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  5. S&K-Gründer legen Geständnisse ab: Deal besiegelt

S&K-ProzessDeal, Reue, Neuanfang

Knapp anderthalb Jahre nach Beginn der S&K-Verhandlung hat das Landgericht Frankfurt mit den Firmengründern einen Deal geschlossen. Sie haben ihre Untreuetaten gestanden, schon bald könnte das Verfahren beendet sein.Katharina Schneider 14.03.2017 - 17:00 Uhr Artikel anhören

Einem Angeklagten werden die Handschellen abgenommen – schon im Sommer könnte er wieder auf freiem Fuß sein.

Foto: dpa

Frankfurt. Stephan Schäfer hat genug von der Immobilienbranche. Vor dem Frankfurter Landgericht hat der Gründer der Frankfurter Immobiliengruppe S&K am Dienstag nicht nur ein Geständnis abgelegt, sondern auch gleich einen Ausblick auf sein Leben nach der Haft gegeben: Er will ins Management eines Fitnessstudios einsteigen und seine Leidenschaft für den Kraftsport zum Beruf machen. Außerdem will er seine langjährige Verlobte heiraten. Auch sein Kompagnon Jonas Köller hat bereits Pläne, er will sein abgebrochenes BWL-Studium wieder aufnehmen. Lange müssen sich die beiden vermutlich nicht mehr gedulden, schon in wenigen Wochen könnte das Verfahren beendet sein, auch eine Haftentlassung rückt in greifbare Nähe.

Die Geständnisse von Schäfer und Köller sind Teil eines Deals, den sie mit den Staatsanwälten und Richtern geschlossen haben. Vor zwei Jahren waren sie mit vier weiteren Männern wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und ebensolcher Untreue beziehungsweise Beihilfe dazu angeklagt worden. Mit einem verschachtelten Firmen- und Beteiligungssystem sollen sie etwa 11.000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben. Inzwischen wurde an mehr als hundert Tagen verhandelt. „Alles aufzuarbeiten würde noch Jahre dauern“, sagte Oberstaatsanwalt Noah Krüger dem Handelsblatt. Um das Verfahren zu beschleunigen schlug er Ende vergangenen Jahres Verständigungsgespräche vor und bot an, die Anklage zu begrenzen.

Seitdem geht alles ganz schnell. Die Angeklagten haben zunächst mit der Staatsanwaltschaft und dann auch mit den Richtern gesprochen. Im Eiltempo wurden in den vergangenen Wochen Zeugen und Gutachter befragt und Mitschnitte aus Telefonaten angehört. Zuvor war das Verfahren nur stockend vorangekommen. Das lag an der mit 3150 Seiten extrem umfassenden Anklageschrift, einer rund 1000 Ordner umfassenden Ermittlungsakte, aber auch an den zahllosen Befangenheits- und Beweisanträgen der Verteidiger.
Im Zuge der am Dienstag geschlossenen Deals wurden die Betrugsvorwürfe fallengelassen, jetzt geht es nur noch um Untreue. Auch der Strafrahmen wurde begrenzt. Stephan Schäfer und Jonas Köller drohen maximal neuneinhalb Jahre Haft.

Seit mehr als vier Jahren sitzen sie schon in Untersuchungshaft, würde die verbleibende Strafe auf Bewährung ausgesetzt, wären sie schon bald frei. Als Gegenleistung folgten die Geständnisse. Schäfer hatte sich bisher noch nie geäußert und ließ seine siebenseitige Einlassung von seinem Anwalt vorlesen. Anschließende Fragen beantwortete er persönlich – war jedoch kurz angebunden und konnte sich an vieles nicht erinnern. Durch „Ungeduld und Rücksichtlosigkeit“ habe er vielen Menschen Schaden zugefügt. Bei privaten Geldentnahmen habe er schon befürchtet, Untreue zu begehen, doch er nahm das in Kauf.

