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Leitindex Wirecard macht Platz für Delivery Hero im Dax

Das Berliner Start-up kann schon im August die Skandalfirma im Index ablösen. Der Aufstieg kommt schneller als gedacht – aus einem bestimmten Grund.
12.08.2020 Update: 13.08.2020 - 09:28 Uhr 4 Kommentare
Der Dax-Aufsteiger macht kein Deutschland-Geschäft. Quelle: dpa
Logo von Delivery Hero

Der Dax-Aufsteiger macht kein Deutschland-Geschäft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Lange hat die Deutsche Börse mit sich gerungen, doch jetzt ist es endlich klar: Der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero steht kurz davor, schon im August außerplanmäßig das Skandalunternehmen Wirecard im wichtigsten deutschen Börsenindex Dax-30 zu ersetzen. Die Deutsche Börse verkündete in der Nacht zum Donnerstag, dass sie ihr Regelwerk ändert, um den insolventen Zahlungsabwickler schon im August aus der ersten deutschen Börsenliga zu werfen.

Indirekt gab sie damit auch bekannt, dass das Aschheimer Unternehmen den Weg frei für einen Einzug des Berliner Startup Delivery Hero in das Topsegment der Börse macht. Lange Zeit galt auch der Duftstoff- und Aromenhersteller Symrise als Dax-Kandidat, aber die Berliner liegen bei den Aufnahmekriterien vorne.

Das Fiasko des Zahlungsdienstleisters Wirecard, der Ende Juni als erster Dax-Konzern in die Insolvenz rutschte, zwang die Börse zum Handeln. Die neuen Regeln, über die der Börsenbetreiber wochenlang mit Marktteilnehmern beratschlagte, sehen jetzt vor, dass ein Unternehmen unmittelbar aus einem der Indizes der Dax-Familie fällt, wenn ein Insolvenzantrag gestellt wird. Bislang galt das nur wenn ein Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt wurde oder schon mitten in der Abwicklung war.

Die Regeländerung bedeutet, dass für Wirecard früher als ursprünglich geplant Schluss ist mit der Dax-Mitgliedschaft und im Gegenzug aller Voraussicht nach Delivery Hero in den Dax einzieht. Die Berliner erfüllen die für den Dax-Aufstieg nötigen Kriterien mit Blick auf Marktkapitalisierung der frei handelbaren Aktien und durchschnittlichem Börsenumsatz am besten. Die Investoren reagierten erfreut: Die Delivery-Hero-Aktien legten am Donnerstag im Frühhandel um mehr als drei Prozent zu. Offiziell will die Deutsche Börse erst am kommenden Mittwochabend nach Börsenschluss bekanntgeben, wer Wirecard im Dax folgt.

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    Um den Zahlungsdienstleister Wirecard, der erst im September 2018 den Platz der Commerzbank im Dax übernommen hatte, zu ersetzen, muss ein Unternehmen bei beiden Dax-Kriterien mindestens auf Rang 35 der mehr als 300 börsennotierten Unternehm en stehen, die sich prinzipiell als Mitglied in einem der Dax-Indizes eignen.

    Entscheidende Rangliste

    Auf der für die aktuellen Entscheidung maßgeblichen Rangliste der Börse vom Juli liegt Delivery Hero bei der Marktkapitalisierung auf Rang 27 und beim Börsenumsatz auf Rang 33. Damit ist der Dax-Einzug der Berliner so gut wie besiegelt. Statt findet der Wechsel dann wiederum erst nach zwei weiteren Handelstagen, also am 24. August.

    Ursprünglich wäre die Ablösung von Wirecard am 21. September nach der regulären Überprüfung der Indizes erfolgt. Jetzt geht es etwas schneller.

    Denn nach Angaben der Börsen sprach sich in einer Befragung der Marktteilnehmer die große Mehrheit für eine Regeländerung aus. Nach Angaben der Börse nahmen 21 professionelle Anleger und 88 Privatanleger an der Befragung teil, der Großteil davon mit 95 Stimmen votierte für die Regeländerung, darunter alle professionellen Teilnehmer.

