Vertragsverlängerung: Claudia Buch soll Bundesbank-Vizepräsidentin bleiben – Finanzexpertin mit Vorliebe für Daten
Die Bundesbank-Vizepräsidentin ist bei der Notenbank für Finanzstabilität und Statistik zuständig.
Foto: ReutersFrankfurt, Berlin. Claudia Buch zeichnet sich vor allem durch eine Leidenschaft aus: Sie ist überzeugt, dass sich Entscheidungen durch die genaue Auswertung von Daten verbessern lassen. Schon als junge Wissenschaftlerin reiste sie durch Osteuropa, um sich Statistiken zur Lage der Banken zu besorgen, die sie für ihre Forschung brauchte.
Auch in ihrer Rolle als Bundesbank-Vizepräsidentin und Verantwortliche für die Bereiche Statistik und Finanzstabilität ist sie sehr auf Zahlen bedacht. Auf diese Expertise setzt die Bundesregierung auch künftig. Sie will die 56-Jährige für eine weitere Amtszeit von acht Jahren vorschlagen, wie das Handelsblatt aus Kabinettskreisen erfuhr.
Fachlich genießt Buch einen ausgezeichneten Ruf. Ihre Spezialität ist das Gebiet der Finanzstabilität, das seit der Finanzkrise deutlich an Bedeutung gewonnen hat. So stellt sie den Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank vor.
Die Ökonomin setzt sich seit Langem dafür ein, dass die Banken mit höheren Kapitalpuffern eine bessere Vorsorge gegen künftige Krisen treffen. Dabei scheut sie auch den Konflikt mit der Finanzlobby nicht. Sie warnt außerdem seit Jahren vor Übertreibungen am Immobilienmarkt.
Nach ihrem Volkswirtschaftsstudium in Bonn und in Wisconsin promovierte und habilitierte Buch am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Bevor sie zur Bundesbank kam, leitete sie das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung und danach kurzzeitig das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH).
Ihr starker Fokus auf Zahlen ist nicht unumstritten
Dass Buch stark auf Daten achtet und weniger vorgefertigte Meinungen vertritt, bringt ihr nicht nur Zustimmung ein. Manchmal gibt es intern den Vorwurf, sie vertrete nicht deutlich genug traditionelle Positionen der Bundesbank. Ihr Fokus auf Wissenschaft ruft mitunter leisen Spott hervor; es heißt dann, sie würde an jeden Satz am liebsten noch zwei Fußnoten hängen oder jede Berechnung selbst anstellen.
Nach außen tritt Buch zurückhaltender auf als andere Notenbankvertreter. Sie drängt sich nicht in die Schlagzeilen. Ihr ist es wichtiger, sich fachlich korrekt auszudrücken als möglichst viel Aufmerksamkeit zu erlangen.
Politisch lässt sie sich nicht klar einordnen. Vor acht Jahren ist sie auf Vorschlag des früheren Finanzministers Wolfgang Schäuble für ihren aktuellen Posten ernannt worden. Nun hält die Ampelkoalition an ihr fest. Vor allem in den ersten Jahren ihrer Amtszeit hat sie die Öffentlichkeit eher gemieden. Dies dürfte auch ein Grund gewesen sein, weshalb sich die Politik bei der Nachfolge von Jens Weidmann gegen sie und für Joachim Nagel entschieden hat. Als Vizepräsidentin wäre Buch sonst die logische Kandidatin für das Spitzenamt gewesen.