S&K in Zahlen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen die S&K-Gründer und ihre Komplizen Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.
Die S&K-Unternehmensgruppe verfolgte unterschiedliche Geschäftsmodelle. Beispielsweise wurden geschlossene Fonds aufgelegt und Rückzahlungsansprüche von Lebensversicherungskunden erworben. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt sollen rund 11.000 Anleger geschädigt worden sein.
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Frankfurt umfasst 3150 Seiten. Darin wurden sieben Personen angeschuldigt. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt und Notar Igor P. wurde vom Landgericht Frankfurt jedoch abgetrennt.
Nach Angaben hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt wurden bei den Ermittlungen 2200 Bankkonten ausgewertet.
Zu Beginn der Hauptverhandlung muss ein Teil der Anklageschrift verlesen werden. Dieser sogenannte Anklagesatz umfasst rund 1774 Seiten.
Am 19. Februar 2013 waren 1200 Ermittlungsbeamte und 15 Staatsanwälte zu einer deutschlandweiten Razzia gegen die S&K Unternehmensgruppe und verbundene Unternehmen ausgerückt.
Zur S&K-Gruppe sollen 150 verbundene Unternehmen gehört haben.
Bei Eröffnung der Hauptverhandlung hat die 28. Große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Frankfurt zunächst 50 Verhandlungstage angesetzt.
Laut Aushang am ersten Verhandlungstag werden die sechs Angeklagten insgesamt von 22 Anwälten vertreten.
An der Hauptverhandlung nehmen neun Richter teil: drei Berufsrichter – der Vorsitzende und zwei beisitzende Berufsrichterinnen – sowie zwei Schöffen (Laienrichter). Zudem sind zwei weitere Berufsrichter als sogenannte Ergänzungsrichter und zwei weitere Schöffen als Ergänzungsschöffen vor Ort.
Auf der Anklagebank sitzen die beiden S&K-Gründer Stephan Schäfer und Jonas Köller und vier weitere Beteiligte: Der ehemalige leitende S&K-Angestellte Marc-Christian S., der Unternehmer Daniel F. sowie Hauke B. und Thomas G., ehemals Geschäftsführer des Hamburger Fondsemissionshauses United Investors.

Auch zu seinem persönlichen Hintergrund machte Schäfer Angaben: Er habe eine „normale, behütete Kindheit“ gehabt, als er 13 war, hätten sich seine Eltern getrennt, später lebte er bei seinem Vater, zog dort aber mit 18 Jahren aus. Die Schule habe er mit 16 Jahren verlassen, danach eine Maurerlehre begonnen, diese aber im zweiten Lehrjahr abgebrochen. Mehr Erfolg habe er dann mit einem eigenen Sonnenstudio und einem Online-Handel für Bekleidung gehabt. Auch ins Immobiliengeschäft schnupperte er bereits hinein. Dort startete er aber erst richtig durch, als er Jonas Köller kennenlernte. Das Wissen darüber habe er sich „in der Praxis“ angeeignet, so Schäfer. Er habe keine Kurse besucht oder Bücher gelesen.

Köller betonte zu Beginn seines Geständnisses, dass er die Erklärung „aus freien Stücken“ abgebe. Falls durch seine bisherigen Aussagen der Eindruck entstanden sei, es fehle im an Unrechtsbewusstsein, so sei das falsch. Er zeigte sich ebenfalls reuig: „Mittlerweile erachte ich das Geschäftsmodell, auf Kosten übernommener Unternehmen Gewinne zu machen, als schäbig und kann mich nicht mehr damit identifizieren.“ Er könne nicht nachvollziehen, wie er „so dumm und gierig“ sein konnte. Es tue ihnen leid und sie seien bereit, die volle Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, sagten sowohl Schäfer als auch Köller. Genau das wollten Richter und Staatsanwälte wohl hören.

Weniger überzeugend kam das Geständnis von Marc-Christian S. rüber. Der ehemalige S&K-Geschäftspartner hatte ebenfalls einen Deal mit dem Gericht geschlossen und bekam eine Haftstrafe von sechs bis sieben Jahren in Aussicht gestellt. In seiner Einlassung fasste er sich extrem kurz. Zwar kam auch von ihm eine Entschuldigung und er „bereue, das Interesse der Anleger nicht vertreten und Nachteile für diese in Kauf genommen“ zu haben. Wie genau er das tat, führte er aber nicht aus. Die Folge: Richter und Staatsanwälte baten um Nachbesserung, bisher entspreche seine Einlassung nicht dem, was für ein Zustandekommen des Deals verlangt würde.

Schon an diesem Mittwoch hat S. Gelegenheit für einen neuen Versuch. Dann wird sich auch Thomas G. äußern, der ebenfalls einen Deal geschlossen und bereits im vergangenen Jahr ein Geständnis abgelegt hatte, das ihm damals schon die Entlassung aus der Untersuchungshaft bescherte. Allein der Angeklagte Daniel F., gegen den aktuell noch ein weiteres Verfahren in München läuft, hat seine Absichtserklärung für einen Deal zurückgezogen.

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