    Zusätzlich zu der Regeländerung zum sofortigen Rauswurf von Unternehmen mit Insolvenzantrag wird das Dax-Regelwerk derzeit noch einer vertieften Prüfung unterzogen. Auch für mögliche weitere Regeländerungen wird es eine Marktkonsultation geben. Die Ergebnisse sollen bis Jahresende bekanntgegeben werden. Zu den Inhalten hält sich der Indexanbieter bislang jedoch noch bedeckt.

    Mit Delivery Hero steht nun ein Unternehmen vor dem Sprung in den Dax, das seit Jahren rasant wächst, hierzulande aber gar nicht mehr aktiv ist und operativ keinen Gewinn macht. Als Spiegelbild der deutschen Wirtschaft, die der Dax abbilden soll, kann Delivery Hero insofern kaum gelten. Das Unternehmen hat seinen Sitz zwar in Berlin, doch sein Deutschland-Geschäft hatte es an den Konkurrenten Just Eat Takeaway („Lieferando“) verkauft. Die Börse hat dem Arbeitskreis Aktienindizes allerdings vor einigen Jahren alle Spielräume zur Dax-Zusammensetzung genommen.

    Der Lieferdienst betreibt in mehr als 40 Ländern Bestellplattformen für Essen lokaler Anbieter und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter, davon rund 1300 in Berlin. Doch im vergangenen Jahr verkauften die Verantwortlichen das gesamte Deutschland-Geschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway. Dieser gliederte die Marken Pizza.de, Lieferheld und Foodora in seine eigene Plattform Lieferando ein und dominiert seither den Markt in Deutschland.

    Delivery Hero wächst stark...

    Dem Wachstum der Berliner tut dies jedoch keinen Abbruch. Delivery Hero verdiente knapp eine Milliarde Euro mit dem Deal und investierte weiter kräftig in Märkte im Nahen Osten sowie in Nordafrika. Im vergangenen Jahr kam mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus diesen Regionen. Auch in Asien ist Delivery Hero stark. In Europa ist der Konzern hingegen fast ausschließlich in nord- und osteuropäischen Ländern aktiv. Im Westen sieht Konzernchef Niklas Östberg zu wenig Wachstumspotenzial.

    Gegründet wurde Delivery Hero im Jahr 2011 als GmbH. Auf seiner Plattform vermittelt der Konzern Lieferdienste zwischen Restaurants und deren Kunden. Nach wie vor stammt das meiste Geld aus Provisionen, die die teilnehmenden Restaurants bezahlen, um dafür mehr Reichweite und Bekanntheit zu erlangen. Allerdings betreibt Delivery Hero auch eigene Lieferdienste und Großküchen.

    Erst 2017 ging der Konzern an die Börse. Die Umsätze steigen seit Jahren massiv. Allein für das laufende Jahr rechnet Delivery Hero mit Erlösen zwischen 2,6 und 2,8 Milliarden Euro – trotz Corona. Das Unternehmen gilt als ein Gewinner der Krise. Diese Entwicklung spiegelt auch der Aktienkurs wider. Der geriet im Sog des Corona-Börsencrashs seit Februar zwar zunächst unter Druck, erholte sich aber schnell und stieg auf Rekordhöhe. Seit dem März-Tief bei rund 50 Euro hat sich der Wert der Papiere in etwa verdoppelt.

    ... verdient aber operativ kein Geld

    Einen Gewinn erzielte Delivery Hero im vergangenen Jahr indes nur durch den Verkauf der Deutschland-Marken. Doch operativ schreibt das Unternehmen weiterhin rote Zahlen. Er könne noch keine Prognose abgeben, wann im laufenden Geschäft kostendeckend gearbeitet werden könne, sagte Finanzchef Emmanuel Thomassin bei der Hauptversammlung im Juni. Anfang Juli kündigte der Konzern an, sich über eine Wandelanleihe bis zu 1,5 Milliarden Euro frisches Geld zu besorgen.

