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Insider EZB treibt Pläne für Bad Bank im Kampf gegen Wirtschaftsmisere voran

Die EZB plant offenbar eine Sammelstelle, in der Milliarden Euro an faulen Krediten landen könnten. Noch ist das Projekt jedoch nicht spruchreif.
10.06.2020 - 07:41 Uhr 2 Kommentare
Die Notenbank arbeitet an einem Plan zum Umgang mit faulen Krediten. Quelle: dpa
EZB

Die Notenbank arbeitet an einem Plan zum Umgang mit faulen Krediten.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Europäische Zentralbank (EZB) treibt offenbar konkrete Pläne für eine Art Bad Bank zum Abfedern möglicher neuer wirtschaftlicher Schockwellen in der Corona-Pandemie voran. Wie mehrere mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters mitteilten, ist eigens zu diesem Zweck eine Projektgruppe eingesetzt worden.

Diese hat laut einem Insider Vorbereitungen für eine europäische Sammelstelle verstärkt, in der hunderte Milliarden Euro an toxischen Krediten landen könnten. Diese Bad Bank solle für den Fall eingerichtet werden, dass sich in einer verstärkten Wirtschaftsmisere und wegen erhöhter Arbeitslosenzahlen Kredite in größerem Maße als ausfallgefährdet erweisen sollten.

Laut Andrew Orr vom Beratungshaus Deloitte bereiten sich europäische Banken im Zuge der Corona-Krise bereits auf eine „Welle fauler Kredite“ vor. Bereits jetzt gelten in Europa Kredite im Volumen von mehr als einer halben Billion Euro als gefährdet. Das heißt: Es ist unwahrscheinlich, dass diese jemals völlig zurückgezahlt werden können. Laut den EZB-Insidern gibt es die Befürchtung, dass diese Summe sich als Folge der Corona-Krise auf eine Billion Euro ausweiten könnte.

Die Idee einer Bad Bank zur Abwehr solcher und ähnlicher Risiken war bereits vor Jahren diskutiert worden, dann jedoch fallengelassen worden. Wie einer der Insider mitteilte, hat die EZB unter der Führung ihrer Präsidentin Christine Lagarde das Thema in den vergangenen Wochen wieder aufgegriffen und dazu auch Banken und EU-Vertreter konsultiert. Offiziell wollte sich die EZB zu den Plänen indes nicht äußern.

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    Wie weitere Gewährsleute mitteilen, könnte in einem der durchgespielten Szenarien der Euro-Rettungsfonds ESM als Absicherung für eine solche Bad Bank fungieren. Die Idee dahinter: Die Bad Bank würde Anleihen ausgeben und im Gegenzug Bündel von ausfallgefährdeten Krediten der Geschäftsbanken einsammeln, womit der Schock für die Kreditbranche abgemildert werden könnte. Die Banken könnten dann diese Anleihen wiederum als Sicherheit nutzen, um sich bei der EZB mit frischem Geld einzudecken.

    EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte jüngst einen 750 Milliarden Euro großen Wiederaufbaufonds vorgestellt, mit dem die verheerenden wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abgefedert werden sollen. Zuvor waren bereits Kredithilfen im Umfang von 540 Milliarden Euro beschlossen worden - etwa für Unternehmen über die Förderbank EIB oder für Staaten über den ESM.

    Projekt noch nicht Spruchreif

    Das Bad Bank-Projekt könnte im späteren Jahresverlauf spruchreif werden, wenn Regierungen und Notenbankenchefs eine Notwendigkeit dafür sehen sollten. Der oberste EZB-Bankenaufseher, Andrea Enria, hat Sympathie für eine solche Bad Bank erkennen lassen. Allerdings betonte er jüngst, es sei noch zu früh, darüber schon zu diskutieren. Denn es sei noch nicht klar, wie gravierend die Auswirkungen der Corona-Pandemie ausfallen würden.

    In Spanien und Irland hätten sich entsprechende Sammelstellen für toxische Kredite nach der Finanzkrise bewährt: „Viele dieser Pläne sind aufgegangen und haben Gewinne erwirtschaftet“, sagt Enria. Laut dem Italiener schaut sich die EZB derzeit an, wie Banken damit zurechtkämen, sollte sich die Krise verschärfen.

    Derzeit seien ihre Kapitalposter wohl ausreichend, falls es nicht zu einer zweiten Virus-Welle kommen sollte. Falls die Pläne für eine Bad Bank reifen sollten, dürfte sich insbesondere Widerstand in Deutschland regen, wo bereits eine gemeinsame europäische Einlagensicherung für Sparer für viele ein rotes Tuch ist. Hiesige Kritiker des Projekts befürchten unter anderem, bei Problemen von Banken in Südeuropa könnten heimische Geldhäuser mit in die Haftung genommen werden.

    Mehr: Wenn die wirtschaftlichen Probleme in Europa auf die Banken durchschlagen, ist staatliche Hilfe geplant. Aber daraus sollte kein Ersatz für Finanzpolitik werden.

    • rtr
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    2 Kommentare zu "Insider: EZB treibt Pläne für Bad Bank im Kampf gegen Wirtschaftsmisere voran"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Haftungsübernahme durch den Staat ist eine tolle Sache für Banken. Die Zentralbanken der Welt reißen sich gerade darum Schrottpapiere abzunehmen.
      Ist das Vertrauen in die Geschäftsbanken schon verschunden oder wird das ein "Konjunkturprogramm" für Banken?
      Die normale Reaktion wäre das Zinsen für schlechte Kredite steigen - das scheint politisch nicht erwünscht zu sein.

    • Die vorgestellte Methode ist so, als würde sich die Katze im Kreis drehen. Es geht viel einfacher und verständlicher, ohne wieder mal mehr Bürokratie zu verursachen. Wir erinnern uns. Jede Menge Geld wurde aus dem Nichts geschöpft, von den öffentlichen und privaten Banken, und als Kredit in die Wirtschaft vergeben. Kommt nun ein Kredit in Notlage, wird er an die Bad-Bank mit einem kleinen Abschlag übertragen. Ein Abschlag als Strafe für die falsche Kredit-Vergabe. Die Privatbank muss natürlich bestraft werden dafür, dass sie den Kredit vergeben hat, so dass das Haftungsprinzip noch etwas erhalten bleibt. (Andernfalls würden Privat-Banken in Versuchung geraten, an ihre Busen-Freunde Kredite zu vergeben, die dann vorsätzlich notleidend werden würden, um dann von der EZB übernommen zu werden). Zurück zum normalen Geschehen. Die von der Bad-Bank übernommenen Kredite wickelt die Bad-Bank dann in aller Ruhe ab, Zinsen Null, in dem die Sicherheiten, z.B. Immobilien, verwertet werden. Der Restbetrag kann problemlos ausgebucht werden, dann das Geld wurde aus dem Nichts geschöpft und es wird somit kein Sparer-Geld von Tante Elfriede vernichtet. Diese Methode sollte natürlich nur für Krisenzeiten gelten. Ausblick: Riskante Unternehmungen, wie z.B. der erste Kern-Fusions-Reaktor sollen ohnehin vom Staat, mit geschöpftem Geld, finanziert werden. Private Banken können solche Risiken nicht tragen.

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