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Klimaneutralität 2050Diese Rohstoff-Preise könnten aufgrund der Energiewende ansteigen

Die Abkehr von fossilen Energieträgern schafft ein neues Problem: Um 2050 klimaneutral zu sein, braucht es Rohstoffe, die teils deutlich knapper sind als Öl und Gas.Judith Henke 15.12.2023 - 12:47 Uhr

Frankfurt. Sultan Al Jaber von den Vereinigten Arabischen Emiraten ist optimistisch: Durch den Beschluss der Weltklimakonferenz in Dubai ist es nach Ansicht des Präsidenten der COP28 weiterhin realistisch, dass die Staaten bis 2050 die Pariser Klimaziele erfüllen. Sie verständigten sich am Mittwoch auf die Abkehr von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Gas

Um bis zum Jahr 2050 die Erderwärmung zu begrenzen und klimaneutral zu werden, müssen alle Staaten den Ausbau der Windkraft- und Solarenergie vorantreiben und die Mobilität weiter elektrifizieren. Das birgt aber ein Problem: Die Zukunftstechnologien sind nämlich enorm rohstoffintensiv. 

So benötigt ein Elektrofahrzeug im Vergleich mit einem Verbrennerfahrzeug im Schnitt das Sechsfache an Mineralien. Ein Report der Schweizer Bank UBS stellt zudem heraus, dass eine Offshore-Windkraftanlage auf dem Meer neunmal mehr Mineralien braucht als ein übliches Gaskraftwerk. Mit der stärkeren Gewinnung von erneuerbarer Energie stieg daher seit 2010 der Mineralienbedarf für eine neue Stromerzeugungseinheit um 50 Prozent.

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Noch problematischer ist das, wenn man in die Rechnung einbezieht, wie wasserintensiv Bergbau ist und wie viele Emissionen er freisetzt. Hinzu kommen für die Weltgemeinschaft geopolitische Risiken, die mit der Gewinnung endlicher Rohstoffe einhergehen. Deshalb betont das UBS-Analystenteam um Phineas Glover: „Net Zero erfordert nicht nur eine Energiewende, sondern auch eine Rohstoffwende.“

Auch Ehsan Khoman, Chefanalyst für Rohstoffmärkte bei der Bank MUFG, sagt im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Der Schlüssel zum Netto-null-Ziel sind grüne Technologien, und hier fehlen uns die entscheidenden Metalle.“ Und er fügt hinzu: „Wenn wir die Klimaziele wirklich ernst nehmen, müssen wir dieses Problem angehen.“ Die Nachfrage nach folgenden Rohstoffen dürfte laut UBS-Report in den kommenden Jahren stark steigen – vorausgesetzt natürlich, die Klimaziele werden umgesetzt. 

Gallium: Hohes Risiko

Das bläulich-silberne Metall wird als Beiprodukt etwa von Aluminium gewonnen und ist sehr selten. Sein Hauptanwendungsgebiet ist die Herstellung von Halbleitern, die der Grundbestandteil von Mikrochips sind. Doch auch für Solarzellen ist Gallium ein wichtiger Rohstoff.

Aus diesem Grund prognostizieren die UBS-Analysten, dass die Gallium-Nachfrage bis 2050 um das Neunfache der aktuellen Produktionsmenge steigen wird. Ausgangspunkt der Betrachtung ist das Erreichen des Nullemissionsziels 2050. Doch der Rohstoff Gallium gilt als eines der größten Risiken bei der Erreichung des Ziels.

Laut UBS gibt es keinen anderen Rohstoff, der gleichsam stark von Preisschwankungen und strukturellen Angebotslücken betroffen sein könnte. Denn das Metall weist nur eine geringe Kreislauffähigkeit und geringe Reserven auf, zugleich sind die Risiken für Versorgungsunterbrechungen hoch. Die Gewinnung des Rohstoffs geht einher mit starkem Wasserverbrauch und Umweltrisiken.

Aktuell stammen rund 90 Prozent der derzeitigen Lieferungen aus China. Nun hat Peking neue Exportbestimmungen für Gallium erlassen, die bereits seit August gelten. Für die Ausfuhr des Metalls müssen Unternehmen seitdem eine spezielle Genehmigung des Staates beantragen. Damit unterliegt die Verfügbarkeit des Rohstoffs einem starken geopolitischen Risiko.

