Votum: Verbotsdiskussion: Wird KI die neue Gentechnik?
Die EU-Kommission will Künstliche Intelligenz (KI) regulieren.
Foto: dpaMünchen. Die EU-Pläne einer Verordnung zu Künstlicher Intelligenz (KI) fallen durch ihre integrierten Verbote auf. In Risikocluster gestaffelt definiert die KI-Verordnung bestimmte „Hochrisiko-KI“, die sie generell als unzulässig betrachtet.
Dies wird unweigerlich zu einer Deglobalisierung, ja Fragmentierung des KI-Marktes führen. Denn manche der als Hochrisiko-KI verfemten KI sind für China prioritäre Entwicklungsziele.
Nun ist rechtspolitisch unbestritten, dass ein Gesetzgeber steuern und verbieten darf. Die gesellschaftliche, ethische und juristische Debatte über KI ist indes noch in vollem Gange.
Die weltweit erstmalige Verbots-Regulierung einer KI wäre ein frühes starkes Signal. Doch wäre es wirklich das richtige Signal? Man fühlt sich erinnert: Auch das Gentechnik-Gesetz wollte nicht regulieren, sondern strangulieren.
Heute, knapp 30 Jahre später, darf man die Frage stellen, inwieweit hysterisch überreagiert und die medizinischen wie agrartechnologischen Gentechnik-Erfolge anderswo errungen und vermarktet wurden.
Sich stürmisch entwickelnde Technologie
Das sollte industriepolitisch als mahnendes Beispiel denjenigen dienen, die auch jetzt wieder, einer jungen, sich stürmisch weiterentwickelnden Technologie mit der radikalsten denkbaren Maßnahme begegnen wollen: nämlich dem Verbot.
Vielleicht wäre es zur Deeskalation der erregten Diskussion von Vorteil, wenn wir KI demaskieren als das, was sie ist: ein Hochleistungs-Algorithmus.
Professor Thomas Klindt ist Partner der Kanzlei Noerr und Autor bei der Fachzeitschrift „Betriebs-Berater“. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift.