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Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 Corona- und China-Sorgen: Größter Kursrutsch an US-Börsen seit fast zwei Monaten

Investoren fürchten, dass die Delta-Variante die Erholung der Wirtschaft ausbremsen könnte. Auch das Vorgehen Chinas gegen Tech-Konzerne verunsichert die Anleger.
08.07.2021 Update: 08.07.2021 - 23:07 Uhr Kommentieren
Die Anleger in New York sind verunsichert. Quelle: Reuters
Wall Street

Die Anleger in New York sind verunsichert.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Das Wiederaufflackern der Coronavirus-Pandemie hat US-Anlegern Sorgen bereitet. Außerdem verunsicherte sie das harte Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Technologiekonzerne. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss am Donnerstag 0,8 Prozent tiefer auf 34.421 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 0,7 Prozent auf 14.559 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,9 Prozent auf 4320 Punkte ein.

Analysten erklären den Rückschlag mit einer wiederaufkeimenden Furcht vor dem Coronavirus. Vor allem die Sorge, dass die Delta-Variante die Erholung der Weltwirtschaft bremsen könnte, treibe die Investoren um, schrieben etwa Nicholas Colas und Jessica Rabe von Datatrek Research.

Der Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Mathias Cormann, warnte am Donnerstag in einem Gespräch mit dem Fernsehsender CNBC vor neuen Ausbrüchen von Covid-19. Er forderte die entwickelten Länder auf, die weniger entwickelten Länder bei ihren Impfprogrammen zu unterstützen. Dies sei nicht nur eine Frage der Solidarität, sondern liege auch im eigenen Interesse der Industriestaaten, damit die wirtschaftliche Erholung aufrechterhalten werden könne.

Nahrung erhielt die Furcht durch die Nachricht, dass Japan den Corona-Ausnahmezustand für die Stadt Tokio bis zum 22. August verlängern wird, um eine neue Welle von Coronavirus-Infektionen einzudämmen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen liegt dort auf dem höchsten Stand seit Mitte Mai. Bei den in zwei Wochen beginnenden Olympischen Spielen soll es keine Zuschauer geben, gab Japans Olympiaministerin Tamayo Marukawa bekannt.

Auf die Verliererstraße gerieten konjunktursensible Aktien – insbesondere Werte aus der Reisebranche und der Autoindustrie. Aber auch Einzelhändler und Chip-Hersteller gerieten unter Druck.

Neue Arbeitsmarktdaten belasten die Stimmung

Pessimistischer stimmten Anleger zudem Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist überraschend gestiegen. Insgesamt stellten vergangene Woche 373.000 US-Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze. In den sieben Tagen zuvor waren es 371.000, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 350.000 gerechnet.

Unabhängig davon warnte ein führender US-Notenbanker, dass die rasche Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus die Erholung der US-Wirtschaft beeinträchtigen könnte. Zusätzlich genährt wurden die Konjunktursorgen von der überraschend hohen Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe. Vor diesem Hintergrund nahmen einige Investoren Kurs auf „sichere Häfen“ wie Staatsanleihen. Dies drückte die Renditen der richtungweisenden zehnjährigen T-Bonds zeitweise auf ein Fünf-Monats-Tief von 1,25 Prozent.

US-Anleger suchten am Donnerstagmorgen zunächst ihr Heil auf dem Anleihemarkt. Die hohe Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen drückte die Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf 1,25 Prozent und damit den niedrigsten Stand seit Ende Februar. Anfang Juli hatte sie noch bei fast 1,58 Prozent gelegen, im März 2021 hatte sie mit 1,78 Prozente das vorläufige Jahreshoch erreicht.

Über die genauen Gründe für die hohe Nachfrage und den folgenden Renditeanstieg sind sich die Händler nicht im Klaren. Viele äußern iher Sorge, dass die beste Phase der wirtschaftlichen Erholung hinter uns liegen könnte.

Abwärts ging es zunächst auch für den Ölpreis. Investoren rätselten weiterhin, wie sich die Fördermengen nach den geplatzten Verhandlungen der „Opec+“, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, entwickeln, sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Daher gingen sie lieber auf Nummer sicher und zögen sich zurück. Ein überraschend starker Rückgang der US-Rohölbestände hievte den Preis für die US-Sorte WTI bis zum Abend allerdings 1,3 Prozent ins Plus auf 73,11 Dollar je Barrel (159 Liter).

