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MischfondsAuf den Mix kommt es an

Die Coronapandemie führt zu extremen Ausschlägen an den Börsen. In unsicheren Zeiten sind Erfahrung und Geschick gefragt. Wie sich bekannte Manager von Mischfonds jetzt positionieren.Dirk Wohleb 01.07.2020 - 09:49 Uhr
Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Bannie Kang aus Singapur ist die beste Barkeeperin der Welt. Sie konnte sich 2019 gegen Tausende Barkeeper aus sechs Kontinenten durchsetzen. Die Erfolgsrezepte der erfolgreichen Cocktailmixer unterscheiden sich stark: Die einen erweitern und variieren bestehende Rezepturen, die anderen haben Mut zu neuen Kreationen.

Ähnlich geht es Mischfondsmanagern. Auch sie können eine große Vielfalt an Zutaten nutzen. In der Coronakrise sind viel Geschick, Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Mut gefragt. Flexibel investierende Manager von Mischfonds besitzen ein Höchstmaß an Freiheit. Sie können in Aktien und Anleihen aus der ganz Welt investieren, Branchen oder Regionen je nach Geschmack gewichten oder auch Positionen absichern. Sie können sich nicht hinter einem Index verschanzen, den sie einfach abbilden. Mut zur Meinung ist gefragt. Im Extremfall liegt der Anteil von Aktien im Portfolio zwischen null und 100 Prozent. Diese flexibel investierenden Fonds sind bei Anlegern sehr gefragt. Sie haben vermögensverwaltenden Charakter und zählten in den vergangenen Jahren zu den Absatzschlagern der Fondsindustrie.

Coronakrise

Geldschwemme treibt Kurse nach oben

Die Finanzberater Edition des Handelsblatts hat die Starmanager Bert Flossbach, Luca Pesarini und Hendrik Leber nach ihren Strategien in der Krise gefragt. Sie verantworten große Mischfonds und sind bei Finanzberatern und Anlegern beliebt. Die Antworten zeigen: Die Manager verfolgen mit ihren Mischfonds unterschiedliche Strategien. Auch wenn sich der Mix unterscheidet, kommen die drei damit aber erfolgreich durch die Krise.

Im aktuellen Umfeld erfolgreich zu investieren verlangt viel Fingerspitzengefühl: Die Märkte sind nervös wie lange nicht mehr. Solche Schwankungen hat auch ein erfahrener Investmentprofi wie Bert Flossbach in seiner langen Zeit als Fondsmanager nicht erlebt. Erst stürzten die Aktienmärke zu Beginn der Coronakrise um 40 Prozent ab, um dann wieder in kurzer Zeit um 30 Prozent zuzulegen.

War die Coronakrise also nur eine kurze Episode in der an Krisen reichen Börsengeschichte? Davon kann keine Rede sein. Während an der Börse schon wieder der Optimismus Einzug hält, werden sich die Folgen des Shutdowns erst noch zeigen, ist Fondsmanager Flossbach überzeugt: „Die globale Wirtschaftsleistung bricht ein, viele Firmen gehen in die Insolvenz und Millionen Arbeitsplätze gehen vermutlich verloren.“ Er rechnet in den kommenden Monaten mit volatilen Aktienmärkten, die mutigen Investoren aber immer wieder Chancen bieten.

Auch Luca Pesarini, Manager des konservativ investierenden Mischfonds Ethna Aktiv (ISIN LU0431139764), hält Rückschläge für möglich: „Die gesamte Entwicklung vollzog sich seit Ende Februar mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Aus ökonomischer Sicht überwiegen ganz klar die Abwärtsrisiken.“ Zudem sei die Lage rund um die Coronapandemie extrem komplex und für alle Marktteilnehmer ohne historischen Vergleich. Das macht die Arbeit der Fondsmanager nicht leichter. Sie können sich nicht an Mustern aus der Vergangenheit orientieren.

Aktienquote zwischenzeitlich bei null

Entsprechend hat sich Pesarini in seinem eher konservativ gemanagten Mischfonds positioniert. Er hat die Aktienquote zwischenzeitlich komplett heruntergefahren. Noch Anfang des Jahres lag der Aktienanteil in seinem Mischfonds bei 40 Prozent. Mittlerweile hat er sie bis Anfang Juni wieder auf 20 Prozent angehoben. Pesarini investiert in Aktien hauptsächlich über Indexfutures, die er schnell und günstig handeln kann. Er kauft aber auch Einzelwerte wie Visa, Mastercard oder Paypal.

