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Dax aktuellDax schließt vor Fed-Entscheid im Minus – Airline-Papiere unter Druck

Eine Entscheidung der Bundesregierung hat die Aktien von Airlines belastet. Anleger blieben vor der Sitzung der US-Notenbank Fed zurückhaltend.Charlotte Raskopf 10.06.2020 - 18:11 Uhr aktualisiert

Erfolgreicher Börsenmonat Mai, erfolgreicher Start in den Juni.

Foto: dpa

Düsseldorf. Im Vorfeld der Sitzung der US-Notenbank Fed haben sich die Anleger am Mittwoch zurückgehalten. Der Dax schloss 0,7 Prozent im Minus bei 12.530 Punkten. Der MDax als Index der mittelgroßen Unternehmen schloss 0,5 Prozent im Minus, der EuroStoxx 50 verlor 0,8 Prozent.

Hinter dem Dax liegt ein bewegter Handelstag. Nach einem anfänglichen Plus fiel der Dax etwa zwei Stunden nach Handelsstart rapide ins Minus. Zwischen dem Tageshoch kurz nach Handelsstart und Tagestief liegen fast 300 Punkte. Im Tagesverlauf konnte der Dax die Verluste kurzzeitig aufholen und stieg sogar ins Plus, fiel dann aber wieder deutlich unter den Stand des Vortages.

Auf Wochensicht bleibt dem Leitindex aber weiterhin ein Plus von fast fünf Prozent, auf einen Monat gerechnet sogar ein Plus von mehr als 15 Prozent. Nach der Rally der vergangenen Tage war diskutiert worden, wann eine Korrekturphase beginnen könnte.

Anleger nahmen am Mittwoch Gewinne mit. „Allerdings gibt es zurzeit keine richtigen Alternativen zu Aktien“, sagte Christian Henke von IG Markets.

Im Fokus steht heute vor allem auf die Geldpolitik in den USA. Am Abend gibt die Fed ihre Entscheidungen bekannt. Experten gehen aber nicht davon aus, dass die Notenbank große Neuerungen verkünden wird.

Trotzdem blicken Anleger mit Spannung auf die Äußerungen. „Die Fed sollte ihren Kurs zwar kaum ändern, jedoch neue Konjunkturprognosen abliefern“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Anleger erhoffen sich also Hinweise auf die Auswirkungen der Coronakrise auf die Wirtschaft.

Die Äußerungen der Fed dazu könnten die Kurse beeinflussen: „Die Fed-Entscheidung heute Abend ist maßgebend, ob die Märkte einen Boxenstopp einlegen oder eine Kehrtwende“, sagt Vishnu Varathan, Leiter bei der Mizuho Bank in Singapur.

Am Montag hatte die Fed die Bedingungen ihres Kreditprogramms für kleinere und mittlere Unternehmen gelockert und die Mindestsumme auf 250.000 Dollar von 500.000 Dollar gesenkt. Auch die Zahlungsfristen wurden verlängert. Außerdem rief die Notenbank die Banken dazu auf, sofort mit der Vergabe der Kredite zu beginnen.

Insgesamt haben die US-Währungshüter für ihre Maßnahmen in der Coronakrise bislang vor allem Lob bekommen, doch es gibt auch Kritik von prominenter Seite. So äußerte sich Bill Dudley, der frühere Chef der Notenbank in New York im Gespräch mit dem Handelsblatt besorgt.

Aus den USA kam ein weiterer Impuls: Das Arbeitsministerium gab die Verbraucherpreise bekannt. Die durch die Coronakrise hervorgerufene Rezession scheint nun auch die Inflation zu drücken. Die hohen Arbeitslosenzahlen in der Coronakrise reduzieren die Nachfrage nach vielen Gütern. Im Mai stiegen die Verbraucherpreise nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, im April waren es noch 0,3 Prozent.

Auch in den USA hielten sich die Anleger vor dem Fed-Entscheid zurück. Nur der Technologieindex Nasdaq setzte seine Rally der vergangenen Tage fort.

Zu den größten Gewinnern gehören am Mittwoch Bank-Aktien, unter anderem gehörte die Deutsche Bank mit einem Plus von 1,4 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax. Eine Rolle spielte dabei auch die Nachricht, dass die Europäische Zentralbank (EZB) wohl Pläne für eine „Bad Bank“ zur Abfederung möglicher neuer wirtschaftlicher Schockwellen in der Coronakrise vorantreibt. Von diesen Plänen hatte die Nachrichtenagentur Reuters erfahren.

Diese „Bad Bank“ könnte dann eine Sammelstelle für faule Kredit sein. Experten gehen davon aus, dass sich die europäischen Banken in der Coronakrise auf eine Welle fauler Kredite vorbereiten.

Weiter unter Druck stehen dagegen Airlines. Die Bundesregierung hat entschieden, dass die Reisewarnung für Drittstaaten verlängert wird. Das schickte die Papiere von Lufthansa und Tui auf Talfahrt.

Der Euro kostete zum Handelsschluss 1,1356 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vortag. Auch auf dem Ölmarkt gibt es Bewegung: Der Ölpreis litt unter dem überraschenden Anstieg der US-Lagerbestände.

Einzelwerte im Fokus

Commerzbank: Der Finanzinvestor Cerberus hat die Spitze der Commerzbank unter Druck gesetzt, das Management scharf kritisiert und zwei Sitze im Aufsichtsrat der Commerzbank gefordert. Die Commerzbank erwiderte, man erkenne die Kritik an und nehme sie in die Planungen auf. Die Aktien der Bank legten zum Handelsauftakt bis zu fünf Prozent zu, schlossen aber 0,5 Prozent im Minus.

Henkel: Im zweiten Quartal hat auch der Konsumgüterhersteller die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zu spüren bekommen. Henkel-Chef Knobel bezeichnete das Quartal als schwierig. Die Papiere des Konzerns lagen zum Handelsschluss 0,1 Prozent im Plus.

ProSiebenSat1: Die Coronakrise hat auch den TV-Konzern getroffen. Die Werbeeinnahmen sind massiv eingebrochen. Konzernchef Beaujean erwartet auch für Juni „keine dramatische Besserung“. Um zu sparen, hat das Unternehmen verschiedene Maßnahmen beschlossen: Investitionen werden gekürzt, 1244 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und die Dividende gestrichen. Die Papiere schlossen rund 6,5 Prozent im Minus.

Hornbach Holding: Der Baumarktbetreiber hält nach einem kräftigen Umsatz- und Gewinnsprung im ersten Geschäftsquartal an der Jahresprognose fest. Trotzdem hieß es vom Konzern: Die konjunkturellen Risiken durch die Coronakrise im weiteren Geschäftsverlauf seien erheblich und schwer abschätzbar. Für die Titel ging es 5,9 Prozent nach oben.

Lufthansa: Die Entscheidung der Bundesregierung, die Reisewarnung für Drittstaaten zu verlängern, setzt der Airline zu. Hinzu kam, dass die Schweizer Großbank UBS die Aktien von „Buy“ auf „Sell“ herabstufte und das Kursziel von 18,00 auf 5,85 Euro anpasste. Die Lufthansa-Anteile fielen um 5,7 Prozent und sind damit das Schlusslicht im Dax.

Tui: Auch der Reisekonzern leidet unter dem Beschluss der Bundesregierung. Zudem raten das Auswärtige Amt und das Innenministerium eindringlich von Kreuzfahrten ab. Die Papiere geben in Frankfurt fast 7,2 Prozent nach.

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