Inflation: US-Zinsen könnten laut Fed-Mitglied 2024 sinken
Die New Yorker Fed gilt als die einflussreichste unter den 12 regionalen Notenbanken in den USA.
Foto: ReutersFrankfurt. Zinssenkungen der US-Notenbank können aus Sicht eines ihrer führenden Währungshüter in der ersten Hälfte des nächsten Jahres nicht ausgeschlossen werden. „Ich denke, das hängt von den Daten ab und davon, was mit der Inflation passiert“, sagte der Chef der Federal Reserve Bank von New York, John Williams, in einem am Montag veröffentlichten Interview der „New York Times“. „Die erste Hälfte des nächsten Jahres liegt noch in weiter Ferne“, fügte er hinzu.
Die Fed hat auf ihrem Straffungskurs im Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen bereits elf Mal angehoben. Aktuell liegen sie in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent.
„Für mich persönlich sind die Inflationsdaten so ausgefallen, wie ich es erwartet und erhofft hatte“, sagte Williams. Das von der Fed viel beachtete Inflationsmaß, der sogenannte PCE-Kernindex, war im Juni überraschend deutlich auf eine Jahresteuerungsrate von 4,1 Prozent gefallen nach 4,6 Prozent im Mai. Dies ist der niedrigste Wert seit September 2021.
Zuletzt hatte sich zudem der heißgelaufene US-Arbeitsmarkt abgekühlt. Dies sorgte am Finanzmarkt für Spekulationen, der Zinsgipfel könne jetzt erreicht sein.
Die USA befinden sich nicht in einer Rezession, sagte Williams. Aber die Fed müsse sehen, dass Angebot und Nachfrage wieder zurück in eine Balance kämen. Auf die Frage, ob dazu weitere Zinsanhebungen notwendig seien, antwortete er: „Ich denke, dass ist eine offene Frage, ehrlich.“ Aus Sicht von Williams befindet sich die Fed bereits ziemlich nahe am Zinsgipfel.
Fed-Direktorin Bowman: Weitere Zinserhöhungen sind wohl notwendig
Aus Sicht von Fed-Direktorin Michelle Bowman sind dagegen wahrscheinlich weitere Schritte nach oben notwendig. Aus ihrer Sicht ist die Teuerung immer noch zu hoch. Zudem zeigten das Job-Wachstum und andere Indikatoren für die Wirtschaftstätigkeit, dass die US-Wirtschaft weiterhin moderat wachse, sagte sie am Montag laut vorbereiteten Bemerkungen für eine Notenbank-Veranstaltung in Atlanta. „Angesichts dieser Entwicklungen habe ich auf unserer Juli-Sitzung eine Anhebung der Leitzinsen unterstützt, und ich erwarte, dass weitere Erhöhungen wahrscheinlich notwendig sein werden, um die Inflation auf das Ziel zu senken.“
Sie überlege, ob weitere Schritte nach oben erforderlich sind und wie lange die Zinsen auf einem hinreichend restriktiven Niveau gehalten werden müssen. Dabei werde sie auf Hinweise achten, ob sich die Inflation auf einem konsistenten und bedeutsamen Pfad nach unten bewege, sagte Bowman.
Unter einem restriktiven Zinsniveau verstehen Volkswirte ein Niveau, das eine Volkswirtschaft bremst. Bowman hatte sich am Samstag ähnlich geäußert.
Notenbank-Chef Jerome Powell hatte zuletzt die Tür für eine weitere Zinserhöhung im September offengelassen. Zugleich schloss er aber auch eine Zinspause nicht aus. Die Währungshüter haben bereits elf Mal die Schlüsselzinsen angehoben – zuletzt im Juli um einen viertel Prozentpunkt auf die aktuelle Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent.