Dax Aktuell: MDax klettert auf Rekordhoch, Dax schließt in Lauerstellung – RWE und Varta erneut gefragt
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Der Dax hat die Woche mit einem Plus beendet. Er schloss am Freitag 0,72 Prozent höher als am Vortag bei 13.526 Punkten. Ein neues Rekordhoch erreichte der deutsche Leitindex im Tagesverlauf nicht, wohl aber ein neues Jahreshoch bei 13.557 Punkten. Zum Allzeithoch im Januar 2018 mit 13.597 Zählern fehlten zeitweise nur noch 40 Punkte.
Sollte der Dax auch in den kommenden Handelstagen sein Allzeithoch nicht überwinden können, droht aus Enttäuschung zunächst eine Topbildung in Form von Gewinnmitnahmen, prognostiziert Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.
Dann werde man dem Argument, dass der Index bereits viele positive Daten einpreist, erhöhte Bedeutung beimessen. Aber auch Halver erwartet keine größere Konsolidierung. Dazu sei die allgemeine Großwetterlage zu stabil.
Den Markt stützten am Freitag die jüngsten Konjunkturdaten aus China: Das Wachstum in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft fiel 2019 zwar so gering aus wie seit fast drei Jahrzehnten nicht, es traf aber die Erwartungen der Analysten und lag in der Zielvorgabe der Regierung in Peking. Viele Experten sehen Anzeichen, dass der Boden jetzt erreicht ist.
Interessant ist ein Blick auf die Performance der Aktienmärkte in den USA und Europa. Am Donnerstag war der Dax ebenso wie an vier Handelstagen zuvor mal wieder auf der Stelle getreten. Das Gleiche hatte sich beim europäischen Auswahlindex Euro Stoxx ereignet.
Jubelstimmung herrschte hingegen weiterhin an der Wall Street, wo die wichtigen Börsenbarometer ihre Rekordjagd fortsetzten.
Diese unterschiedliche Entwicklung bestätigt nur den Trend der vergangenen Wochen. Seit Mitte Dezember stieg beispielsweise der S&P 500 um 3,8 Prozent, während der Dax lediglich etwas mehr als ein Prozent zulegen konnte. In den vergangenen drei Monaten lag der Wertzuwachs beim US-Index bei knapp zehn Prozent, die Frankfurter Benchmark weist nur 6,3 Prozent auf.
Diese Zahlen lassen gegensätzliche Schlussfolgerungen zu. Optimisten erkennen das Nachholpotenzial bei den Kursen am deutschen Aktienmarkt. In der Vergangenheit hat der deutsche Leitindex oftmals diesen „Rückstand“ aufgeholt.
Ausländische Investoren erkannten plötzlich, wie preiswert deutsche Anteilsscheine sind. Plötzlich rasante Kurssteigerungen meist am Nachmittag gepaart mit einem steigenden Euro waren die Indizien dafür.
Pessimisten fragen sich natürlich: Was passiert mit dem Dax, wenn an den überhitzten US-Börsen eine Korrektur eingeleitet wird? Wird die Frankfurter Benchmark dann ebenso fallen?
Am heutigen Handelstag gab es zumindest an den europäischen Märkten zwei neue Rekordhochs: Der Stoxx 600, der die Kursentwicklung der 600 größten europäischen Unternehmen abbildet, stieg auf 422 Punkte – so hoch wie noch nie. Und der MDax, der Index der mittelgroßen deutschen Börsenwerte, schaffte mit 28.703 Punkten ein neues Rekordhoch.
Das Verhalten der Anleger derzeit spricht eher für weiter steigende Kurse am Aktienmarkt. Nach Meinung des Verhaltensökonomen Joachim Goldberg, der eine Sentimentumfrage der Börse Frankfurt auswertet, warten viele Investoren auf noch eine günstigere Einstiegsmöglichkeit.
Dieses Verhalten dürfte den Dax vor größeren Kursverlusten schützen. Steigende Notierungen dürften diese Anleger unter Druck setzen und möglicherweise eine Rally weiter befeuern.
Blick auf die Einzelwerte
Wirecard: Seit Wochenbeginn ist das Papier um rund acht Prozent gestiegen, allein am gestrigen Donnerstag lag der Wertzuwachs bei sechs Prozent. Am Freitag rutschte die Aktie allerdings wieder ins Minus und schloss 0,74 Prozent tiefer als am Vortag bei einem Kurs von 127,60 Euro. Dieser Dax-Wert ist so volatil wie kein anderer. Doch es gibt fünf Gründe, warum der Dax-Verlierer des vergangenen Jahres wieder gefragt ist.
Volkswagen: Der Konzern will Insidern zufolge beim chinesischen Batteriehersteller Guoxuan High-tech einsteigen, um den Ausbau der E-Mobilität voranzutreiben. Dazu wolle der Wolfsburger Autobauer in den kommenden Wochen einen Anteil von 20 Prozent kaufen und zum zweitgrößten Anteilseigner bei Guoxuan werden. Der Deal wäre die erste Direktbeteiligung von Volkswagen bei einem Batterie-Hersteller in China. Das Papier stieg am Freitag um 0,8 Prozent.
