst man aus den Schulden sanft heraus, auch wenn die Inflation nur 2% jährlich betragen wird.

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