Immobilien: Banken genehmigen mehr Anträge für Baukredite
Frankfurt. Im Geschäft mit privaten Baufinanzierungen deutet sich eine weitere Belebung an: Zum ersten Mal seit sechs Jahren ist der Anteil abgelehnter Kreditanträge einer Umfrage der Bundesbank zufolge gesunken. Deutschlands Banken haben somit mehr Wohnungsbaukredite bewilligt.
Das geht aus einer regelmäßigen Umfrage zum Kreditgeschäft hervor, für die die Bundesbank viermal im Jahr große Banken in Deutschland befragt. Der sogenannte Bank Lending Survey (BLS) zeigt auch, dass die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten im ersten Halbjahr 2024 merklich angesprungen ist.
Dazu ermittelt die Bundesbank die Differenz von Banken, die eine gestiegene Nachfrage melden, und jenen Banken, die eine rückläufige Nachfrage melden. Im zweiten Quartal berichtete eine deutliche Mehrheit der Banken von einer Belebung des Immobiliengeschäfts. Ihr Anteil war im ersten Quartal dieses Jahres bereits ungewöhnlich hoch gewesen.
Starker Rückgang der Häuserpreise
Wesentlicher Grund dafür ist nach Angaben der Banken, dass Privatkunden die Aussichten am Immobilienmarkt positiver einschätzen. Im Vergleich mit anderen Euro-Ländern hätten sich die Perspektiven hierzulande besonders stark aufgehellt, stellt die Europäische Zentralbank (EZB) fest. Das gehe einher mit dem vergleichsweise starken Rückgang der Hauspreise in Deutschland. Dadurch könnten sich wieder mehr Kunden Wohneigentum leisten.
Gleichwohl hat die Baufinanzierung in Deutschland längst noch nicht wieder das Niveau der Niedrigzinsjahre erreicht. Das zeigen Auswertungen der Beratungsfirma Barkow Consulting. Demnach vergaben Banken im Mai Wohnungsbaukredite im Umfang von 15,4 Milliarden Euro. Im April waren es laut Barkow 16,8 Milliarden Euro. Die Abschwächung deckt sich mit Erkenntnissen des Handelsblatts aus einer Umfrage unter Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Bis zum Frühjahr 2022 hatte das Geschäft mit Baufinanzierungen geboomt. Damals betrug das Neugeschäft im Rekordmonat März der Beratung Barkow zufolge rund 32 Milliarden Euro. Als die Europäische Zentralbank im Sommer 2022 zu insgesamt zehn Zinserhöhungen ansetzte, brach es jedoch ein.
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Im laufenden Jahr verzeichneten die Banken bis einschließlich Mai neue Abschlüsse in einer Höhe von 76,5 Milliarden Euro. Neuere Daten liegen noch nicht vor. Das sind laut Barkow zwar 15 Prozent mehr als von Januar bis Mai 2023, als die Zinserhöhungen das Immobiliengeschäft weitgehend zum Erliegen brachten. Dennoch bewerten die Fachleute von Barkow die jüngsten Zahlen als „moderat enttäuschend“.
So habe die Bundesbank-Kreditumfrage vor drei Monaten eine stärkere Belebung des Immobiliengeschäfts in Aussicht gestellt. Auch Marktteilnehmer hätten höhere Erwartungen gehabt. Bislang sind die Zahlen dahinter zurückgeblieben: „Statt Aufschwung gibt es eher ein Aufschwüngchen“, heißt es bei Barkow Consulting.
Insofern ist eine weitere Erkenntnis aus dem aktuellen Bank Lending Survey mit gewisser Vorsicht zu genießen: Laut Bundesbank geben die befragten Banken mehrheitlich an, dass sie auch im dritten Quartal mit mehr Wohnungsbauinteressenten rechnen.
Erstpublikation: 16.07.2024, 14:28 Uhr.