    Der Dax sortiert sich mit dem anstehenden Wechsel in kurzer Zeit neu. Erst im Juni war mit dem Berliner Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen ein neuer Titel in die Beletage der Börse eingezogen und hatte die Deutsche Lufthansa nach dem heftigen Sturz der Aktie abgelöst.

    Nun steht mit Delivery Hero bereits die nächsten Firma vor dem Sprung dorthin. Für den Nachfolger bedeutet ein Aufstieg nicht nur mehr Sichtbarkeit und ein höheres Prestige. Es könnte für dessen Anleger auch ein lohnendes Geschäft sein. Denn Unternehmen aus dem Dax stehen im Fokus internationaler Investoren und zudem bilden Indexfonds die Zusammensetzung des Dax-30 nach. Häufig haben sich institutionelle Investoren und Fondsmanager aber schon vor der Entscheidung entsprechend positioniert.

    Mehr: Delivery Hero-Gründer Niklas Östberg findet, dass der Lieferdienst in den Dax passt

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    4 Kommentare zu "Leitindex: Wirecard macht Platz für Delivery Hero im Dax"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Liebe Redakteure, laut Rangliste der Deutschen Börse vom 31. 07. 2020 liegt Symrise vor Delivery Hero.

      https://www.dax-indices.com/de/web/dax-indices/ranglisten

      insbesondere der mangelnde Free Float scheint hier der Grund zu sein

    • Ich dachte sofort an Spätkapitalismus, der noch in den letzten Zügen den Fahrrad-Kurier entdeckt als Geschäftsmodell. Ansonsten fällt Managern, nach Produktionsverlagerungen, nicht mehr ein. Mein lieber Schwan, Deutschland baut laufend ab. Dass man im Rahmen der schwarzen Null an Forschung gespart hat und noch spart, ist der Gipfel der Dummheit von Leuten, die nichts vom Kapitalismus verstehen und wie er gut funktionieren könnte. Grundlagenforschung ist langfristig anzulegen und somit nichts für renditegeile Investoren, die nur Kurzfrist als Strategie haben. Der Staat muss viel, viel, viel, viel mehr für Forschung ausgeben, die Forscher dafür hätte wir.


    • Aktienkultur
      @ Herr wolfram teutscher
      So ist es.

      Der DAX steht nicht mehr nur für „Blue Chips“ der deutschen Wirtschaft, verliert dadurch an Ansehen und Bedeutung. Es wäre Zeit, die Anzahl der Mitglieder zu reduzieren. Der Dax Kursindex, der den Unternehmenswert abbildet liegt heute so hoch wie vor 20 Jahren.

      Durch die Inflation liegt der kumulierte Wert der DAX Unternehmen somit weit unter dem des Jahres 2000.
      Die Immobilienpreise haben sich zwischenzeitlich verdoppelt, die Geldmengen verdreifacht.
      Der Dow hat sich mehr als verdoppelt. Es ist an der Zeit, eine andere Aktienkultur zu pflegen um ein weiteres Abrutschen Deutschlands zu verhindern.

    • Diese Unternehmen dürfte nie in den Dax aufgenommen werden, es hat no nie Gewinne gemacht, hat auch in Deutschland kein Geschäft, ich würde sagen die sollten sich nach USA orientieren, dort passen sie hin.
      Reicht denn ein Zombie wie Wirecard noch nicht, um daraus die Lehren zu ziehen?
      Wir haben inzwischen jede Menge seltsamer Unternehmen im DAX, wie Deutsche Wohnen,.... aber echte Tec Unternehmen wenn man einmal von SAP und Infineon absieht. Fehlanzeige.
      Der Dax das Altersheim der Aktienunternehmen, nur weiter so, dann kann man ihn irgendwann dicht machen.

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