Indexwechsel: Von Daimler Truck bis Delivery Hero: Wer steigt in den Dax auf und wer steigt ab?
Die Schätzungen für die Wechsel stehen unter Vorbehalt.
Foto: dpaFrankfurt. Am Donnerstagabend gibt die Deutsche Börse bekannt, welche Aktien drei Wochen später auf- und welche absteigen. Klar ist bei der quartalsmäßigen Überprüfung diesmal nur: Die erst Anfang Dezember von Mercedes-Benz abgespaltene Lkw-Tochter Daimler Truck kommt wegen ihrer großen Marktkapitalisierung am 21. März in den Dax. Weichen muss dafür voraussichtlich der Konsumgüterkonzern Beiersdorf. Sehr gute Chancen auf den Dax-Aufstieg hat aber auch die Rückversicherungsgruppe Hannover Rück.
Doch wer muss gehen, wenn die Hannover Rück den Dax-Einzug schafft? Luca Thorißen, Indexexperte bei der Stifel Europe Bank, sieht Delivery Hero als Abstiegskandidat. Doch das Rennen ist eng. Es könnte laut Thorißen auch Hellofresh oder Puma erwischen. „Das Ganze ist diesmal spannend wie ein Krimi.“
Entscheidend für den Platz in einem Index ist die Marktkapitalisierung also der Börsenwert der frei gehandelten Aktien im Streubesitz. Dabei geht es um die durchschnittliche Marktkapitalisierung der vergangenen 20 Handelstage des Vormonats.
Nicht zum Streubesitz zählen Aktienanteile von über fünf Prozent, die von einem Großinvestor gehalten werden. „Da sich beim Streubesitz schnell etwas ändern kann, ohne dass man es als Investor oder Broker mitbekommt, stehen die Schätzungen für die Wechsel in einem Index immer unter Vorbehalt“, sagt Thorißen. Dabei ist es diesmal besonders eng: „Wir sprechen von ein- bis zweistelligen Millionenbeträgen, die zu anderen Wechseln führen können.“
Absturz bei der Aktie von Delivery Hero
Vor wenigen Wochen sah es noch so aus, als müsse Heidelberg Cement bei einem möglichen Dax-Aufstieg der Hannover Rück seinen Platz räumen. Doch die Aktie des Lieferdienstbetreibers Delivery ist seither noch weiter abgestürzt. Allein am 10. Februar, als der Konzern seine enttäuschenden Geschäftszahlen verkündete, brach die Aktie um 30 Prozent ein.
Analysten gehen jetzt davon aus, dass Delivery Hero frühestens im Jahr 2024 einen operativen Gewinn erwirtschaften wird. Delivery Hero ist als einziger Dax-Konzern nicht profitabel. In den Dax stieg der Online-Essenslieferant im August 2020 als Ersatz für den Skandalkonzern Wirecard auf.
Seither hat die Börse ihre Regeln geändert. Firmen müssen zwei Geschäftsjahre einen operativen Gewinn ausweisen, bevor sie in den Dax kommen. Bei einem Dax-Rausschmiss müsste Delivery also wohl lange auf einen möglichen neuen Dax-Aufstieg warten.
Kopf-an-Kopf-Rennen auch im MDax und im SDax
Auch bei den Nebenwerten gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Laut Thorißen werden der Autovermieter Sixt und RTL aus dem Kleinwertesegment SDax in den Nebenwerteindex MDax aufsteigen. Sie dürften den Autozulieferer Hella und den Medizinsoftwareanbieter Compugroup verdrängen, die dann künftig im SDax notieren würden. Möglich wäre aber auch, dass der Online-Autohändler Auto1 anstelle von Hella absteigt.
Aufstiegskandidaten für den SDax sind der IT-Service-Provider Adesso und der Rüstungskonzern Hensoldt. Die Hensoldt-Aktie hatte noch Mitte vergangener Woche keine Chance auf einen Aufstieg. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine und die Ankündigung der Bundesregierung, die Verteidigungsausgaben zu erhöhen, ließen die Hensoldt-Aktie jedoch bis Ende Februar um 64 Prozent in die Höhe springen. Im SDax Platz machen könnten dafür wohl der Online-Modehändler Global Fashion Group und der Netzwerkausrüster Adva Optical.
Chancen auf einen SDax-Platz hat theoretisch die Aktie der Deutschen Beteiligungs AG. Sie würde aber nur dann aufsteigen, wenn der Spezialchemiekonzern SGL Carbon seinen Platz im Kleinwerteindex verliert, wonach es laut Thorißen aber nicht aussieht.
Im Technologieindex TecDax sind laut dem Indexexperten der Stifel Europe Bank der Biokraftstoffhersteller Verbio als Aufsteiger und der Solartechnikanbieter SMA Solar als Absteiger gesetzt.