Foto: Handelsblatt

Bert Flossbach setzt dagegen wie bereits vor der Coronakrise auf eine aktive Auswahl von Qualitätsaktien. Darunter versteht er Unternehmen mit attraktiven Geschäftsmodellen, vorhersagbaren positiven Erträgen und soliden Bilanzen. Zu den Top Ten in seinem Portfolio zählen zum Beispiel Nestlé, Unilever und Reckitt Benckiser. Unternehmen, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten mit ihren starken Markennamen bestehen können. Die Aktienquote im Mischfonds Flossbach Multiple Opportunities liegt aktuell bei 70 Prozent, davon hat er die Hälfte vor Kursverlusten abgesichert. Die Aktienauswahl hat Flossbach in der Coronakrise nicht geändert.

Bei seinem flexibel investierenden Mischfonds Acatis Datini Valueflex hält Hendrik Leber 80 Prozent Aktien, davon überdurchschnittlich viele Papiere aus dem Gesundheits- und IT-Sektor. Dazu zählen im Bereich Healthcare zum Beispiel die Werte Illumina, Gilead, Regeneron, Eurofins oder Charles River Labs. Im IT-Bereich reicht die Palette seiner Investments von Microsoft bis zu VMWare.

„Wir haben in den Wochen der Coronapandemie, die fast zeitgleich mit dem Ölpreiskrieg verläuft, eine Reihe sehr unterschiedlicher Wertpapiere zugekauft“, sagt Leber. So auch vom chinesischen Unternehmen CanSino, das einen Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Genauso wie vom Unternehmen BioNTech, deren Aktien Leber seit der Emission im Portfolio hält. Weil die Lagerkapazität für Öl knapp ist, hat er in die Öltankergesellschaft Frontline investiert. Zudem hat Leber in Erwartung steigender Kreditausfälle einen ETF auf den itraxx-Crossover Index gekauft. Er legt zu, wenn die Kreditausfälle zunehmen.

Bessere Renditen bei Anleihen

Und was ist mit den Anleihen? Die stark zunehmende Volatilität an den Märkten sorgt für Chancen für Investoren: „Derzeit ist es kein Problem, mit Unternehmensanleihen sehr gut zu verdienen. Das liegt daran, dass die An- und Verkaufsspannen im Markt sehr weit sind und viele Kaufgelegenheiten existieren“, sagt Hendrik Leber. Er rechnet aber damit, dass das Umfeld für Anleihe-Investoren wieder ähnlich schwierig wird, wenn die Risikoaufschläge von Unternehmen gegenüber Staatsanleihen abgebaut sind.

Leads

Die neue harte Währung im Vertrieb

Bert Flossbach verfolgt bei seinem Mischfonds im Anleihebereich eine sehr flexible und aktive Anlagestrategie: „Angesichts des niedrigen Renditeniveaus bei Anleihen reicht es nicht mehr aus, festverzinsliche Wertpapiere zu kaufen und bis zur Endfälligkeit zu halten.“ Heute sei es der Anleiheteil im Portfolio von Mischfonds, der viel aktiver gemanagt werden müsse.

Luca Pesarini rechnet damit, dass die Renditen für deutsche und US-Staatsanleihen dauerhaft niedrig bleiben werden. Mehr Potenzial sieht auch er bei Unternehmen. Während zu Jahresanfang Unternehmensanleihen mit einem Investment Grade, also einer guten Bonitätsbewertung, nur 0,5 Prozent Rendite abwarfen, liegt die Rendite nun wieder bei 1,5 Prozent.

Deutlich mehr Potenzial hätten derzeit in US-Dollar herausgegebene Titel. Aber auch Unternehmensanleihen, die nicht über ein Investment Grade verfügen, also eine schlechtere Bonität besitzen, seien derzeit interessant, betont Pesarini: „Für solche Investments ist ein fundiertes Know-how bei der Auswahl erforderlich, sie werden jedoch mit deutlich höheren Renditen bis in den zweistelligen Renditebereich belohnt.“

Die drei Mischfondsmanager kamen bislang gut durch die Krise. Sie konnten mit ihren Strategien die Verluste stark begrenzen und schnitten besser ab als der Großteil der Mitbewerber. Sie sind in einer guten Ausgangsposition für die wirtschaftliche Erholung. Sie verfolgen sehr unterschiedliche Konzepte bei ihrem Mix — die aber zum Erfolg führen.

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