Weidmann gegen Asmussen: Bruderkrieg in Karlsruhe
Jörg Asmussen und Jens Weidmann stehen sich am Dienstag vor dem Bundesverfassungsgericht gegenüber.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Mario Draghi lässt seinem deutschen EZB-Ratskollegen den Vortritt. Jörg Asmussen soll die umstrittene Position der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Kauf von Staatsanleihen vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe verteidigen. „Es ist nicht so, dass ich nicht will“, sagte Draghi auf der EZB-Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Doch nicht er persönlich habe eine Einladung erhalten, sondern die Europäische Zentralbank. Sie werde mit Jörg Asmussen „die beste und am meisten geeignete“ Person nach Karlsruhe schicken. Asmussen sei bei der EZB für Rechtsfragen zuständig und kenne sich besser mit dem deutschen Rechtssystem aus.
Es ist vor allem eine taktische Entscheidung. Im Sommer vergangenen Jahres hatte Draghi angekündigt, dass die EZB im Notfall unbegrenzt Anleihen der Krisenländer aufkauft. Hierfür hat die EZB das Anleihenkaufprogramm OMT (Outright Monetary Purchases) aufgelegt. Viele Deutsche sehen es kritisch. Sie fürchten, dass sie für neue Risiken haften müssen. Zu den größten Profiteuren gehört hingegen Draghis Heimatland Italien. Daher hat es eine höhere Glaubwürdigkeit, wenn Asmussen und nicht Draghi das Anleiheprogramm verteidigt.
Asmussens Widersacher in Karlsruhe ist ausgerechnet Bundesbank-Chef Jens Weidmann, den er schon seit Studientagen kennt. Beide studierten beim früheren Bundesbank-Chef Axel Weber in Bonn. Asmussen schlug eine politische Laufbahn ein und stieg 2008 zum Staatssekretär im Finanzministerium auf. Weidmann wechselte erst zum Internationalen Währungsfonds (IWF) und dann als Generalsekretär zum Sachverständigenrat. 2006 berief ihn Angela Merkel als Wirtschaftsberater ins Kanzleramt.
Während der Großen Koalition harmonierten Asmussen und Weidmann prächtig. Gemeinsam arbeiteten beide in der Finanzkrise geräuschlos zusammen. Doch dann trennten sich die Wege der beiden.
Die Harmonie endete abrupt, als beide neue Jobs antraten. Anfang 2011 berief Angela Merkel Weidmann zum Chef der Bundesbank. Knapp ein Jahr später nominierte ihre Regierung Asmussen für das EZB-Direktorium.
Zwischen EZB und Bundesbank hat sich in der Euro-Krise ein tiefer Spalt aufgetan. Die Zentralbank ist auf einen pragmatischen Kurs eingeschwenkt: Sie will den Euro unbedingt erhalten und ist dafür auch zu unkonventionellen Maßnahmen bereit. Die Bundesbank hält davon nichts und bleibt ihrer traditionellen Linie treu, wonach die Notenbank ausschließlich die Inflation bekämpfen soll.
Asmussen und Weidmann sind innerhalb kürzester Zeit in ihre neuen Rollen geschlüpft. EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen sprang seinem neuen Chef Draghi bei und verteidigte das Anleihekaufprogramm von der ersten Stunde an. Es sei viel „besser konzipiert“ als seine Vorläufer und mit dem Auftrag der Notenbank vereinbar.
Weidmann hielt dagegen: Anleihekäufe seien zu nah an einer Staatsfinanzierung durch die Notenpresse. "In Demokratien sollten über eine so umfassende Vergemeinschaftung von Risiken die Parlamente entscheiden und nicht die Zentralbanken."
Nun kommt es zur Fortsetzung des Duells in Karlsruhe. Mario Draghi versuchte in der vergangenen Woche die Spannung herunterzuspielen. Es gehe nicht um persönliche Konflikte, sondern um die Sache. "Da wird zu viel dramatisiert". Doch an der Dramatisierung ist Draghi nicht ganz unschuldig. Schließlich war es seine Entscheidung, Jörg Asmussen nach Karlsruhe zu schicken.