Immobilien: So kam es zur Pleite der Gerchgroup
Das Unternehmen will alle Vorhaben fortführen.
Foto: GerchgroupDüsseldorf. Der in finanzielle Schieflage geratene Projektentwickler Gerch hat am Mittwoch erste Details genannt, warum das Unternehmen in die Pleite gerutscht ist. Laut CEO Mathias Düsterdick sei der Auslöser eine nicht erfolgte Zahlung von Corestate für das Laurenz-Carré in Köln.
Im Dezember 2021 hatte der kriselnde Immobilienfinanzierer das Projekt von der Gerchgroup in unmittelbarer Nähe des Kölner Doms erworben. Die erste Rate in Höhe von rund 130 Millionen Euro, die nach Baufortschritt bezahlt werden sollte, sei Anfang des Jahres nicht bezahlt worden, so Düsterdick. Der geplatzte Verkauf war im März bekannt geworden.
Daraufhin habe man versucht, auf einem anderen Weg eine Refinanzierung auf die Beine zu stellen. Dies sei aber an der Auflassungsvormerkung im Grundbuch von Corestate gescheitert. Erst wenn eine solche Vormerkung gelöscht ist, habe Corestate keine Ansprüche und keinen Zugriff mehr auf das Projekt und Investoren und Banken seien zu Finanzierungsgesprächen bereit.
In der Folge hätten die Wirtschaftsprüfer der Gerchgroup das Testat für den Jahresabschluss verweigert, was dem Unternehmen Finanzierungsgespräche für die gesamte Gruppe erschwert bis unmöglich gemacht hätte. Dies hätte am Ende zu den Liquiditätsproblemen der Gruppe geführt.
Das Unternehmen ist derzeit auf Geld von Finanzierern angewiesen, weil sich kaum noch Käufer auf dem Immobilienmarkt finden. „Der Investmentmarkt stand nicht mehr zur Verfügung“, beschrieb Düsterdick die Herausforderungen im laufenden Jahr während einer Pressekonferenz in Düsseldorf. „Es wollte keiner mehr kaufen.“
Immobilien: Gerchgroup will aktuelle Projekte zu Ende bringen
Vier Dachgesellschaften des bundesweit tätigen Projektentwicklers hatten wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf ein gerichtliches Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung gestellt, nun setzt das Unternehmen auf eine Sanierung. Die aktuellen Projekte, unter anderem im Frankfurt, Köln, Düsseldorf und Nürnberg, haben ein Volumen von rund vier Milliarden Euro.
Die Immobilien- und Baubranche in Deutschland kämpft mit den Folgen hoher Zinsen, steigender Baukosten und der Unsicherheit um die künftige Bewertung von Immobilien. Große Transaktionen sind dadurch zur Rarität geworden. Das trifft auch die Projektentwickler, einige große Gesellschaften mussten bereits Insolvenz anmelden.
Düsterdick machte klar, dass vonseiten der Eigentümer kein weiteres Geld nachgeschossen werden könne. „Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren viele Dinge aus Eigenmitteln finanziert, zum Beispiel den Baufortschritt im Laurenz-Carré.“ Nun seien die beiden Eigentümerfamilien nicht mehr in der Lage, Kapital bereitzustellen.
Momentan liefen Gespräche mit Financiers, darunter seien auch angelsächsische Investoren. Ziel sei es, Projekte zu Ende zu bringen und zu verkaufen, wenn der Markt sich wieder erhole. Dies werde voraussichtlich der Fall sein, wenn die Notenbanken die Zinsen nicht weiter erhöhten und sich eine Senkung abzeichne.
Gerchgroup-CEO Mathias Düsterdick (Mitte) erklärt im Beisein von Holger Rhode (links) von der Kanzlei Görg sowie von Jens M. Schnitt von der Kanzlei Runkel, wie es zur Insolvenz kam.
Foto: Julian TrauthigDüsterdick machte deutlich, dass man keine Bauruinen in deutschen Metropolen entstehen lassen will. „Wir haben erste Gespräche mit den Projektbeteiligten – insbesondere mit den Finanzierern – geführt, die uns (...) positiv stimmen“, so der Manager. „Mit ein bisschen Besonnenheit aller Projektbeteiligten lassen sich (...) vielleicht auch alle Projekte gut zu Ende führen.“
Das Unternehmen hat nun zunächst bis Ende Oktober Zeit, bei den Finanzierungsgesprächen Fortschritte zu machen. Dann muss der vom Amtsgericht Düsseldorf beauftragte Sachwalter Jens Schmidt von der Kanzlei Runkel Rechtsanwälte dem Gericht ein Gutachten zur Sanierungsfähigkeit vorlegen.
Entscheidend ist, zu welchem Entgegenkommen die Finanzierer in dieser Zeit bereit sind. Dabei gehe es um Aufstockung oder Verlängerung bestehender Finanzierungen, aber auch um Stundungen oder die Übernahme von laufenden Kosten, wie etwa die Absicherung der Baustellen, machte Düsterdick deutlich.
Gerchgroup: Großteil der Geldgeber sind Banken
Namen einzelner Finanzierer wollte das Unternehmen nicht nennen. Ein Großteil der Geldgeber seien Banken, sagte Düsterdick. Weiteres Geld habe man von Mezzanine-Finanzierern bekommen, also von alternativen Kapitalgebern. Der Anteil von Bank- und Mezzanine-Kapital sei je nach Projekt unterschiedlich.
Bei der alten Polizeiwache in Frankfurt etwa, einem der großen Projekte des Unternehmens, sei mit dem Bau noch gar nicht begonnen worden. In einer solchen Phase gäben Banken sehr wenig Geld, deshalb sei hier der Mezzanine-Anteil hoch.
Beim Laurenz-Carré in Köln bestehe vorerst ein Baustopp, bis die weitere Finanzierung geklärt sei. Hier sei er optimistisch, dass das Projekt fertig gebaut werden könne. Es gebe einen Vorvermietungsstand von 85 Prozent. Durch den geplatzten Verkauf an Corestate „brauchen wir hier eine neue Finanzierungstruktur“, sagte Düsterdick. Es müsse zunächst jemand gefunden werden, der den Hochbau finanziere.
Erstpublikation: 30.08.023, 13:21 Uhr (aktualisiert am 30.08.2023, 15:33 Uhr).