Büroraum-Anbieter: Minus 52 Prozent: Wework-Aktie bricht nach Bericht über Insolvenzpläne ein
Die Aktie des Unternehmens ist nachbörslich stark gefallen.
Foto: ReutersNew York. Die Aktie des einst gefeierten Büroraum-Anbieters Wework ist nach einem Medienbericht über angebliche Insolvenzpläne eingebrochen. Im nachbörslichen Handel am Dienstag (Ortszeit) fiel der Kurs um mehr als 42 Prozent. Am Mittwochvormittag ging es an der Wall Street um 52 Prozent abwärts.
Das „Wall Street Journal“ hatte zuvor unter Berufung auf informierte Personen geschrieben, Wework bereite für kommende Woche einen Insolvenzantrag mit Gläubigerschutz vor.
Auch die Nachrichtenagentur Reuters zitierte eine entsprechende anonyme Quelle. „Wir kommentieren keine Spekulationen“, antwortete ein Wework-Sprecher auf Anfrage zu dem Bericht.
Wework wurde vor einigen Jahren zu einem mahnenden Beispiel für maßlos überbewertete US-Start-ups und steckte zuletzt wieder in Schwierigkeiten. Schon im August räumte das Unternehmen mit Blick auf seine Verluste und den erwarteten Geldbedarf „erhebliche Zweifel“ an seinem Fortbestehen ein.
Am Dienstag teilte Wework mit, dass mit Geldgebern ein zusätzlicher einwöchiger Aufschub für weitere Gespräche vereinbart worden sei. Nachdem die Firma Anfang Oktober einen fälligen Schuldenbetrag nicht überwiesen hatte, startete eine 30-Tages-Frist, nach der die Zahlungsunfähigkeit festgestellt werden könnte.
Mögliche Restrukturierung diskutiert
Bereits Ende August war berichtet worden, dass eine Gruppe von Wall-Street-Firmen eine Insolvenz diskutiere. Die Gruppe, zu der Blackrock, King Street Capital und Brigade Capital gehören sollen, führe erste Gespräche über die Umstrukturierungsoptionen des Unternehmens, hieß es.
Am Mittwochvormittag ging es an der Wall Street für Wework um 52 Prozent abwärts.
Foto: BloombergDie Fonds hatten damals laut einem Medienbericht angedeutet, dass sie einen Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel 11 unterstützen würden. Das stellt den Schutz und die Weiterführung des zahlungsunfähigen Konzerns in den Fokus. Die Unternehmen hatten Wework Hunderte von Millionen Dollar geliehen.
Unter dem Schutz des US-Insolvenzrechts können sich Firmen für eine bestimmte Zeit vor dem Zugriff der Gläubiger schützen. Eine Insolvenzanmeldung könnte Wework außerdem helfen, aus teuren Büromietverträgen auszusteigen.
Die Idee hinter Wework ist, in sogenannten Co-Working-Spaces Büroräume mit gemeinsamer Infrastruktur an Start-ups und Unternehmer zu vermieten. Unter anderem dank geschickter Vermarktung durch die Gründer investierten Geldgeber in Wework zu einer Gesamtbewertung von bis zu 47 Milliarden Dollar (44,5 Milliarden Euro).
Mit diesem Ruf eines der wertvollsten Start-ups wollte Wework 2019 an die Börse gehen – doch statt eines Triumphs gab es einen Flop. Der tiefere Einblick ins Geschäft im Börsenprospekt veranlasste große Investoren, einen Bogen um die verlustreiche Firma zu machen.
Coronapandemie belastete Wework schwer
Als der Börsengang 2019 platzte, nahm Softbank weitere 9,5 Milliarden Dollar in die Hand, um auf 80 Prozent aufzustocken und den umstrittenen Mitgründer und Chef Adam Neumann herauszudrängen.
Doch auch unter der Regie von Softbank blieb Wework glücklos. In der Coronapandemie leerten sich Büros weltweit, weil Menschen zu Hause arbeiteten. Auch nach Abklingen der Pandemie tut sich Wework schwer damit, seine Büroflächen zu füllen. Zugleich müssen etwa Mietkosten für Gebäude bezahlt und Schulden bedient werden.
Im Jahr 2021 schaffte es Wework über einen Umweg doch noch an die Börse – durch die Fusion mit einer bereits notierten Blankoscheck-Firma (einem sogenannten Spac). Am Dienstag war Wework vor dem Einbruch im nachbörslichen Handel noch rund 120 Millionen Dollar wert.
Mit Material von dpa.