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Private KrankenversicherungWas Ihnen der Vertreter nicht sagt

Ob Zinsen, Beiträge oder Kosten – viele Informationen über private Krankenversicherungen erhalten Verbraucher gar nicht. Manches hält die Regierung geheim, anderes interessiert sie nicht. Die zehn Geheimnisse der PKV.Thomas Schmitt 13.02.2013 - 10:24 Uhr Artikel anhören

Der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Linke) stellte der Regierung 28 Fragen zur privaten Krankenversicherung (PKV). Die Antworten sind dürftig.

Fotoquelle: Weinberg

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (Linke) ist alarmiert. Er erhält viele Briefe und E-Mails von älteren Privatpatienten, die sich ihre private Krankenversicherung (PKV) nicht mehr leisten können. Viele Wechsler können nicht mehr zurück und klagen nun, sie seien sich der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst gewesen.

Genauso wie die Kunden weiß auch der Gesundheitsexperte zu wenig über die PKV, in der rund neun Millionen Deutsche voll krankenversichert sind, darunter viele Beamte und gut verdienende Angestellte. Die Masse der Deutschen, rund 70 Millionen, ist hingegen gesetzlich versichert bei den Krankenkassen.

Weinberg stellte der Regierung 28 Fragen, um wichtige Wissenslücken zu schließen. Schließlich seien steigende Beiträge, sinkende Zinsen und die stetig steigenden Kosten im Gesundheitswesen große Herausforderungen für die Branche. Doch die Antworten der Regierung haben ihn ernüchtert: „Die Bundesregierung schützt die PKV, wo sie nur kann“, urteilt er.

Der Grund für das harsche Urteil: Auf einen Teil seiner Fragen hat die Regierung nur recht allgemein geantwortet. In anderen Bereichen weiß die Regierung überraschend wenig oder gar nicht Bescheid. Bei einem Teil der Fragen verweigerte sie sogar schlicht die Auskunft.

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Der Grund für die Datenverweigerung: Die angefragten Informationen gebe es zwar zum Teil, doch sie müssten geheim gehalten werden. Meist führt die Regierung als Begründung dafür die Konkurrenzsituation unter den privaten Versicherern an. Dafür gibt es zwar eine gesetzliche Grundlage, den Paragraphen 84 des VAG (Versicherungsaufsichtsgesetz). Doch das ist eine Regel, die Weinberg für fragwürdig hält und die geändert werden sollte, zumal ein Teil der angeblich geheimen Informationen ohnehin in der Branche kursiert.

Auch andere Branchenexperten wie Manfred Poweleit beklagen regelmäßig die „Datenverweigerer“ in der PKV-Branche. So beteiligten sich am letzten Rating seines Map-Report nur 17 der 48 privaten Krankenversicherer, also weniger als die Hälfte der Anbieter. Immerhin kamen zwei Krankenversicherer hinzu, die sich bisher nicht an seinem Rating beteiligt hatten.

Alle Analysten in der Branche haben das Problem, dass die Versicherer nicht besonders auskunftsfreudig sind, ein verlässlicher Marktüberblick also schwierig ist. Und wenn sie sich doch Experten öffnen, verlangen sie oft, dass brisante Informationen geheim bleiben.

Die Beitragsspirale in der PKV
Die Beitragssteigerung in der PKV ist umstritten. Das Problem: Es gibt keine verlässlichen Zahlen der Branche. Ein Überblick über verschiedene Berechnungen von Experten.
Die Ergebnisse hängen von den Berechnungsmethoden ab. Wichtig: In den meisten Fällen handelt es sich um Durchschnitte, die natürlich sowohl nach oben wie nach oben vom Mittelwert abweichen können.
Angestellte bezahlen eher überdurchschnittlich mehr, Beamte eher unterdurchschnittlich.
Laut Morgen & Morgen stiegen die Beiträge für Neuverträge 2012 um 4,4 Prozent. Männer zahlen überproportional mehr:2006: 4,54%2007: 4,91%2008: 4,55%2009: 5,37%2010: 5,62%2011: 5,67%2012: 5,24%
Bei weiblichen Versicherten fallen die Steigerungen in diesem Jahr deutlich niedriger aus.2006: 3,87 %2007: 4,29 %2008: 3,46 %2009: 3,94 %2010: 4,20 %2011: 4,29 %2012: 3,87 %
Schnitt über 12 Jahre: 4,1 Prozent2012: 1,98%2011: 4,95%2010: 6,97%2009: 1,23%2008: 2,71%2007: 4,89%2006: 3,37%2005: 2,77%2004: 6,86%2003: 5,28%2002: 4,51%2001: 3,65%
Schnitt über sechs Jahre: 4,18 ProzentSchnitt Angestellte: 4,8 Prozent2011: 4,17%2010: 6,75%2009: 2,23%2008: 3,72%2007: 2,74%2006: 5,46%
Schnitt über fünf Jahre: 2,88 Prozent2010: Prämie: 2706,10 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,67%2009: Prämie: 2560,94 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,54%2008: Prämie: 2522,20 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 1,66%2007: Prämie: 2480,91 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,69%2006: Prämie: 2415,99 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,87%Quelle: Zahlenbericht der PKV
Schnitt über zehn Jahre: 4 Prozent2005: Prämie: 2348,64 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,60%2004: Prämie: 2289,15 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,95%2003: Prämie: 2160,60 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 7,73%2002: Prämie: 2005,53 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 5,32%2001: Prämie: 1904,22 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 4,00%
Schnitt über 15 Jahre: 3,73 Prozent2000: Prämie: 1831,05 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,55%1999: Prämie: 1768,28 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,67%1998: Prämie: 1705,69 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 3,07%1997: Prämie: 1654,88 Euro; Veränderung zum Vorjahr: 2,32%1996: Prämie: 1617,42 Euro: Veränderung zum Vorjahr: 3,27%
Schnitt: 2,2 Prozent

