Immobilienpromis: Was macht eigentlich Karl-Werner Schulte?
Der Immobilienprofessor liebt Schalke 04, Afrika und Abenteuerreisen.
Quelle: Irebs
Sagen wir es mal so: Auch mit 75 Jahren ist Schulte vom Rentnerdasein weit entfernt. „Ich habe so viel Arbeit – das können Sie sich gar nicht vorstellen“, sagt er gleich zu Beginn des Gesprächs mit Handelsblatt Inside Real Estate. Auf eine 60-Stunden-Woche komme er mit seinen diversen Projekten, was ihm jedoch keine Last, sondern pures Vergnügen bereite.
Mit der Immobilienbranche hat das alles nichts mehr zu tun. Als Schulte vor ziemlich genau zehn Jahren „seine“ Irebs verließ und das Staffelholz an Tobias Just übergab, habe er sich auferlegt, sich fortan nicht mehr in der deutschen Immobilienwirtschaft aufzuhalten. „Es gibt Leute, die sind aus dem aktiven Geschehen ausgeschieden und nicht mehr auf der Höhe der Zeit, halten sich aber dennoch für unentbehrlich. So einer wollte ich nicht sein.“
Also widmete sich Schulte lieber seinen „vier großen Leidenschaften“, denen er während seines Berufslebens nur eingeschränkt nachgehen konnte. Dazu gehört allen voran das Reisen – allerdings nicht in der Art und Weise, was die meisten darunter verstehen. Schulte braucht Action, sucht das Abenteuer. Ziele sind Gegenden und Landstriche, in die es für gewöhnlich nur wenige Menschen verschlägt. Besonders beeindruckt hat ihn die Landschaft Islands, wo er erstmals vor genau 50 Jahren aufschlug. Seitdem suchte er immer wieder die Insel auf, unter anderem als Pressefotograf bei einem Vulkanausbruch. „Der Kontrast zwischen Feuer und Eis ist einfach faszinierend“, schwärmt Schulte.
Nordpol-Köpper war das "absolute Highlight"
Er bereiste Grönland, überquerte in allen acht Ländern den nördlichen Polarkreis. Den Nordpol erreichte er mit einem atombetriebenen russischen Eisbrecher und sprang kopfüber ins eiskalte Meer. „Das war das absolute Highlight.“ Den Südpol erreichte er während einer zehntägigen Expedition, und weil ihm sowohl extreme Kälte als auch Hitze offenbar wenig ausmachen, stand er in allen drei Kontinenten auf dem Äquator und hat in 23 Ländern Afrikas seine Fußspuren hinterlassen.
Mit Afrika verbindet Schulte eine besondere Beziehung. 2010 gründete er die Irebs Foundation for African Real Estate Research (Afres), außerdem ist er Chief der African Real Estate Society und besucht seit 2001 jede Jahreskonferenz – seit der Coronakrise allerdings nur virtuell. Besonders stolz ist er darauf, dass der amtierende Leiter der Staatskanzlei in Tansania einst bei ihm promovierte, ebenso dessen Frau, die CEO der größten Immobilienfirma in Tansania ist. „Mein Ziel ist die Professionalisierung der Immobilienwirtschaft in Afrika. Wir wollen Entwicklungshilfe leisten für afrikanische Hochschulen und Researcher.“
Sein Engagement in Afrika hat ihm bei seinen „Kumpels“ auf Schalke den Spitznamen „Afrika-Kalle“ eingebracht. Fußball, oder besser der FC Schalke 04 ist die zweite große Leidenschaft Schultes. 55 Jahre ist er bereits Vereinsmitglied, ist Träger der goldenen Ehrennadel und seit Jahren Dauerkarteninhaber. Wie es sich für „Afrika-Kalle“ gehört, hat er selbstverständlich auch einen afrikanischen Fanclub gegründet.
