Öl, Gold, Kupfer: Coronavirus erfasst Rohstoffmärkte mit voller Wucht – auch Gold bricht ein
Der niedrige Ölpreis setzt die Opec-Staaten unter Druck.
Foto: dpaFrankfurt. Die vom Coronavirus ausgelöste Marktpanik drückt auch die Rohstoffmärkte tief ins Minus. Der Preis für Brent-Öl ist am Freitag erstmals seit Ende 2018 unter die Marke von 50 US-Dollar pro Barrel (rund 159 Liter) gefallen. Auf Sicht von einer Woche hat Öl rund 14 Prozent verloren – das ist der stärkste Einbruch innerhalb einer Handelswoche seit 2011.
Auch die Preise für andere konjunkturabhängige Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium oder Zink befinden sich im Sinkflug. Eine Tonne Kupfer kostet im Vergleich zu Jahresbeginn rund elf Prozent weniger. Nicht mal die als Krisenwährungen geltenden Edelmetalle konnten sich zuletzt dem Ausverkauf an den Rohstoffmärkten entziehen.
Der Goldpreis verlor am Freitag zwischenzeitlich vier Prozent und notierte bei 1585 Dollar pro Feinunze. Der Silberpreis verlor zwischenzeitlich sechs Prozent, Palladium mehr als zwölf Prozent. Jeroen Blokland, Marktstratege und Head of Multi Asset beim Vermögensverwalter Robeco, kommentiert bei Twitter: „Wenn die Marktstimmung negativ wird, kauf Gold. Wenn der Markt kapituliert, verkaufe Gold.“
Zeichen für eine solche Kapitulation finden sich überall. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer fiel in der vergangenen Woche knapp 13 Prozent. Auch die US-Börsen notieren auf Wochensicht tief im Minus. Allein langlaufende Staatsanleihen erfüllen derzeit ihre Funktion als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Der steigende Kurs der zehnjährigen US-Staatsanleihe drückte die Rendite erstmals in der Geschichte der USA auf unter 1,2 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf minus 0,6 Prozent und ist nur noch knapp von ihrem Allzeittief bei minus 0,7 Prozent entfernt.
Der Ausverkauf an den Rohstoffmärkten setzt besonders das Ölkartell Opec unter Druck. Saudi-Arabien, das einflussreichste Opec-Mitglied dringt einem Bericht der „Financial Times“ zufolge darauf, dass das Kartell sein Ölangebot weiter verknappt. Dadurch, so die Hoffnung der Opec-Mitglieder, könnte der Ölpreis stabilisiert werden. Doch schon jetzt produzieren die Opec-Länder so wenig wie zuletzt im Jahr 2018.
Opec-Länder unter Druck
Viele Förderstaaten sind dringend auf die Einnahmen aus dem Ölgeschäft angewiesen. Der Staatshaushalt der Saudis ist Experten zufolge bei einem Ölpreis von rund 80 Dollar pro Fass ausgeglichen. Ein Preis von unter 50 Dollar bringt das Königreich und viele andere Staaten im Nahen Osten und in Afrika in arge Bedrängnis. Die Analysten der Commerzbank schreiben: „Mit dem jüngsten Preisrückgang hat der Ölpreis alle Gewinne seit Anfang 2019 wieder abgegeben. Oder anders ausgedrückt, die OPEC steht wieder dort, wo sie vor Beginn der aktuellen Produktionskürzungen stand.“
Daher blicken die Marktteilnehmer mit Spannungen auf das Treffen der Opec-Mitgliedsstaaten Anfang März in Wien. Viele Beobachter erwarten, dass die Saudis einmal mehr den Ton angeben und auch mit eigenen Förderkürzungen versuchen werden, das Überangebot auf dem Ölmarkt zu verringern. Doch irgendwann komme auch das reiche Königreich an seine Grenzen, mahnen die Coba-Analysten: „Saudi-Arabien verkauft deutlich weniger Öl zu deutlich niedrigeren Preisen. Wie lange wird das funktionieren?“
Ein Trost bleibt dem Kartell jedoch: Der größte Konkurrent der Opec, die Schieferöl-Unternehmen in den USA, stehen ebenfalls unter massivem Druck. Bereits in den vergangenen Monaten hatten die oft hoch verschuldeten Firmen Probleme, sich für ihr Wachstum frisches Geld am Kapitalmarkt zu besorgen.
Diese Probleme haben sich wegen des Einbruchs der Ölpreise weiter verschärft. Mittlerweile beträgt die Rendite für Anleihen geringer Bonität aus dem US-Energiesektor im Durchschnitt mehr als neun Prozent. Das ist der höchste Wert seit der Branchenkrise im Jahr 2015. Bleibt der Ölpreis dauerhaft niedrig, könnte eine Pleitewelle bei US-Schieferölunternehmen bevorstehen.
Rätselhaft erscheint jedoch der sinkende Goldpreis. Doch auch dafür haben die Commerzbank-Strategen eine Erklärung. „Wir führen dies auf Zwangsverkäufe zurück, um anderweitige Verluste aufzufangen“, schrieben sie am Freitag. Professionelle Investoren hätten ihre zuletzt angehäuften Gewinne mit Gold realisiert, um Löcher in Portfolios zu schließen, die der Einbruch am Aktienmarkt gerissen hat.
Daher werde Gold seinem Ruf als Krisenwährung aktuell nicht gerecht. Dem Ausverkauf könne sich kein Rohstoff entziehen, so das Fazit der Coba-Analysten: „Jetzt trifft es alle.“ Alexander Zumpfe, Edelmetallhändler bei Heraeus, hält den Verkaufsdruck bei Gold jedoch für ein vorübergehendes Phänomen, sollte der Ausverkauf an den Aktienmärkten anhalten. „Für mich ist schwer vorstellbar, dass sich der Charakter von Gold als sicherem Hafen nicht durchsetzt.“