Varta: Die Aktien des Batterieherstellers haben am Freitag ihren Erholungskurs fortgesetzt: Sie notierten bei Handelsschluss 4,68 Prozent fester. Am Donnerstag hatte das Unternehmen angekündigt, seine Produktionskapazität deutlich auszubauen, und damit den Aktien Auftrieb verliehen. Zuvor hatten Zweifel an den Geschäftsaussichten die Papiere so stark einbrechen lassen wie seit dem Börsengang 2017 nicht.
Bayer: Die Aktie stieg am Freitag um 0,66 Prozent. Der Mediator Ken Feinberg hält es einem Bericht zufolge für möglich, dass binnen vier Wochen die US-Klagen gegen das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat beigelegt werden. Er wollte sich aber nicht dazu äußern, wie eine Lösung aussehen könnte.
RWE: Die 2,6 Milliarden Euro, die der Konzern als Entschädigung für den Kohleausstieg erhalten soll, erfreuen offenbar die Anleger. Nach einem Plus von 2,1 Prozent am gestrigen Handelstag stieg das Papier am Freitag um mehr als drei Prozent. Gleichzeitig erreichte das Papier im Tagesverlauf auf der Basis von Schlussständen ein neues Sieben-Jahres-Hoch.
Das Ergebnis sei positiver als gedacht, kommentierten die Analysten von Morgan Stanley. Sie hoben ihr Kursziel für den Versorger auf 34,60 von zuvor 32 Euro an. Das Anlageurteil beließen sie bei „Overweight“.
Auch die Berenberg Bank erhöhte das Kursziel für RWE auf 34,50 von zuvor 28 Euro. Der Kohleausstieg mache das Thema Erneuerbare Energien zum Mittelpunkt für den Konzern, hieß es in der Einschätzung. Das biete Wachstumschancen und mache die Aktien für weitere Investoren interessant.
Richemont: Beim Schweizer Luxusgüterkonzern hat sich das Wachstum abgeschwächt. Die politischen Unruhen im wichtigen Absatzmarkt Hongkong bremsten das Geschäft. Zudem schrumpfte der Umsatz in Japan, weil die Touristen angesichts des starken Yen weniger für Uhren, Schmuck oder Lederwaren ausgaben. Anleger hatten offenbar schwächere Zahlen erwartet, der Aktienkurs stieg um knapp fünf Prozent.
Was die Charttechnik sagt
Die kurzfristige Betrachtung: Seit dem neuen Hoch mit 13.548 Punkten am 10. Januar konsolidiert der Leitindex, das Tief dieser Bewegung liegt bei 13.362 Zählern. Bislang ist das eine eher positive Konsolidierung nach dem Plus von 300 Punkten seit Mittwoch vergangener Woche. Das neue Jahreshoch mit 13.551 Zählern am heutigen Handelstag ist ein Zeichen von Stärke.
Was zudem für eine Fortsetzung der Ralle spricht: Dass die Kurslücke von Anfang Januar immer noch nicht ganz geschlossen wurde. Solche Kurslücken (Fachjargon: Gap) entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem des Folgetages bleibt. So stieg der Dax am 8. Januar bis auf 13.334 Zähler, am Tag danach lag der niedrigste Kurs bei 13.469 Punkten. Sie dienen anschließend als wichtige Unterstützung.
Kurzfristig handelnde Investoren können diesen Bereich als Absicherung nehmen oder, je nach Situation, auch als mögliche Wiedereinstiegsmarke, wenn die Lücke geschlossen wird. Auch eine weitergehende Konsolidierung dürfte nichts am generellen Aufwärtstrend ändern. Oberhalb von 13.150 Zählern gilt das Börsenbarometer laut Charttechnik immer noch als „bullish“.
Langfristig betrachtet ist der gesamte Bereich zwischen 13.000 und 14.000 Punkte sehr wichtig. Das zeigt ein Blick auf den Kursverlauf der vergangenen drei Jahre. Denn die vergangenen Jahreshochs liegen eng beieinander: 2019 mit 13.426 Zählern, 2018 mit 13.597 Punkten, gleichzeitig Allzeithoch, und 2017 mit 13.526 Zählern. Ein Abprall von dieser Marke oder ein Ausbruch dürfte laut technischer Analyse weichenstellend für Monate, Quartale oder Jahre sein.
Handelsblatt-Analystencheck: RBC erneuert Kaufempfehlung für Daimler-Aktie
Das Analysehaus RBC hat die Einstufung für Daimler auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 62 Euro belassen. Er habe kleine Änderungen an seinem Bewertungsmodell vorgenommen, schrieb Analyst Tom Narayan in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Auf Basis der jüngsten Absatzdaten der Mercedes-Benz Autosparte ist er vorsichtiger für die Segmente Vans und Lastwagen. Daher passte Narayan seine Ergebnisschätzung für 2019 und 2020 leicht an.
Insgesamt 44 Studien im Handelsblatt-Analystencheck beschäftigen sich mit der Daimler-Aktie. Den 17 Kaufempfehlungen steht ebenfalls 17 Mal der Rat „Halten“ gegenüber. Zehn Analysen empfehlen das Papier zu verkaufen. Das gewichtete Kursziel sämtlicher Analysen liegt bei 53,24 Euro und damit über dem dem aktuellen Kurs von rund 47 Euro. Bei einem gewichteten Kursziel haben jüngere Studien einen höheren Einfluss.
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