Schwarzes Schaf am Grauen Kapitalmarkt: Herr Schmidt will an die Börse
Göttingen. Gerade mal zwei Dutzend Börsengänge gab es in Deutschland 2015. Die Gelegenheiten, bei einem erfolgreichen Start-up einzusteigen, sind rar gesät. Und so schien das, was der Online-Sender „Wirtschaft TV“ im vergangenen Frühjahr ankündigte, sehr attraktiv. Der Online-Dienst, der zahlreiche deutsche Portale wie Arcor, Yahoo Finance, Bilanz oder Focus Online mit Videoinhalten beliefert, berichtete über den geplanten Börsengang der Value Invest AG aus Göttingen. „Die Firma ist auf Markenmanagement spezialisiert und konnte unter anderem Boris Becker als Markenbotschafter gewinnen“, verriet der Moderator.
Was das Video verschwieg: Der Vorstand der Value Invest war vorbestraft. Peter Schmidt (47) wurde im März 2015 auf Bewährung verurteilt. Gewerbsmäßiger Betrug in zwei Fällen. Schmidt hatte laut Staatsanwaltschaft Göttingen das Geld seiner Anleger verwendet, um ein überzogenes Konto auszugleichen und Steuerberater, Zinsen oder Löhne zu bezahlen. Und jetzt wollte er an die Börse.
Schmidt könnte auch Meier oder Müller heißen. Es sind Männer wie er, die dem Grauen Kapitalmarkt seinen schlechten Ruf eingebracht haben, die Anleger täuschen, und insgesamt alljährlich Milliarden verschwinden lassen. In einem Markt, der trotz aller Gesetzesnovellen von der Finanzaufsicht Bafin nur lückenhaft überwacht ist. Viel zu viele Menschen fallen auf selbst ernannte Vermögensverwalter herein, die vornehmlich ihren eigenen Kontostand pflegen. Das Bundeskriminalamt bezifferte den Schaden durch Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Kapitalanlagen 2014 auf 525 Millionen Euro. Das waren 60 Prozent mehr als im Jahr zuvor.