Börse am 27. Februar: Sechs Punkte, die für Anleger heute wichtig sind
Blick auf die Anzeige an der Frankfurter Börse.
Foto: dpaDüsseldorf. In den ersten drei Tagen der Woche hat die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus den Dax um knapp sechs Prozent oder 800 Punkte ins Minus gedrückt. Der neuartige Virus hatte sich zuletzt auch in Europa ausgebreitet. Vor Handelsstart sehen Broker den deutschen Leitindex zur Eröffnung am Donnerstag fast drei Prozent tiefer bei knapp über 12.400 Punkten.
In der Nacht gerieten die Aktienmärkte erneut unter Druck, da es US-Präsident Donald Trump in einer Rede nach Einschätzung von Händlern nicht gelungen ist, die Anleger zu beruhigen. Die Renditen für wichtige Staatsanleihen sanken in Folge auf Rekordniveau. Trump hatte nach Warnungen der US-Gesundheitsbehörde CDC vor einer Ausbreitung des neuartigen Coronavirus auch in den USA vor einer Panik gewarnt. Er denke nicht, dass eine Ausbreitung in den USA unvermeidlich sei. Der Präsident betonte zugleich: „Was immer auch passiert, wir sind vollständig vorbereitet.“
Er schloss weitere Reiseeinschränkungen wegen des Virus nicht aus. Derzeit dürfen Ausländer, die in den vergangenen 14 Tagen in China waren, nicht in die USA einreisen. Trump sagte, solche Einschränkungen könnten auch gegen Reisende aus anderen Ländern verhängt werden, in denen sich das Virus ausbreitet.
Der Dax hatte sich am Mittwoch zunächst etwas vom Corona-Schock erholt. Das Börsenbarometer konnte anfängliche Verluste von mehr als drei Prozent fast wettmachen. Am Ende stand noch ein Minus von 0,12 Prozent bei 12.775 Punkten zu Buche.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte berappelte sich ebenfalls etwas und gab schließlich um 0,69 Prozent auf 27.127 Punkte nach.
Bei den Einzelwerten stehen am Donnerstag an den Börsen in Deutschland die Jahresbilanz von Bayer und die Entscheidung von ThyssenKrupp zum Verkauf der Aufzugssparte im Fokus.
1 – Vorgabe aus den USA
Die US-Börsen haben am Mittwoch nach einer Berg- und Talfahrt uneinheitlich geschlossen. Vor allem im späten Geschäft dominierte wieder die Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie. Auslöser war eine Mitteilung der Gesundheitsbehörden des Bezirks Nassau im Bundesstaat New York, wonach 83 Personen unter Beobachtung gestellt wurden, die China besucht haben und möglicherweise in Kontakt mit dem Coronavirus gekommen sind.
Gouverneur Andrew Cuomo sagte allerdings, dass der Staat bislang keinen bestätigten Fall habe. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent tiefer auf 26.957 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen 0,2 Prozent auf 8980 Punkte vor. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,4 Prozent auf 3116 Punkte ein.
2 – Handel in Asien
Die Aktienmärkte in Asien haben am Donnerstag ihre Verluste ausgeweitet. Wachsende Angst vor einer Pandemie drückte vor allem in Japan auf die Kurse. Der einzige Lichtblick war der sich stabilisierende Aktienmarkt in China. Zumindest in der Volksrepublik setzten Anleger darauf. dass der Ausbruch unter Kontrolle zu sein scheint.
Analysten warnten allerdings vor zu früher Entwarnung für die Finanzmärkte: „Die steigenden Infektionsfälle außerhalb der chinesischen Grenzen haben sicherlich das Pandemierisiko erhöht“, sagte Desh Peramunetilleke, Leiter Mikrostrategie bei Jefferies in Hongkong. „Die aktuellen Gewinnschätzungen berücksichtigen ein solches Risiko noch nicht und sind daher anfällig für weitere Herabstufungen.“
Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 2,2 Prozent tiefer bei 21.930 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 2,1 Prozent auf 1571 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,6 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 1,4 Prozent.
3 – Verhandlungen zwischen Großbritannien und EU
Die britische Regierung stellt an diesem Donnerstag ihr Verhandlungsmandat über die künftige Beziehung mit der Europäischen Union vor. Der Ansatz soll die „wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit“ Großbritanniens zum Jahresende wiederherstellen, heißt es in dem Mandat, dass vom Kabinett in London schon am Dienstag verabschiedet wurde. Die Details sollen heute präsentiert werden.
Sollte bis zum Auslaufen der Brexit-Übergangsphase Ende des Jahres keine Vereinbarung zustande kommen, droht ein harter Bruch mit schweren Folgen für die Wirtschaft.
