Verfall der Lira: Warum die Türkei vor der Wahl tonnenweise Gold verkaufte
Noch im vergangenen Jahr war die Türkei bei den Goldzukäufen Spitzenreiter unter den Zentralbanken.
Foto: dpaFrankfurt. Die türkische Zentralbank hat in den Wochen vor der Präsidentschaftswahl Dutzende Tonnen Gold auf den Markt geworfen. Gemäß den jüngsten verfügbaren Zahlen des World Gold Council (WGC) verkaufte die türkische Notenbank bereits im März rund 15 Tonnen.
Ende April berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Goldreserven der Notenbank innerhalb von sieben Wochen um neun Prozent gesunken seien. Das entspricht einem Verkauf von gut 50 Tonnen.
Auch während des Wahlkampf-Endspurts im Mai gingen die Goldverkäufe der türkischen Notenbank ungebrochen weiter, wie das Handelsblatt aus Branchenkreisen erfahren hat. Demnach könnte die Türkei zwischen März und Mitte Mai mehr als hundert Tonnen des Edelmetalls abgestoßen haben.
Die Türkei stemmte sich damit gegen einen Verfall der Lira, der im Wahlkampf Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan hätte schaden können. Der türkische Wirtschaftswissenschaftler Hakan Kara, der bis August 2019 noch Chefökonom der Zentralbank war, schrieb auf Twitter: „Man kann sagen, dass die Zentralbank in letzter Zeit versucht hat, Gold und physische Banknoten in flüssige Reserven umzuwandeln.“