Teuerungsrate: Negative Inflation: Deutsche Verbraucherpreise sinken durch Mehrwertsteuersenkung
Sinkende Verbraucherpreise sind gefährlich für die konjunkturelle Entwicklung.
Foto: dpaDüsseldorf. Die deutschen Verbraucherpreise sind erstmals seit mehr als vier Jahren gefallen: Sie sanken im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent. Das gab das Statistische Bundesamt in seiner vorläufigen Schnellschätzung am Donnerstag bekannt. Ein negatives Vorzeichen bei der Inflationsrate hatte es zuletzt im April 2016 gegeben.
Die Inflationsrate ist unter anderem durch die seit 1. Juli 2020 geltende Mehrwertsteuersenkung beeinflusst. Die Bundesregierung hat die Steuer im Kampf gegen die Corona-Rezession reduziert, um den Konsum anzuschieben. Der reguläre Steuersatz wurde bis Jahresende von 19 auf 16 Prozent gesenkt, der ermäßigte von sieben auf fünf Prozent.
Viele Unternehmen haben versprochen, die Senkung vollständig an die Verbraucher weiterzugeben. Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank, hatte überschlagen, dass die Mehrwertsteuersenkung die deutsche Inflationsrate im Juli um rund einen Prozentpunkt senken könnte.
Auch der niedrige Ölpreis drückte auf das Preisniveau. Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland wurden im Juli im Schnitt um 6,7 Prozent günstiger. Nahrungsmittel verteuerten sich zwar im Schnitt um 1,2 Prozent, das war aber deutlich langsamer als in den Vormonaten.
Dennoch hatten Ökonomen für Juli für die Inflationsrate im Schnitt mit einem Rückgang auf lediglich 0,4 Prozent gerechnet. Im Juni lag die Rate noch bei 0,9 Prozent.
Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den Euro-Raum mittelfristig einen Wert von unter, aber nahe zwei Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Diese Rate hat die Notenbank seit langem nicht mehr nachhaltig erreicht, was neben der Corona-Pandemie ein Grund für ihre extrem lockere Geldpolitik ist.
Sinkende Verbraucherpreise sind gefährlich für die konjunkturelle Entwicklung. Sie können eine Abwärtsspirale auslösen, wenn Verbraucher auf weiter fallende Preise spekulieren und Kaufentscheidungen immer weiter nach hinten schieben.
Mit Material von Reuters.