4 – Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank legt Jahreszahlen vor
Die dürften gut ausfallen. Die Bank hatte bereits durchblicken lassen, dass sie 2019 mehr verdient hat als 2018: Der Vorsteuergewinn dürfte die Zwei-Milliarden-Euro-Marke übersteigen. Im Jahr zuvor verdiente die Bank vor Steuern 1,4 Milliarden Euro. Vor allem geht der Gewinn auf ihre lukrativen Töchter wie die Fondsgesellschaft Union Investment und den Versicherer R+V zurück. Aber auch wie viel die Kernbank selbst erzielt hat, wollen die Co-Vorstände Uwe Fröhlich und Cornelius Riese erklären.
5 – Bayer legt seine Jahresbilanz vor
Der Leverkusener Chemiekonzern präsentiert seine Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres meldete Bayer im Oktober Umsatzerlöse von rund 32,8 Milliarden Euro. Der Konzern steckt derzeit aber in einer schwierigen Phase wegen der durch Glyphosat verursachten Rechtsprobleme in den USA.
Dazu steht bei Bayer ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats an: Werner Wenning wird mit Ende der Hauptversammlung am 28. April aus dem Kontrollgremium ausscheiden. Nachfolger des 73-Jährigen soll Aufsichtsratsmitglied Norbert Winkeljohann werden. Analysten zeigten sich von der Personalie noch nicht vollends überzeugt.
6 – Thyssen-Krupp entscheidet über Verkauf der Aufzugsparte
Nach dem Ausscheiden des finnischen Rivalen Kone buhlen noch zwei Konsortien von Finanzinvestoren um die profitabelste Sparte des Ruhrkonzerns. Am Donnerstag will der Aufsichtsrat darüber entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Die Gebote sollen bis zu 16 Milliarden Euro betragen. Damit könnte die Transaktion der größte Private-Equity-Deal des Jahres werden.
Termine Unternehmen am 27. Februar
- 05:15 Uhr Großbritannien: Standard Chartered, Jahreszahlen
- 07:00 Uhr Deutschland: Alstria Office Reit AG, Jahreszahlen
- 07:00 Uhr Deutschland: Aixtron, Jahreszahlen
- 07:00 Uhr Belgien: Anheuser-Busch InBev, Jahreszahlen
- 07:30 Uhr Frankreich: SCOR, Jahreszahlen
- 08:00 Uhr Großbritannien: British American Tobacco, Jahreszahlen
- 08:00 Uhr Großbritannien: Reckitt Benckiser, Jahreszahlen
- 10:00 Uhr Deutschland: Aurubis, Hauptversammlung
- 10:00 Uhr Deutschland: Dürr AG
- 11:00 Uhr Deutschland: Frosta, Bilanz-PK
- 11:00 Uhr Deutschland: Ahlers AG, Jahreszahlen
- 17:35 Uhr Frankreich: Lagardere, Jahreszahlen
Termine Unternehmen am 27. Februar (ohne Uhrzeit)
- Frankreich: Carrefour, Jahreszahlen
- Großbritannien: Rentokil Initial, Jahreszahlen
- Großbritannien: Campbell Soup, 2. Quartal
- Großbritannien: Aston Martin, Jahreszahlen
- Deutschland: TAG Immobilien, Jahreszahlen
- Frankreich: Engie, Jahreszahlen
- Spanien: Ferrovial, Jahreszahlen
- Frankreich: Dassault Aviation, Jahreszahlen
- Frankreich: Safran, Jahreszahlen
- Frankreich: LafargeHolcim, Jahreszahlen
- USA: Best Buy, Jahreszahlen
- USA: Edison International, 4. Quartal
- USA: Dell, 2. Quartal
- Deutschland: Kühne & Nagel, Jahreszahlen
Termine Konjunktur am 27. Februar
- 14:00 Deutschland: Konferenz „Niedrigzinsen - Warum? Wie lange? Konsequenzen?“. Veranstalter ist das Center for Financial Studies, Diskutanten u.a.: Carl-Christian von Weizsäcker und Ex-ifo-Präsident Hans-Werner Sinn
Sonstige Termine
- 09:30 Uhr Luxemburg: EuGH-Gutachten zu Werbung bei Online-Handel mit Arzneien. Eine niederländische Versandapotheke wurde nach einer Werbekampagne in Frankreich wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt. Dort sind die angewandten Werbemittel verboten, in den Niederlanden indes erlaubt. Der Europäische Gerichtshof soll die Lage nach EU-Recht prüfen. Heute legt der zuständige Generalanwalt seine Schlussanträge vor.
- 10:00 Uhr Deutschland: Vergleichsstudie zu wirtschaftlichen Potenzialen des Ruhrgebiets Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und Ruhr-Forschungsinstitut Rufis haben untersucht, wie die Metropole Ruhr im Vergleich zu anderen großen Wirtschaftsregionen - etwa Berlin-Brandenburg, München oder Frankfurt/Rhein-Main - dasteht.
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