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Börsenrally Fünf Gründe für Wirecards plötzlichen Kursanstieg

Seit Wochenbeginn hat die Wirecard-Aktie um rund 15 Prozent zugelegt. Das sind die Gründe, die zu dem starken Kursanstieg geführt haben.
17.01.2020 - 06:45 Uhr Kommentieren
Wirecard-Aktie: Darum ist der Wirecard-Kurs plötzlich gestiegen Quelle: dpa
Wirecard

Der Zahlungsdienstleister zählte im vergangenen Jahr noch zu den schwächsten Dax-Titeln.

(Foto: dpa)

München Der Kursanstieg von Wirecard in dieser Woche stellt die anderen 29 Dax-Werte deutlich in den Schatten. Am Dienstag ging es fast fünf Prozent nach oben, am Mittwoch um zwei Prozent, am Donnerstag waren es weitere sechs Prozent. Seit Wochenbeginn kam so ein Plus von rund 15 Prozent zusammen.

Fünf Gründe gibt es, warum der Dax-Verlierer des vergangenen Jahres wieder gefragt ist.

1. Generationswechsel

So bezeichnete der Zahlungsdienstleister selbst den überraschenden Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates in der Nacht von Freitag auf Samstag. Der Wechsel von Wulf Matthias zu Thomas Eichelmann als Chefaufseher ist jedoch mehr als eine Generationenfrage. Mit dem 54-jährigen Eichelmann kann erstmals ein ernst zu nehmender Chefaufseher bei Wirecard einziehen.

Zur Erinnerung: Der Aufsichtsrat des Dax-Konzerns bestand bis 2016 lediglich aus drei Personen, erst dann wurde er aufgestockt. Seit 2018 ist man zu sechst. Damit wandelte sich zwar allmählich die Professionalität im Gremium, den Ton gaben jedoch noch immer die drei langjährigen Mitglieder Wulf Matthias, Alfons Henseler und Stefan Klestil an.

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    Mit dem altersbedingten Ausscheiden von Henseler im Sommer und dem Einzug von Thomas Eichelmann änderten sich die Mehrheitsverhältnisse. Der Kursanstieg in dieser Woche ist somit auch ein Vertrauensvorschuss der Anleger für den neuen Chefaufseher Eichelmann, dass dieser den Zahlungsdienstleister nach den vielen schweren Angriffen im vergangenen Jahr wieder in ruhiges Fahrwasser bringen kann. Bei früheren Aufgaben – ob als Vorstand der Deutschen Börse oder als Aufsichtsratschef bei Hochtief – war ihm das trotz mancher Diskrepanzen gelungen.

    2. Senior Fintech

    Wirecard verfügt über eine Expertise, die so gut wie keine der großen internationalen Adressen im Finanzsektor hat – allen Anschuldigungen über fehlerhafte Buchungen, Betrug und mangelnde interne Kontrollen zum Trotz. Das Thema Zahlungsverkehr: Gerade die Banken hatten den Bereich über Jahre hinweg schlicht missachtet – oder gar verschlafen. Wirecard dagegen konzentrierte sich darauf, dass mit zunehmender Digitalisierung auch die Kunden immer mehr bargeldlos bezahlen.

    Weltweit mehr als 300.000 Kunden nutzen inzwischen die Dienste von Wirecard. Der Zahlungsdienstleister sorgt dafür, dass beim bargeldlosen Bezahlvorgang das Geld auch auf dem Konto des Händlers landet. Bisher fanden sich darunter vor allem kleine bis mittlere Adressen. Künftig sollen auch große Namen hinzukommen. Mit der US-Telekom-Gesellschaft Sprint wurde gerade erst ein Vertrag verkündet.

    Der Markt für bargeldloses Bezahlen dürfte in diesem Jahrzehnt einen gewaltigen Schub zeigen. Die dafür nötigen Chips, die in Smartphones oder Smartwatches integriert werden müssen, kosten nur noch wenige Cent. Sogar mit günstigen Plastikuhren von Swatch ist so inzwischen das Bezahlen möglich. Am Markt der Zahlungsdienstleister gibt es neben Wirecard zwar etliche andere großen Adressen. Weil die Volumina jedoch stark steigen, kann jeder von ihnen sehr gut existieren. Zudem ist der Markteintritt für Neulinge wegen des weit fortgeschrittenen Know-hows der etablierten Player schwierig.

