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ImmobilienGericht kassiert Urteil zu Adler-Sanierungsplan – Aktie bricht ein

Ein Jahr nachdem ein High-Court-Richter den umstrittenen Sanierungsplan genehmigt hat, verliert Adler in der nächsten Instanz. Der Konzern will den Plan dennoch umsetzen.René Bender, Lars-Marten Nagel, Michael Verfürden und Arno Schütze 23.01.2024 - 12:33 Uhr
Plakate an einer Adler-Group-Baustelle für Luxusapartments: Die Entscheidung habe keinen Einfluss auf die vorher implementierte Restrukturierung, hieß es vom Konzern. Foto: Bloomberg

Düsseldorf. Ein Berufungsgericht hat das Urteil kassiert, mit dem der Londoner High Court den umstrittenen Sanierungsplan der Immobiliengruppe Adler genehmigt hatte. Der finanziell schwer angeschlagene Konzern ist nun mit neuen Problemen konfrontiert. Denn im Vertrauen auf die Entscheidung der Vorinstanz hatte Adler neue Schulden im Umfang von 900 Millionen Euro aufgenommen und die Bedingungen milliardenschwerer Anleihen angepasst.

Wie Adler am Dienstag mitteilte, habe der Court of Appeal of England and Wales entschieden, „die vom High Court of Justice of England and Wales am 12. April 2023 verfügte Sanction Order aufzuheben“. Mit der „Sanction Order“ hatte das Gericht den Restrukturierungsplan gegen den Widerstand einer Gläubigergruppe durchgesetzt.

Die Entscheidung des Berufungsgerichts habe „keinen Einfluss auf die zuvor implementierte finanzielle Restrukturierung“, erklärte Adler in einer ersten Reaktion. Der Konzern setze seine laufende Restrukturierung weiterhin planmäßig um. „Unabhängig vom Urteil des Court of Appeal behalten die Anleihebedingungen nach deutschem Recht in vollem Umfang ihre Gültigkeit“, hieß es.

Konzern drohen neue Auseinandersetzungen

Dennoch dürfte dem Konzern neuer Ärger ins Haus stehen. Denn Gläubiger könnten Anpassungen verlangen oder mit hohen Zahlungsforderungen an ihn herantreten.

Die Nachricht über das Urteil führte daher zu schnellen Reaktionen an der Börse: Der Aktienkurs von Adler brach kurz nach der Entscheidung um rund 30 Prozent ein. Er erholte sich kurz darauf wieder leicht und notiert am Mittag bei knapp 40 Cent. Auch das jedoch ist ein Minus von mehr als 13 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Kurz nach Ostern 2023 hatte der Londoner High Court Adler grünes Licht für den angestrebten Sanierungsplan erteilt, den der Vorsitzende des Verwaltungsrats, Stefan Kirsten, als „Befreiungsschlag“ für den Krisenkonzern gepriesen hatte. Adler durfte nach dem Richterspruch knapp eine Milliarde Euro neue Schulden machen und erhielt mehr Freiheiten bei der Rückzahlung von Anleihen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro, die in den kommenden Jahren fällig werden. Im Gegenzug erhielten die Gläubiger höhere Zinsen. Intern wurde das Vorhaben „Project Steel“ getauft.

Die neuen Millionen aus den Reihen der Gläubiger waren für Adlers Finanzierung wichtig. Banken leihen dem Konzern seit April 2022 kein frisches Kapital, weil Adler seine Jahresabschlüsse für 2021 und 2022 ohne Testat von Wirtschaftsprüfern vorlegte.

Monatelanges Ringen um die Rettung

Auch mit den Gläubigern hatte Adler lange um den genauen Rettungsplan gerungen, bevor der High Court im April 2023 entschied. Vor allem eine Gruppe von Investoren der bis 2029 laufenden Anleihen sperrte sich damals gegen den Plan. Die erste Abstimmung über die Sanierung des in Luxemburg gemeldeten Konzerns blockierten sie.

Adler suchte daraufhin den Umweg über den High Court. In London kann das Gericht eine Minderheit der Gläubiger per Sanktionsentscheidung („Sanction Order“) überstimmen. Der Konzern gründete dafür eine britische Tochter und setzte sie als Hauptschuldnerin der Anleihen ein.

Adler argumentierte damals in einer mehrtägigen Anhörung, dass die einzige Alternative zum Plan eine Insolvenz wäre – mit entsprechend negativen Folgen für alle Kreditgeber. Wichtige Geldgeber wie die Fondsverwalter Blackrock und Pimco unterstützten daher das Vorhaben, das Unternehmen kontrolliert zu verkleinern, einen großen Teil der damals rund 26.000 Wohnungen zu verkaufen und seine Schulden schrittweise zurückzuführen. 

Die Gegner formierten sich um den Investor Strategic Value Partners. Sie hielten dagegen, dass sie durch den Plan benachteiligt würden. Viele dieser Investoren hielten die am längsten laufende Adler-Anleihe bis 2029 und gingen davon aus, dass am Ende für sie kein Kapital mehr übrig sein könnte. Zu den Gegnern des Plans gehört auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Richter Thomas Leech genehmigte den Sanierungsplan trotzdem. Im Anschluss an das Urteil zogen die Gegner vor das Berufungsgericht – auch dort fand im Oktober eine mehrtägige Anhörung statt.

Die Entscheidung vom heutigen Dienstag, den Sanierungsplan nun doch abzulehnen, begrüßen die Gegner: „Das Urteil ist ein Sieg für die Gläubiger von Anleihen mit langen Laufzeiten und eine Enttäuschung für die Gläubiger von Anleihen mit kürzeren Laufzeiten, die die Umstrukturierung benötigen, damit ihre Anleihen zurückgezahlt werden können“, sagte Mark Benbow der Nachrichtenagentur Reuters. Benbow ist Portfoliomanager bei Aegon Asset Management, das die bis 2029 laufenden Anleihen von Adler hält.

Bisherige Sanierung eventuell nicht umkehrbar

Wie viel den Gegnern des Sanierungsplans das jetzige Urteil in der Praxis bringt, ist indes offen. Denn Adler hat in den vergangenen Monaten wesentliche Teile der Restrukturierung bereits umgesetzt und damit Fakten geschaffen.

Selbst das Lager der Adler-Opponenten geht laut Handelsblatt-Informationen nicht davon aus, die Umsetzung des Plans wieder zurückdrehen zu können. Allerdings könnte nun dennoch Bewegung in den Fall kommen.

„Die Gläubiger der bis 2029 laufenden Anleihe werden sich jetzt an die anderen Gläubiger wenden und eine Neuverhandlung des Restrukturierungsplans fordern“, glaubt ein Insider aus dem Kreis einer kürzer laufenden Anleihe. „Mit dem Richterspruch haben sie jetzt die rechtlichen Mittel in der Hand, um Druck zu machen. Ihr Ziel ist es, alles in einen Topf zu werfen und gleichmäßig zu verteilen. Die anderen Gläubiger werden wohl ein paar Zugeständnisse machen müssen.“

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Ein anderes mögliches Szenario: Das nun vor Gericht siegreiche Lager könnte sich formieren und Schadenersatzforderungen prüfen.

Adler steht gegen die Entscheidung des Berufungsgerichts noch der Weg vor den Supreme Court offen. Auch wenn der Konzern sich in seiner kurzen Pressemitteilung am Dienstag nicht dazu äußerte, heißt es im Adler-Umfeld, dass es sehr wahrscheinlich sei, dass der Konzern diesen Weg beschreiten werde.

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