KI: Trump will Tech-Konzerne für neue Kraftwerke bezahlen lassen
Washington. US-Präsident Donald Trump greift mit einer ungewöhnlichen Maßnahme in den amerikanischen Stromsektor ein. Gemeinsam mit mehreren Gouverneuren im Nordosten der USA will seine Regierung die großen Technologiekonzerne verpflichten, für den Bau neuer Kraftwerke zu zahlen, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Hintergrund ist der stark steigende Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz – und die wachsende politische Sorge vor weiter steigenden Strompreisen für Verbraucher.
Konkret soll der größte US-Stromnetzbetreiber, PJM Interconnection, zu einer Notfallauktion gedrängt werden. In dieser sogenannten Zuverlässigkeitsauktion sollen Betreiber von Rechenzentren auf langfristige Stromverträge bieten, die den Bau neuer Kraftwerke absichern. Nach Angaben aus dem Weißen Haus könnten so Investitionen von bis zu 15 Milliarden Dollar ausgelöst werden.
Die Initiative soll am Freitag in Form einer „Erklärung gemeinsamer Prinzipien“ vorgestellt werden. Unterzeichner sind Trumps „National Energy Dominance Council“ sowie die Gouverneure mehrerer Bundesstaaten, darunter Pennsylvania, Ohio und Virginia. PJM versorgt rund 67 Millionen Amerikaner vom Atlantik bis in den Mittleren Westen.
Hoher Strombedarf der KI wird politisches Risiko
Allein in diesem Gebiet wird der Strombedarf bis 2030 voraussichtlich um 17 Prozent steigen, weil dort Rechenzentren gebaut werden, über die KI-Anwendungen laufen. Weil die Stromerzeugung nicht in gleicher Geschwindigkeit ausgebaut wurde, steigen die Kosten für den verfügbaren Strom.
Der durchschnittliche Strompreis in den USA lag im September bei 18,07 Cent je Kilowattstunde – ein Plus von 7,4 Prozent binnen eines Jahres. Für Haushalte fiel der Anstieg mit über zehn Prozent seit Jahresbeginn noch stärker aus. Steigende Lebenshaltungskosten machen die Wähler unzufrieden und gelten als zentrales Risiko dafür, dass die Republikaner bei den im Herbst stattfindenden Midterm-Wahlen Stimmen verlieren.
Verantwortlich für die hohen Strompreise seien die großen Tech-Konzerne, sagt Trump daher. „Ich will niemals, dass Amerikaner wegen Rechenzentren höhere Stromrechnungen zahlen“, schrieb er diese Woche in sozialen Medien.
Bislang beschafft PJM Strom über Auktionen mit einer Laufzeit von einem Jahr. Der nun von der Regierung favorisierte Mechanismus würde davon radikal abweichen: Die neuen Verträge sollen über 15 Jahre laufen und ausschließlich von Rechenzentrumsbetreibern finanziert werden – unabhängig davon, ob sie die Strommengen tatsächlich abnehmen.
Für Kraftwerksbetreiber wäre das ein Paradigmenwechsel. Langfristig garantierte Erlöse könnten den Bau neuer Gaskraftwerke beschleunigen und auch neue Atomkraftwerksprojekte wirtschaftlich machen. Der Markt gilt bislang als volatil, mehrere Erzeuger gingen in den vergangenen Jahren insolvent.
„Das klingt nach einer logischen Weiterentwicklung des Prinzips, dass neue Großverbraucher ihre eigene Erzeugung mitbringen“, sagt Joe Bowring, Chef der unabhängigen PJM-Marktaufsicht Monitoring Analytics.
Formell ist die Erklärung nicht bindend. Doch der politische Druck ist hoch. Neben Trump unterstützen auch demokratische Gouverneure wie Pennsylvanias Josh Shapiro das Vorgehen. „Eine parteiübergreifende Koalition erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass PJM reagiert“, sagt Timothy Fox vom Analysehaus ClearView Energy Partners.
PJM-Sprecher Jeffrey Shields teilte mit, man sei nicht in die Gespräche eingebunden und werde an der Präsentation nicht teilnehmen. Dennoch steht der Netzbetreiber unter Druck: Am Montag muss PJM der Regulierungsbehörde FERC darlegen, wie es auf wiederholte Fehlmengen und Rekordpreise in den Auktionen reagieren will.
Wer von der Regelung profitiert – und wer nicht
Für die großen Betreiber von Rechenzentren wie Amazon, Google oder Microsoft wäre das Modell verkraftbar. Sie können steigende Energiekosten in der Regel an Kunden weitergeben. Schwieriger wird es für kleinere Anbieter von KI-Infrastruktur wie CoreWeave oder Nebius, die langfristige Cloud-Verträge abgeschlossen haben.
„Wenn ihre Stromkosten steigen, geraten die Margen unter Druck“, sagt Analyst Gil Luria vom Finanzdienstleister DA Davidson.
Die Regierung betrachtet das Vorgehen ausdrücklich als Ausnahme – aber auch als Vorbild für eine mögliche Ausweitung. Fast alle US-Stromnetze könnten laut Goldman Sachs bis 2030 an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.