Mega-IPO: Wie profitabel ist der Hautpflegespezialist Galderma?
Zürich. Der Hautpflegespezialist Galderma ist am Freitag fulminant an der Schweizer Börse gestartet. Der erste Kurs lautete auf 61 Franken. Damit legte die Aktie gegenüber dem Ausgabepreis von 53 Franken rund 15 Prozent zu. Dieser lag ohnehin schon am oberen Ende der angepeilten Ausgabespanne und entsprach einer Bewertung von 12,6 Milliarden Franken.
Der Börsengang war zudem um ein Vielfaches überzeichnet. Galderma-Chef Flemming Örnskov sagte: „Wir freuen uns über die überwältigend positive Nachfrage, die wir in den vergangenen Wochen erhalten haben.“ Insgesamt könnte das Platzierungsvolumen bis zu 2,3 Milliarden Franken erreichen. Galderma dürfte damit zu einem der größten Börsengänge in Europa in diesem Jahr werden.
Auch für die an der Transaktion beteiligten Banken ist der Erfolg am ersten Handelstag wichtig. Galderma könnte weitere IPO-Kandidaten ermutigen, den Schritt an die Börse zu wagen, und die jahrelange Flaute beenden.
Die überraschende Zinssenkung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) um 25 Basispunkte am Donnerstag dürfte die Kauflaune der Anleger anregen.
Was ist das Geschäftsmodell von Galderma?
Der auf Hautpflege und Behandlung von Hautkrankheiten spezialisierte Konzern wurde 1981 als Joint Venture des Kosmetikkonzerns L’Oréal und des Nahrungsmittelriesen Nestlé gegründet. Er hat drei zentrale Geschäftsbereiche. In der Hautpflege besitzt Galderma verschiedene Marken für rezeptfreie Haut- und Sonnencremes, etwa Cetaphil und Alastin.
Im Bereich injizierbare Ästhetik verfügt das Unternehmen über Wirkstoffe, die Schönheitschirurgen etwa zur Behandlung von Falten verabreichen. Dort ist der Botox-Hersteller Allergan der größte Konkurrent. In der therapeutischen Dermatologie wiederum entwickelt Galderma neuartige, verschreibungspflichtige Medikamente gegen Hautkrankheiten wie Akne oder Schuppenflechte.
Warum geht Galderma jetzt an die Börse?
Das Unternehmen war jahrelang eine Tochterfirma von Nestlé. Dahinter stand die Vision des früheren Nestlé-Chefs Paul Bulcke, dass gute Haut und gute Ernährung eng zusammenhängen und sich daher auch Synergien für das Geschäft von Nestlé heben lassen. Bulcke hatte Galderma 2014 noch in Nestlé Skin Health integriert und das Geschäft ausgebaut.
Doch die Hautpflege passte nicht mehr ins Konzept des 2017 angetretenen Nachfolgers, Mark Schneider. Der amtierende Nestlé-Chef verkaufte Galderma 2019 für zehn Milliarden Dollar an ein Konsortium aus dem schwedischen Private-Equity-Investor EQT sowie Staatsfonds aus Singapur und Abu Dhabi.
Nach fünf Jahren strebt nun insbesondere EQT den Ausstieg an. Ursprünglich sollte Galderma bereits 2022 an die Börse – zu einer Bewertung von rund 20 Milliarden Dollar. Doch wegen des schwachen Börsenumfelds musste sich EQT von diesen Plänen verabschieden. Die beiden anderen Ankerinvestoren, GIC aus Singapur und die Abu Dhabi Investment Authority, haben jedoch angekündigt, langfristig an Bord bleiben und nur einen geringen Teil ihrer Aktien verkaufen zu wollen.
Wie profitabel ist das Unternehmen?
Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2023 rund vier Milliarden Franken Umsatz erzielt, das entspricht einem Wachstum von 8,5 Prozent in konstanten Wechselkursen gegenüber dem Vorjahr. Galderma hat sich selbst das Ziel gesetzt, den Umsatz Jahr für Jahr um sechs bis neun Prozent zu steigern.
Als Kennziffer für die Profitabilität weist Galderma ein sogenanntes Kern-Ebitda für 2023 aus. Es betrug im vergangenen Geschäftsjahr 942 Millionen Dollar. Das entspricht einer Marge von mehr als 23 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr konnte Galderma die Marge deutlich um 2,8 Prozentpunkte steigern.
Aufgrund von hohen Investitionen in den Betrieb und Lagerbestände dürfte der Kassenbestand nach Erwartungen der Ratingagentur Fitch erst im laufenden Jahr positiv werden. In den Folgejahren erwartet Fitch, dass etwa fünf Prozent des Umsatzes als liquide Mittel in der Kasse zurückbleiben.
Was macht Galderma mit dem Geld?
Der Großteil der Einnahmen aus dem Börsengang soll in den Abbau der Nettoverschuldung fließen. Galderma war ein sogenannter „Leveraged Buy-out“, eine schuldenfinanzierte Übernahme. Investoren wie EQT nehmen zur Finanzierung des Kaufpreises hohe Kredite auf und bürden die Schulden dem Übernahmeziel auf.
Fitch zufolge lag die Nettoverschuldung Ende 2023 beim 5,4-Fachen des Ebitda. Das sind deutlich über fünf Milliarden Dollar. Die Ratingagentur vergibt für Galderma die Bonitätsnote „B“. Damit ist das Unternehmen aus Sicht von Investoren ein hochspekulatives Investment. Doch nicht zuletzt dank der Einnahmen aus dem Börsengang soll sich die Bonität auf Zweifach-B verbessern.
Was sind die größten Risiken?
Die hohe Nettoverschuldung und den durch die gestiegenen Zinsen erhöhten Schuldendienst sollten auch die Aktionäre im Blick behalten. Denn hohe Zinszahlungen können die Firma in ihrer Fähigkeit beschränken, ins operative Geschäft oder die Entwicklung neuer Produkte zu investieren.
Operativ schlummern die größten Risiken in der forschungsintensiven Dermatologie-Sparte. Galderma hat kürzlich in den USA und Europa die Zulassung für Nemolizumab erhalten, eine Salbe gegen chronische, juckende Entzündungen. Sollten sich die mit der Therapie verbundenen Umsatzerwartungen der Analysten von bis zu 150 Millionen Dollar ab 2025 nicht erfüllen, müssen sich Aktionäre auf Rücksetzer einstellen.