    3. Bewertung

    Wirecard hat trotz des jüngsten Kursanstiegs ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von weniger als 22 für das laufende Jahr. Das ist zwar über dem Dax-Durchschnitt. Für innovative Tech-Unternehmen wird jedoch generell mehr bezahlt als für Traditionsbranchen, siehe SAP oder Infineon.

    Besonders krass wirkt der Bewertungsabstand von Wirecard zu Adyen, einem der größten Wettbewerber von Wirecard aus den Niederlanden. Auch dessen Aktie zog in den vergangenen Tagen kräftig an. Der große Unterschied zu Wirecard ist jedoch, dass das KGV der Niederländer etwa viermal so hoch liegt. Zudem ist Wirecard bei Umsatz und Gewinn etwa viermal so groß wie Adyen. Das dürfte vielen Großanlegern zuletzt nicht entgangen sein.

    Außerdem halten sich seit Längerem Gerüchte, eine große Adresse aus dem Finanzbereich sei dabei, größere Positionen für sich oder für Kunden aufzusammeln. Das würde sich mit den hohen Handelsumsätzen der vergangenen Tage decken. Bei Wirecard befinden sich knapp 60 Prozent der Aktien im freien Handel. Am Mittwoch war bereits bekannt geworden, dass der amerikanische Kreditkartenanbieter Visa das Fintech Plaid für 5,3 Milliarden Dollar übernimmt. Plaid bietet Software zur Verknüpfung digitaler Zahlungs-Apps wie Paypals Venmo oder Transferwise mit Bankkonten an.

    4. Shortseller

    Die Finanzanalysefirma S3 Partners hatte zuletzt Daten veröffentlicht, wonach rund 20 Prozent der Wirecard-Aktien leerverkauft sind. In der Regel handelt es sich bei den Leerverkäufern um Hedgefonds, die sich gegen eine Gebühr Aktien bei Großinvestoren wie Banken oder Versicherungen leihen, sie am Markt verkaufen und hoffen, sie später zu günstigeren Kursen wieder zurückkaufen zu können. Dann geben sie die geliehenen Papiere wieder an den Eigentümer zurück.

    Im Bundesanzeiger müssen diese Investoren zwar ihre Positionen veröffentlichen, jedoch nur, wenn diese 0,5 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals überschreiten. Auffällig ist hier, dass mancher der sechs Hedgefonds, die sich in der Vorweihnachtszeit gegen Wirecard positioniert hatten, ihre Positionen allmählich abbauen. Der amerikanische Hedgefonds Coatue Management hatte beispielsweise seine Position in dieser Woche auf 0,46 Prozent reduziert. In der Vorweihnachtswoche waren es noch bis zu 0,86 Prozent.

    Denkbar ist dabei auch folgendes Szenario: Viele Shortseller hatten auf fallende Kurse gesetzt. Steigt nun aber die Wirecard-Aktie so deutlich wie zuletzt, dann wächst bei ihnen auch die Nervosität. Manch einer deckt sich dann lieber jetzt mit Aktien ein, ehe der Kurs noch weiter steigt und der mögliche Verlust für die Shortseller damit noch größer wird. Historisches Paradebeispiel für ein solches Szenario war übrigens der Verlauf der Volkswagen-Aktie zu Zeiten der Finanzkrise. Das Spiel der Spekulanten trieb den VW-Kurs kurzzeitig bis auf 1000 Euro.

    5. Saisonalität

    Wirecard zählte im vergangenen Jahr nach den vielen Anschuldigungen zu den schwächsten Dax-Titeln. Das Minus lag bei fast 20 Prozent. Viele Investoren greifen traditionell im Januar bei den Verlierern des Vorjahres zu. Deswegen finden sich diese Aktien dann häufig oben auf der Gewinnerseite.

    Dieser Effekt ist jedoch oft auch relativ schnell wieder vorüber, wenn sich herausstellt, dass sich bei den Verlierern des Vorjahres nur wenig zum Besseren verändert hat. Bei Wirecard könnte das der Fall sein, wenn entweder weitere Anschuldigungen aufkämen oder die Sonderprüfung der Bilanz durch die Wirtschaftsprüfer von KPMG tatsächlich schwere Verfehlungen ans Licht brächten. Mit dem Bericht der Prüfer wird Ende des ersten Quartals gerechnet.

    Mehr: Die Bilanzen von Wirecard-Partnern sollen ein weiteres Mal durchleuchtet werden. Eine außerordentliche Hauptversammlung müsste das beschließen.

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