Das Schöne an den Stadionbesuchen sei, dass der Hochschulprofessor in der Arena er selbst sein kann. „Das hat mich immer total geerdet. Ich bin dort nicht Professor Schulte, sondern der Kalle. Und weil es auf Schalke sehr viele Kalles gibt, bin ich eben der Afrika-Kalle“, berichtet Schulte.
Schulte beschränkte sich zuletzt aber nicht nur aufs einfache Fan-Dasein. Gemeinsam mit Gleichgesinnten versuchte er in diesem Frühjahr den früheren Schalke-Trainer und -Manager Ralf Rangnick zurückzuholen und damit „etwas gegen den Niedergang des Vereins zu tun“. Die Aktion scheiterte letztlich am Gegenwind der Vereinsführung. An Fangruppierungen scheiterte zudem seine Bewerbung für den Wahlausschuss, der bei Schalke 04 über die Zulassung der Kandidaten für die nächsten Aufsichtsratswahlen entscheidet. Eine schmerzhafte Niederlage für den glühenden Schalke-Fan. „Aber immerhin kann ich in den Spiegel schauen und sagen, dass ich alles probiert habe.“
Stiftungsprojekt für Fußball und Stadt
Eindeutig erfolgreicher läuft dagegen ein anderes Projekt, das sozusagen das Bindeglied zwischen dem heiß geliebten Fußball und seiner beruflichen Passion darstellt. Schulte ist zweiter Vorsitzender im Kuratorium der Stiftung Schalker Markt. Die kümmert sich ihm zufolge darum, Kultstätten des FC Schalke 04 im Gelsenkirchener Ortsteil Schalke zu neuem Leben zu erwecken und einer neuen Nutzung zuzuführen. „Als wir uns damit etwas näher beschäftigt haben, ist uns klar geworden, dass es nicht damit getan ist, Gebäude aufzuhübschen. Es geht eigentlich um das Thema Stadterneuerung, darum, einen völlig maroden Stadtteil einer deutschen Großstadt aufzuwerten. Das ist ein richtig spannendes Projekt.“
Als Beispiel nennt Schulte die Kirche St. Joseph, die den Beginn der „Schalker Meile“ markiert, ein Straßenabschnitt auf dem Weg zur Fußballarena, der mit Pilgerstätten gesäumt ist. Gemeinsam mit dem Vorstand der Stiftung entwickelt Schulte ein Umnutzungskonzept für die Kirche, in der es sogar eine Klagemauer für Fußballfans gibt und deren Fenster mit Fußballmotiven verziert sind. „Das gibt es in keiner anderen Kirche auf der Welt.“
Ein Buch für die Ewigkeit
Leidenschaft Nummer vier, neben dem Reisen, Fußball und Afrika, hat etwas mit seinem liebsten Reiseziel Island zu tun: Mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau habe er vor 45 Jahren angefangen, alte Landkarten von Island zu sammeln. Über die Jahre sind 130 Exemplare zusammengekommen, die ältesten stammen aus dem Jahr 1530, die jüngsten von 1800. Schulte zufolge handelt es sich um die größte Sammlung weltweit, die seine Frau und er vor Jahren einem Museum in Island geschenkt haben. „Vor Kurzem habe ich den Katalog dazu fertig geschrieben: 450 Seiten auf Englisch. Das ist sozusagen mein Coronawerk und mutmaßlich das einzige meiner Bücher, das auch noch in 50 oder 100 Jahren gelesen wird.“
Die größte Leistung seines Lebens sei aber eine andere: „Ich habe es geschafft, dass sowohl meine Frau und meine drei Söhne als auch deren Partnerinnen und Kinder allesamt Schalke-Mitglieder sind“, freut sich Schulte und schickt seiner Aussage ein schallendes Lachen hinterher.
Was seine Vorliebe fürs Reisen angeht, hat er noch einiges vor: „Ich bin jetzt 75 Jahre und körperlich gut drauf. Das heißt, ich kann vielleicht noch fünf Jahre relativ wilde Reisen machen, mit Action von morgens bis abends. Und dann komme ich an eine natürliche Grenze. Dann gehen wohl nur noch Kreuzfahrten.“