Seit die Ölpreise am Dienstag abermals auf mehrjährige Höchststände gestiegen waren, haben sie deutlich nachgegeben. Hauptgrund für die Berg- und Talfahrt ist der Disput innerhalb des mächtigen Ölverbunds Opec plus. Es geht um die künftige Förderpolitik des 23 Länder umfassenden Verbunds. Die Auswirkungen des Streits zwischen der Ölmacht Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind unklar. Mittelfristig sind sowohl steigende als auch fallende Ölpreise denkbar.

Blick auf die Einzelwerte

Didi: Mit einem Kursminus von knapp sechs Prozent gehörte Didi erneut zu den Verlierern am US-Aktienmarkt. Die Regierung in Peking hatte die App des chinesischen Fahrdienst-Vermittlers wegen angeblich illegaler Sammlung von Nutzerdaten zum Download gesperrt. „Was mit Didi passiert ist, hat Anleger wirklich erschreckt“, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Es sei völlig unklar, wie die Regulierung chinesischer Firmen mit einer Börsennotierung im Ausland aussehen werde. Insidern zufolge müssen sich Unternehmen derartige Pläne künftig von den Behörden absegnen lassen. Die Titel der Online-Händler Alibaba und des Suchmaschinen-Betreibers Baidu, die ebenfalls ins Visier der Behörden geraten sind, büßten jeweils fast vier Prozent ein. So lange der Regulierungsdruck nicht eindeutig nachlasse, würden Anleger die Finger von chinesischen Werten lassen, prognostizierte Analystin Chelsey Tam vom Research-Haus Morningstar.

Eisenbahnbranche: Parallel dazu knöpft sich US-Präsident Joe Biden die Eisenbahnbranche vor. Einem Insider zufolge will er die Aufsichtsbehörde STB beauftragen, bestehende Monopole aufzubrechen und den Wettbewerb zu verbessern. Hierzu sollen Betreiber unter anderem gezwungen werden, ihre Schienennetze für Konkurrenten zu öffnen. Die Aktien von Kansas City Southern, CSX und Norfolk Southern fielen daraufhin um bis zu fast acht Prozent.

Boeing: Zum Spitzenreiter im Leitindex avancierte im späten Handel aber Boeing mit plus 2,2 Prozent. Der Flugzeugbauer kann sich Hoffnung auf eine Wiederzulassung des 737 Max in China machen kann.

Banken: Auf der anderen Seite des Dow tauchten die Banken mit größeren Abschlägen auf: JPMorgan und Goldman Sachs fielen um 1,7 beziehungsweise 2,4 Prozent. Begründet wurde dies mit der aktuellen Situation am Anleihenmarkt mit stark fallenden Renditen.

Apple: Nach zuletzt starkem Lauf scheuten die Aktien von Apple einen Angriff auf den bisherigen 145-Dollar-Rekord. Nach einem Plus von fast 18 Prozent seit Anfang Juni büßten sie am Donnerstag 0,9 Prozent ein.

Virgin Galactic: Ein positiver Ausreißer waren unter den Nebenwerten die Aktien von Virgin Galactic mit einem Kurssprung um 17 Prozent. Firmengründer Richard Branson will am Wochenende für einen Testflug selbst in eines der Weltraumflugzeuge des Unternehmens steigen. Der britische Milliardär will mit seiner Firma kommerzielle Weltraumflüge anbieten.

Alphabet: Die Google-Mutter steht wegen des Vorwurfs, unfairen Wettbewerb zu betreiben, unter Druck. 36 US-Bundesstaaten haben Klage eingereicht. Es geht dabei um zu hohe Gebühren beim Geschäft mit Apps im Play Store. Die Aktie gab am Donnerstagvormittag zeitweise fast zwei Prozent nach.

AMD: Befürchtungen über ein nachlassendes Wirtschaftswachstum setzten der Aktie des Chipherstellers zu. Anteilscheine gaben am Abend um knapp 0,8 Prozent nach. Wettbewerber Nvidia (NVDA) verloren sogar 1,7 Prozent..

Carnival: Sorgen darüber, dass die Delta-Variante des Coronavirus die Erholung der Reisebranche gefährden könnte, veranlassten Aktionäre, sich von Aktien der Kreuzfahrtlinie zu trennen. Die Papiere gaben im frühren Handel um fast fünf Prozent nach..

Meme-Aktien: Der Ausverkauf bei Aktien des Kinobetreibers AMC und des Computerspielhändlers Gamestop geht weiter. Beide Werte gaben am Vormittag um 6,8 Prozent nach. Die sogenannten Meme-Aktien stehen im Fokus von Privatanlegern, die sich auf Internetplattformen organisieren, um gemeinsam die Kurse zu bewegen.

Mit Agenturmaterial

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