Immobilien: So finden Sie auf Zwangsversteigerungen echte Schnäppchen
Frankfurt. An diesem Dienstagmorgen um 10 Uhr im Sitzungssaal 202-A des Frankfurter Amtsgerichts fühlt man sich wie in einem Krimi. Nur dass es hier nicht darum geht, wer der Mörder ist, sondern wer die Wohnung kriegt. Eine Dreizimmerwohnung (80 Quadratmeter, Baujahr 1974, 16. Obergeschoss) im Frankfurter Stadtteil Dornbusch soll hier zwangsversteigert werden.
Der Saal ist voll, 33 Menschen sitzen auf sieben Reihen und blicken gebannt auf Rechtspflegerin Susanne Kassold, die aus dem Grundbuch bestehende Hypotheken und Grundschulden des Objekts verliest. „Sind die Schuldner und Eigentümer im Saal?“, fragt sie. Stille. Keiner da.
Nach neun Minuten kommen sie dann doch. Vier Menschen treten ein. Der Mann trägt Zopf, schwarzen Hoodie mit Totenkopf-Motiv und Eastpak-Bauchtasche; zwei der Frauen verschlissene Winterjacken. Ein Kontrast zum sonstigen Saalpublikum, den vielen schick gekleideten Jurastudenten und älteren Männern.
Zwangsversteigerungen wie hier in Frankfurt gibt es in Deutschland immer mehr. 2024 ist die Zahl der vor Gericht versteigerten Immobilien überschuldeter Eigentümer im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegen, weil immer mehr Kreditnehmer ihre Darlehen wegen Rezession und Zinsanstieg nicht mehr bedienen konnten. So landeten 2024 laut dem Fachverlag Argetra 13.445 Häuser, Wohnungen und Grundstücke bei den Amtsgerichten unter dem Hammer – im Verkehrswert von rund 4,3 Milliarden Euro.
Für die verhinderten Eigentümer ist das tragisch – für Neukäufer könnte es ein günstiger Weg zum Eigentum sein.