1. Startseite
  2. Finanzen
  3. Märkte
  4. Devisen + Rohstoffe
  5. Rabattschlacht am Ölmarkt drückt die Spritpreise

Corona und Opec-plus-StreitDiesel nahe der Ein-Euro-Marke: Rabattschlacht am Ölmarkt drückt die Spritpreise

Die Ölpreise fallen auf den tiefsten Stand seit 18 Jahren. Bei Autofahrern kommt der immense Preissturz nur verzögert an. Auch Besitzer von Ölheizungen profitieren. Jakob Blume 18.03.2020 - 16:10 Uhr

An der Zapfsäule sparen Verbraucher in diesen Tagen Geld.

Foto: dpa

Frankfurt. Solche Preise haben Autofahrer schon seit 2016 nicht mehr auf den Anzeigetafeln der Tankstellen gesehen: Ein Liter Superbenzin E10 kostete am Mittwoch im Schnitt 1,26 Euro und lag damit sechs Cent niedriger als in der Vorwoche. Ein Liter Diesel verbilligte sich um rund vier Cent auf 1,14 Euro, wie der ADAC mitteilte.

In einigen Großstädten, etwa Berlin, Frankfurt oder Mainz, lagen die Preise laut ADAC sogar noch deutlich unter dem Bundesschnitt. Der Dieselpreis lag etwa in Berlin nur noch knapp über der Marke von einem Euro. Superbenzin in Frankfurt war an den günstigsten Tankstellen für weniger als 1,20 Euro zu haben.

Noch vor wenigen Wochen kostete Superbenzin im Schnitt 1,40 Euro. Der Grund für den rapiden Preisverfall sind dem Automobilclub zufolge die Entwicklungen am Markt für Rohöl.

Die Ölmärkte leiden unter einem beispiellosen Überangebot. Zum einen stürzt die Ausbreitung des Coronavirus die Weltwirtschaft in eine Rezession. Das lastet auch auf der Nachfrage nach Ölprodukten wie Benzin, Diesel, Kerosin oder Kunststoffe.

Zudem liefern sich die Ölexportländer Saudi-Arabien und Russland eine Preisschlacht. Rund zwei Wochen ist es her, dass die Allianz der Ölexportländer, Opec plus, am Streit um eine Kürzung der Ölproduktion zerbrochen ist.

Seither drückt Saudi-Arabien sein Öl mit hohen Rabatten in den Markt und weitet die eigene Ölproduktion massiv aus. Auch Russland will seine Produktion hochfahren.

Die Rohölpreise sind vor diesem Hintergrund im freien Fall, allein am Mittwoch verbilligten sie sich in der Spitze um 18 Prozent. Die Nordseesorte Brent, der Referenzpreis für den europäischen Markt, notierte bei rund 25,2 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Das ist der niedrigste Stand seit 2003.

Die US-Sorte WTI rutschte unter die Marke von 25 Dollar pro Fass auf nur noch 22,2 Dollar. Seit Mitte Februar sind die Ölpreise um mehr als 60 Prozent eingebrochen.

Vor diesem Hintergrund wirkt die Ersparnis für deutsche Autofahrer gering: Der Preis für Superbenzin ist im gleichen Zeitraum nur knapp zehn Prozent gefallen. Ein Grund dafür ist, dass sich tagesaktuelle Preisbewegungen nicht immer sofort im Benzinpreis niederschlagen.

Zudem machen Steuern und Abgaben den größten Teil der Benzinpreise aus. Bei Superbenzin entfallen dem ADAC zufolge 67,5 Cent pro Liter auf die Mineralölsteuer. Beim derzeitigen Benzinpreis entspricht das mehr als der Hälfte.

Dennoch: Die Benzinpreise sind derzeit so niedrig, dass der ADAC kürzlich vor Hamsterkäufen und Privatvorräten von Kraftstoffen warnte. „Zum einen unterliegen Benzinpreise ständigen Schwankungen, zum anderen spricht der Sicherheitsaspekt gegen das Horten“, sagte ein ADAC-Sprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Kein Ende des Ölpreiskriegs in Sicht

Bislang sieht es auch nicht danach aus, dass der Preissturz am Rohölmarkt bald vorbei ist. Am Mittwoch hatte der saudische Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman in einer Direktive den Staatskonzern Saudi Aramco angewiesen, die Ölproduktion ab April „über mehrere Monate“ bei 12,3 Millionen Barrel pro Tag zu belassen. Bis zum Bruch der Opec-plus-Allianz hatte Saudi-Arabien lediglich 9,7 Millionen Barrel pro Tag gefördert.

Zugleich will Saudi-Arabien den Exportanteil seiner Ölproduktion auf zehn Millionen Barrel pro Tag erhöhen. „Dies grenzt schon an Wahnsinn“, kommentieren die Ölexperten der Commerzbank. „Wegen der Coronavirus-Krise findet aktuell die stärkste Nachfragezerstörung seit der großen Finanz- und Wirtschaftskrise statt und Saudi-Arabien erhöht sein Ölangebot massiv.“

Ein eindringlicher Aufruf des irakischen Energieministers, in dem er die Mitgliedsländer des Ölkartells Opec zu einem Krisentreffen aufforderte, verhallte bislang ungehört. Angesichts der politischen Lage deutet nichts auf ein Ende der Rabattschlacht hin – und deutsche Autofahrer können sich darauf einstellen, dass die Preise von Benzin und Diesel weiter sinken.

Von der Preisschwäche am Rohölmarkt profitieren auch die Besitzer von Ölheizungen. So sagt Claudia Lohse vom Vergleichsportal Easyoil: „Die Heizölpreise bleiben attraktiv.“

Derzeit liege der Preis bei durchschnittlich 55 Euro pro 100 Liter, bei einer Standardbestellung von 3.000 Litern. Allerdings zeige der deutsche Heizölmarkt auf Sicht von drei Monaten eher eine Seitwärtsbewegung.

Verwandte Themen
Saudi-Arabien
ADAC
Russland
Berlin
Commerzbank
Deutschland

Dass Heizölkunden nicht eins zu eins von den fallenden Ölpreisen profitieren, liegt an der extrem hohen Nachfrage, erklärt Lohse. „Die Situation ist also eine komplett andere als die auf dem internationalen Rohölmarkt, wo derzeit die Nachfrage einbricht.“

Den Heizölhändlern mangele es sowohl an Transportkapazitäten als auch an Personal, um die Flut an Bestellungen zeitnah zu bewältigen. Der positive Effekt für Haushaltseinkommen und Konsumausgaben von Verbrauchern, der mit sinkenden Ölpreisen üblicherweise einhergeht, fällt derzeit kleiner aus, als es der Absturz der Rohölpreise vermuten lässt.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt