Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: Wall Street schließt nach Konjunkturdaten kaum verändert
New York. Die US-Börsen haben die Woche versöhnlich beendet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag 0,1 Prozent höher bei 37.466 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,2 Prozent auf 4697 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,1 Prozent auf 14.524 Stellen. Die Investoren hatten gehofft, dass die zum Wochenausklang anstehenden Wirtschaftszahlen Hinweise auf die künftige Geldpolitik der US-Notenbank Fed liefern. Die Währungshüter versuchen, mit hohen Zinsen die Inflation zu dämpfen und den heiß gelaufenen Arbeitsmarkt abzukühlen, ohne die Konjunktur abzuwürgen.
Die am Freitag veröffentlichten Daten zeigten jedoch in zwei unterschiedliche Richtungen. Einerseits hatte sich das Wachstum der US-Dienstleister vor der Jahreswende unerwartet stark verlangsamt, was für Zinssenkungen sprechen könnte. Überraschend gut schlug sich dagegen die US-Industrie.
Auch die Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft fiel höher als erwartet aus. „Mit einem erneut robusten Arbeitsmarkt in den USA im Dezember haben die Anleger ihre Zinssenkungserwartungen nun endgültig reduziert und sich gleichzeitig auf eine daraus erwachsende, weiterhin hohe Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft konzentriert“, kommentierte Konstantin Oldenburger, Analyst vom Broker CMC Markets.
Versorgungsängste im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt in Nahost trieben indes die Ölpreise in die Höhe. Das US-Öl WTI und die Nordsee-Sorte Brent verteuerten sich um knapp 2,4 beziehungsweise 1,6 Prozent.
Die Nachfragesorgen angesichts der schwächelnden Wirtschaft hatten sie im vierten Quartal trotz des Israel-Hamas-Kriegs stark ins Minus gedrückt. „Der Preisanstieg ist eine Erinnerung an das geopolitische Risiko“, sagte Tamas Varga, Analyst beim Ölmakler PVM.
Knapp drei Monate nach Beginn des Kriegs mit der Hamas hat Israel die Luft- und Bodenangriffe auf den Gazastreifen nach palästinensischen Angaben verstärkt. US-Außenminister Antony Blinken, der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock kündigten diplomatische Reisen in die Region an. Stark Beeinträchtigt wegen Angriffen der pro-palästinensischen Huthi-Rebellen aus dem Jemen waren indes nach wie vor die auch für Öltransporte wichtigen Schifffahrtsrouten im Roten Meer.
„Die USA trumpfen zum Jahresende mit einem überraschend kräftigen Beschäftigungsanstieg auf. Im Trend verdichten sich jedoch die Hinweise auf eine langsame Abschwächung des US-Arbeitsmarktes“, sagte Ökonom Bastian Hepperle von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe. Außerhalb des Gesundheitssektors seien die Beschäftigungszuwächse nur noch moderat, weniger Stellen seien unbesetzt und die Wechselwilligkeit schwinde.
Die Notenbank bekämpft die Inflation mit ihrer straffen geldpolitischen Linie. Die Abkühlung des Arbeitsmarkts gilt ihr als wichtige Voraussetzung, um ihr Zwei-Prozent-Ziel bei der Inflation dauerhaft zu erreichen. Besonderes Augenmerk legen die Währungshüter dabei auf das Lohnwachstum.
Nach Darstellung des US-Notenbankers Thomas Barkin ist die Inflation aktuell weiter zu hoch. „Es ist von entscheidender Bedeutung, die Inflation in den Griff zu bekommen“, sagte der Präsident des Fed-Notenbankbezirks Richmond am Freitag. „Derzeit liegen wir immer noch bei einer Arbeitslosenquote von 3,7 Prozent und 216.000 neuen Jobs pro Monat“, sagte Barkin unter Verweis auf die Stellenübersicht für Dezember. Die Fed sei noch nicht an dem Punkt angelangt, wo ihre Bemühungen zur Bekämpfung der Inflation ein direktes Risiko für ihr anderes Ziel darstellen, der Aufrechterhaltung der maximalen Beschäftigung.
Die Fed hat die Leitzinsen seit Anfang 2022 von nahe null auf eine Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent erhöht. Zuletzt hielten die Währungshüter drei Mal in Folge still. Auch im laufenden Monat dürfte die Fed der Erwartung der Investoren zufolge pausieren. Für März wird an den Terminmärkten allerdings mit einer Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt gerechnet.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne legten im Dezember um 4,1 Prozent zum Vorjahr zu. Im Vormonat hatte sich ein Zuwachs von Prozent 4,0 ergeben. Fachleute hatten für Dezember einen Rückgang auf 3,9 Prozent erwartet: „Somit stellt der Arbeitsmarktbericht in der Gesamtschau einen herben Rückschlag für die am Markt grassierenden Erwartungen bald fallender US-Leitzinsen dar“, meint LBBW-Ökonom Dirk Chlench.
Die Einzelwerte:
Tesla: Bei den Einzelwerten setzte ein Rückruf von 1,62 Millionen Fahrzeugen in China der Tesla-Aktie zu. Die Papiere des E-Autobauers gaben zeitweilig um 1,3 Prozent nach, um dann knapp im Minus zu schließen. Grund sei die sicherheitsbedingte Notwendigkeit eines Software-Updates bei der Autopilot-Funktion, teilte die chinesische Aufsichtsbehörde mit.
Applied Therapeutics: Unter Druck auch Applied Therapeutics mit einem Kurseinbruch um gut 40 Prozent. Das Biopharma-Unternehmen teilte nach Börsenschluss am Donnerstag mit, dass sein Herzmedikament AT-001 im Rahmen einer Studie keine größere Wirkung als ein Placebo hatte zeigen können.
Apple: Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, ein wichtiger iPhone-Fertiger, hat gewarnt, dass es für das erste Quartal einen Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr erwartet, nachdem die Nachfrage im Vorquartal schwächer war. Die Aktie des US-Konzerns verliert leicht um 0,1 Prozent.
Palantir: Eine Herabstufung setzte indes Palantir zu. Die Titel der Datenanalysefirma gaben 1,6 Prozent nach. Die Experten von Jefferies haben sie auf „Underperform“ nach zuvor „Hold“ gesetzt. Das Geschäftsmodell von Palantir sei zwar nach wie vor stark, aber die Aktie werde ihre Gewinne aus der jüngsten KI-Rally wahrscheinlich nicht halten können, hieß es.
Peloton: Die Ankündigung einer Partnerschaft mit TikTok sorgte dagegen den zweiten Tag in Folge für Kursgewinne bei Peloton. Die Papiere des US-Heimtrainer-Anbieters schossen um 9,6 Prozent in die Höhe.. Am Donnerstag waren sie um rund 14 Prozent gestiegen.