Milliardendeal vor dem Aus: Übernahme von Anglo American durch BHP vorerst gescheitert
London. Die größte Übernahme in der globalen Rohstoffindustrie droht zu scheitern. Der in London gelistete Bergbaukonzern Anglo American hat die Bitte seines australischen Rivalen BHP nach weiteren Verhandlungen abgelehnt. Am Mittwochabend teilte BHP dann mit, dass man vorerst kein festes Angebot für Anglo abgeben werde. Damit ist die rund 49 Milliarden Dollar teure Übernahme mindestens für sechs Monate gestoppt.
Nach dem britischen Übernahmekodex hatte BHP bis Mittwochnachmittag, 17 Uhr Ortszeit, noch Gelegenheit, seine Offerte nachzubessern. Nun müssen die Australier sechs Monate warten, bis sie einen neuen Übernahmeversuch starten können. BHP hatte angesichts der ablaufenden Zeit am Mittwochmorgen noch um eine Verlängerung der Frist gebeten. Das hat Anglo nun zurückgewiesen.
„BHP hat die grundlegenden Bedenken des Vorstands in Bezug auf das unverhältnismäßige Ausführungsrisiko der vorgeschlagenen Struktur und den Wert, der letztendlich für die Aktionäre von Anglo American entstehen würde, nicht ausgeräumt“, begründet der Bergbaukonzern seine harte Haltung. Der Vorstand von Anglo sei daher einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass es keine Grundlage für eine weitere Verlängerung gebe.
Beide Seiten konnten sich demnach nicht auf die einzelnen Schritte einer Übernahme einigen. Anglo hat wiederholt Vorschläge von BHP zurückgewiesen, das 107 Jahre alte Unternehmen durch eine Abspaltung des Platingeschäfts und der Eisenerzminen in Südafrika zu zerschlagen und erst dann die lukrativen Kupferaktivitäten zu übernehmen.
Streit über die künftige Konzernstruktur
Das ist Anglo jedoch zu kompliziert. Das Unternehmen befürchtet zudem, dass ein Verkauf der Platin- und Eisenerzaktivitäten in Südafrika an Einwänden der dortigen Aufsichtsbehörden scheitern könnte. Der Vorschlag von BHP sei „hochkomplex und unattraktiv“, hieß es. Die Londoner konterten die BHP-Offerte deshalb vor einer Woche mit der Idee einer eigenen Aufspaltung und wollten sich von ihrer Diamanten-Tochter De Beers, den Platinminen und der Kokskohlesparte in Australien trennen.
Die Aktionäre von Anglo hatten zuletzt Befürchtungen geäußert, dass das Unternehmen durch die Abspaltungen an Wert verlieren könnte. BHP bot zuletzt eine Entschädigung an, falls der Deal aus kartellrechtlichen Gründen blockiert würde oder die behördliche Genehmigung ausbliebe.
Der Kampf um Kupfer
Ein Zusammenschuss der beiden Unternehmen hätte insbesondere die Kräfteverhältnisse auf dem weltweiten Kupfermarkt verschoben. Durch eine Kombination mit Anglo würde BHP etwa über zehn Prozent des globalen Kupferangebots verfügen, was nach Meinung von Analysten zu kartellrechtlichen Einwänden gegen die Übernahmepläne führen könnte.
Kupfer gilt als zentraler Rohstoff für die Energiewende. Wegen des nötigen Ausbaus von Stromnetzen und der Elektromobilität erwarten Analysten einen Nachfrageboom nach Kupfer. Gleichzeitig hält das Angebot nicht Schritt. Die Rohstoffexperten der UBS warnten daher kürzlich: „Ein Kupferengpass ist nicht mehr zu vermeiden.“