Immobilien: „Fast schon skandalös“: Adler Group gerät wegen stockender Großbaustellen unter Druck
Das Gerippe des Hochhauses ist seit Jahren in ein Baugerüst verpackt.
Foto: Lars-Marten Nagel / HBBerlin, Düsseldorf, Frankfurt. Wie ein gigantisches Skelett erhebt sich der Steglitzer Kreisel im Süden von Berlin. Der Wind pfeift durch das entkernte Hochhaus, das bis in die 29. Etage eingerüstet ist. Im Himmel über der Hauptstadt sollen moderne Wohnungen entstehen, verkündet das Bauplakat: „Fertigstellung voraussichtlich Ende 2021“. André Gaufer, Geschäftsführer der Profinance GmbH aus Berlin, quittiert das Schild mit einem Schulterzucken.
Der Unternehmer kaufte im Oktober 2018 eine Wohnung in dem Turm. Zentrale Lage, Fahrradaufzug, Tiefgaragenplatz – so wollte Gaufer in der 19. Etage investieren. Doch daraus wird nichts.
Im März 2020 stoppten die Arbeiten, angeblich wegen Corona, sagt Gaufer: „Seitdem ruht die Baustelle.“ Die Adler Group, der das Hochhaus-Skelett gehört, widerspricht: Unterirdisch werde im Sockel gearbeitet. Neuer Termin für die Fertigstellung: 2024.
Der Steglitzer Kreisel hätte ein Vorzeigeprojekt von Adler werden können, stattdessen entwickelte er sich zu einer Dauerbaustelle. Für den Luxemburger Konzern ist das eine schlechte Nachricht. Adler steht nach einer Shortseller-Attacke unter Druck und will seine Schulden reduzieren, plant deshalb fast die Hälfte seines Portfolios zu verkaufen – etwa 30.000 Wohnungen.