Photovoltaik: Solaranlage mieten statt kaufen?
Wer sparen möchte, kann eine Anlage auch mieten.
Foto: HandelsblattSolarenergie boomt: Allein im Juni wurden rund 90.000 neue Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) installiert, so die Statistik der Bundesnetzagentur. Wer nicht auf einen Schlag Tausende Euro investieren will, kann die Solaranlage fürs eigene Dach mieten.
„Ganz grob würde ich schätzen, dass aktuell zehn bis 20 Prozent der neu installierten Anlagen auf privaten Wohnimmobilien gemietet werden“, sagt Jörg Sutter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS). Anbieter solcher Mietanlagen sind neben bundesweiten Firmen wie Enpal, DZ4 und Eigensonne inzwischen auch einzelne Stadtwerke.
Mietangebote für PV-Anlagen verteilen die Kostenbelastung
Die Grundzüge ihres Modells sind ähnlich: Die Firma übernimmt die Planung und Installation der Solaranlage und sichert deren Betrieb für eine vertraglich vereinbarte Laufzeit. Der Hauseigentümer zahlt dafür eine monatliche Miete.
Er kann den erzeugten Strom ganz oder teilweise ins öffentliche Netz einspeisen und erhält dafür die Einspeisevergütung. „Der Vorteil eines solchen Modells ist, dass Eigentümer die Finanzbelastung auf überschaubare Monatsbeträge verteilen können“, sagt Johannes Jung, PV-Berater der Energieagentur Regio Freiburg.
Auch eine langwierige Kreditprüfung und Zinsen für die Finanzierung der Anlage entfallen damit, ebenso wie ein Großteil des Aufwandes im Betrieb. Diese Vorteile bezahlen Eigentümer mit der Miete. „In der Summe kostet die Miete über 20 Jahre zwei-, manchmal auch zweieinhalbmal so viel wie der Kauf einer PV-Anlage“, betont Jung.
Lange Bindung an einen Anbieter
Neben den insgesamt höheren Kosten sieht DGS-Experte Sutter weitere große Nachteile für Verbraucher: Zum einen binden sie sich sehr langfristig an einen Anbieter. „Die Gefahr, dass ein Mietanbieter während der Vertragslaufzeit in Insolvenz geht, besteht natürlich und lässt sich seitens des Mieters auch nicht ausschließen“, warnt er.
Außerdem haben Kunden nur eingeschränkte technische Möglichkeiten sowohl bei der Installation als auch bei einer eventuellen Erweiterung der Anlage. „Mit den angebotenen Paketlösungen sind individuelle Konfigurationen wesentlich begrenzter möglich als beim Kauf. Da kann ich beispielsweise selbst entscheiden, ob ich eine bestimmte Moduloptik oder -leistung oder auch Komponenten von Herstellern aus Deutschland haben möchte.“
Die Dauer des Mietvertrags beträgt etwa bei Enpal 20 Jahre, bei Eigensonne ebenfalls – aber nur für Module und Wechselrichter. Wird hier ein Speicher mitgemietet, dann geht das bei Eigensonne zunächst für zehn Jahre. Bei DZ4 läuft der Vertrag über 18 Jahre und verlängert sich danach jährlich bis zu einer Maximallaufzeit von 25 Jahren.
Die meisten Unternehmen bieten neben der Miete auch den Kauf einer Solaranlage an. Manchmal können Kunden der Firma die Anlage auch während der Mietzeit abkaufen. Nach Ende des Vertrags wird die Solaranlage dem Hauseigentümer üblicherweise zu einem symbolischen Preis, beispielsweise ein Euro, überlassen.
Preise für Solaranlagen zur Miete sind schwer zu vergleichen
Die Kosten der unterschiedlichen Angebote zu vergleichen, ist kompliziert. Denn konkrete Preisangaben finden sich auf den Anbieterseiten nur vereinzelt, und nicht nur mit unterschiedlichen Laufzeiten, sondern auch mit verschiedenen Anlagenkomponenten.
Die Angebote unterscheiden sich beispielsweise darin, ob die genannten Preise einen – meist optional mitbuchbaren – Speicher beinhalten oder nicht. Bei Enpal zahlen Kunden für die Miete einer Zehn-Kilowattpeak-Anlage mit einem Zehn-Kilowattstunden-Speicher 231 Euro im Monat. Für den Kauf werden 26.940 Euro fällig, also weniger als die Hälfte der Kosten, die über die Mietzeit entstehen würden.
Eigensonne vermietet eine etwa halb so große PV-Anlage (4,9 Kilowattpeak) ohne Speicher ab 179 Euro monatlich. Der Kaufpreis beträgt ab 14.990 Euro und damit rund ein Drittel der Mietkosten über die gesamte Laufzeit. DZ4 hält sich bedeckter. „Wir bieten individuelle und maßgeschneiderte Solarlösungen an, deshalb können wir leider keine Angaben zu Preisen machen“, heißt es auf Anfrage. Willkommensrabatte, Boni und mietfreie Zeiten erschweren den Marktüberblick zusätzlich.
Hinter den Kostenangaben stecken außerdem unterschiedliche Leistungen. Beratung, Planung, Installation, Versicherung, Wartung und Reparatur sind in der Regel inbegriffen. Serviceleistungen wie Energiemanagement und Ertragskontrolle kosten meist extra.
Nicht voreilig Zusatzkomponenten für die PV-Anlage mitmieten
Die Basis-Hardware der Mietanlagen besteht aus den Photovoltaikmodulen, dem Wechselrichter und dem Montagematerial. Auch Stromspeicher seien bei seiner Firma weitgehend Standard, sagt Wolfgang Gründinger von Enpal: „Mehr als 90 Prozent unserer Anlagen vermieten wir mit Speicher. Deshalb haben wir auch keine Vergleichsrechnung ohne Speicher.“
Energieberater Jung rät hier allerdings zur Zurückhaltung: „Ein Speicher ist in vielen Fällen nicht rentabel. Darauf kann man zunächst verzichten oder auch bewusst einen kleinen Speicher wählen.“ Er empfiehlt jedoch, im Vertrag zu prüfen, zu welchen Konditionen Komponenten nachgerüstet werden können.
Wallboxen zum Laden von Elektroautos sind vergleichsweise neu in den Mietpaketen und nicht bei allen Anbietern erhältlich. Bei Enpal ist eine Ladestation derzeit die ersten drei Jahre mietfrei.
Deshalb nehmen viele Kunden die Ladestation schon mit, obwohl sie noch kein E-Auto haben, so Gründinger. Vor einer solchen vorausschauenden Miete warnt DGS-Fachmann Sutter. „Heute gibt es noch so gut wie keine Ladestation, die bidirektionales Laden ermöglicht.
Doch die Entwicklung in diesem Bereich ist rasant, in drei Jahren kann diese Funktion sehr gefragt sein.“ Wer jetzt eine Ladestation miete, weil er künftig vielleicht ein Elektroauto erwerben werde, verbaue sich die Möglichkeit, das E-Auto als Stromspeicher zu nutzen.
Unterm Strich gilt bei der Miete einer Photovoltaikanlage genau wie beim Kauf: Eigentümer müssen differenzierte Angebote einholen und Vertragsinhalte akribisch vergleichen.
Dieser Text ist am 11.08.2023 zuerst im Handelsblatt-Newsletter Inside Energie & Immobilien erschienen.