Lithium: Der Preis schwächelt

Lithium wird vor allem für Elektrofahrzeuge gebraucht, die mithilfe von Lithium-Ionen-Batterien angetrieben werden. Unter dem Net-Zero-Szenario wird die Nachfrage nach dem Batteriemetall bis 2050 laut UBS um das Zehnfache der aktuellen Produktion steigen.

Lithium, das unter anderem in Chile und Australien abgebaut wird, unterliegt zwar einem geringeren geopolitischen Risiko als Gallium, doch wird es in sehr trockenen Bergbauregionen gewonnen. Der Faktor Wasser gilt damit als Risiko. 

Erstaunlich ist es, dass der Preis für Lithium trotz des erwartbaren Angebotsrisikos und der prognostizierten Nachfragesteigerung derzeit schwächelt. Ausgehend von seinem Allzeithoch im November vergangenen Jahres ist der Preis um mehr als 80 Prozent gesunken.

Begründet ist die aktuelle Entwicklung durch den momentan andauernden Angebotsüberschuss. Denn das Wachstum der Nachfrage nach E-Autos soll sich wegen der schwachen Konjunktur verlangsamen.

Vanadium: Steigerung um das Siebenfache

Bisher wurde Vanadium vor allem zur Herstellung von Stahl eingesetzt. Doch auch bei der Energiewende könnte das Metall eine zunehmend größere Rolle spielen. Verwendet wird es in Vanadium-Redox-Flow-Batterien, die als Energiespeicher bei Windfarmen und Solarparks zum Einsatz kommen. 

Auch bei diesem Rohstoff prognostizieren die UBS-Experten, dass bis 2050 die Nachfrage enorm, nämlich um das Siebenfache der aktuellen Produktionsmenge, steigen könnte.

Grafit: Bedeutsam für E-Mobilität

Grafit hat eine hohe Leitfähigkeit und wird in Lithium-Ionen-Batterien verwendet, spielt also bei der Umstellung auf Elektromobilität eine wichtige Rolle. Unter dem Net-Zero-Szenario soll die Nachfrage laut UBS bis 2050 um das 2,7-Fache der aktuellen Produktion steigen.

Mehr als 60 Prozent des aktuellen Angebots und rund 40 Prozent der Reserven sind hohen Risiken ausgesetzt. Der größte Grafitproduzent und -exporteur ist China. Die Volksrepublik hat die Ausfuhr von Grafit zuletzt eingeschränkt. Ähnlich wie bei Gallium müssen heimische Exporteure fortan eine Ausfuhrgenehmigung einholen. Die Maßnahme gilt seit Dezember. Experten sehen in den Ausfuhrkontrollen eine Reaktion auf die US-Sanktionen im Technologiesektor.

Zink, Nickel, Kobalt und Kupfer: Bekannte Reserven bald verbraucht

Laut dem UBS-Report würde unter dem Net-Zero-Szenario die aufsummierte Nachfrage nach Zink, Nickel, Kobalt und Kupfer bis 2050 mehr als 100 Prozent der heute bekannten Reserven verbrauchen. Beim Rohstoff Zink wäre die Nachfrage sogar so hoch, dass es einer 2,5-fachen Menge dieser Reserven bedarf. Zink ist beispielsweise in der Windkraft sehr wichtig, da es bei allen Turbinentypen als Korrosionsschutz zum Einsatz kommt. 

Auch die Reserven von Kupfer würden bei Einhaltung der Emissionsziele zu 150 Prozent verbraucht werden. Das Industriemetall leitet hervorragend Strom sowie Wärme und wird daher vor allem in der Elektrotechnik genutzt, ist also nicht nur von der Dekarbonisierung abhängig.

Kupfer gilt als eine Art Konjunkturindikator. So fiel der Preis Anfang Oktober erstmals seit Mai unter die 8000-Dollar-Marke. Er erholte sich dann allerdings, weil es zu einem größeren Angebotsrisiko kam: Panamas größte Kupfermine soll geschlossen werden.

Laut Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen dürfte die stotternde Produktion in wichtigen Ländern wie Chile und Peru künftig nur schwer mit der Nachfrage mithalten, „sodass jegliche Angebotsausfälle den Markt schnell verknappen könnten“.

Erstpublikation: 14.12.2023, 15:51 Uhr.




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