Auch wenn die Reaktion der Bundesregierung auf die Fragen von Weinberg unbefriedigend ist, so zeigen die Antworten dennoch, wo es hakt. Denn die Regierung offenbart durch ihr Schweigen, was die Branche nicht preisgeben möchte und Privatpatienten lieber nicht wissen sollten. Es geht dabei in den meisten Fällen um Informationen, die es Kunden und auch Beratern erleichtern würde, die Angebote der privaten Krankenversicherer besser zu vergleichen und zu beurteilen.

Die zehn Geheimnisse der PKV und was dahinter steckt.

 

Der PKV-Rechnungszins: Bedeutung, Entwicklung und Streit
Im Zuge der Finanzkrise ist schon öfter über eine Absenkung des Rechnungszinses in der PKV spekuliert worden. Der Grund: Die privaten Krankenversicherer verzinsen ihre Altersrückstellungen mit 3,5 Prozent. Die Rendite für Bundesanleihen liegt deutlich darunter.
Die Kapitaldeckung in der PKV ruht auf drei Säulen- den Alterungsrückstellungen, die mit der Prämie gezahlt werden und die mit 3,5 Prozent verzinst werden;- den Zinserträgen, die der Versicherer über die Mindestverzinsung hinaus am Kapitalmarkt erwirtschaftet und zum größten Teil den Kunden gutschreibt;- einem zehnprozentigen Zuschlag, der separat angelegt wird und der Beitragssteigerungen im Alter abfedern soll.
Insgesamt haben die PKV-Versicherten inzwischen mehr als 170 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen angespart. Davon entfällt die Masse (mehr als 146 Milliarden Euro) auf die Krankenversicherung und der kleinere Teil (mehr als 24 Milliarden Euro) auf die Pflegeversicherung.
In der PKV werden generell von allen über den Rechnungszins hinausgehenden Kapitalerträgen (Überzins) 90 Prozent den Versicherten gutgeschrieben. Zudem sind 80 Prozent des Rohüberschusses der Unternehmen der Rückstellung für Beitragsrückerstattung zuzuführen.
Seit Januar 2000 wird für Neukunden in der Privaten Krankenversicherung vom 22. bis zum 61. Lebensjahr ein sogenannter 10-Prozent-Zuschlag berechnet. § 12a Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) besagt: Die Zinserträge der Unternehmen, die über den jeweils geltenden Rechnungszins (überwiegend 3,5 Prozent) hinausgehen, kommen zu 90 Prozent den Versicherten zugute. Hiervon ist ein Teil für die über 65-jährigen Versicherten bestimmt. Dieses Geld ist innerhalb von drei Jahren zur Vermeidung oder Begrenzung von Prämienerhöhungen oder zur Prämienermäßigung zu verwenden, heißt es im Zahlenbericht des PKV-Verbandes.
Der Rechnungszins in der PKV ist seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gesenkt worden. Damit bewiesen die Krankenversicherer eine größere Stabilität als die Lebensversicherer, deren Garantiezins zuletzt von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent gesenkt worden war, zeitweise aber auch schon bei vier Prozent lag.
Die private Krankenversicherungsbranche hat im Jahr 2009 eine Nettoverzinsung von 4,27 Prozent erreicht. Die gut 40 Unternehmen lagen also deutlich über dem Rechnungszins von 3,5 Prozent.
Die Alterungsrückstellungen für die Versicherten erhöhten sich bis Ende 2010 um 8,7 Prozent auf gut 158 Milliarden Euro. Mit einer Nettoverzinsung von 4,23 Prozent habe die Branche den Rechnungszins von 3,5 Prozent sicher bedient, erklärte der Verband.
In den Unterlagen des PKV-Verbandes finden sich keine Angaben darüber, wie sich der Rechnungszins im Jahre 2011 entwickelt hat. Die FTD berichtete: Die Branche habe zurzeit keine Probleme, die 3,5 Prozent zu verdienen, wie PKV-Verbandsvorsitzender Reinhold Schulte sagt. Er ist auch Vorstandschef der Signal Iduna. 2011 seien es im Schnitt rund vier Prozent gewesen.
Im Oktober 2010 erklärte der PKV-Verband: „Es gibt keine Überlegungen des PKV-Verbandes, den in der Kalkulationsverordnung festgelegten Höchstrechnungszins zu senken. Wir haben auch keinerlei Hinweise, dass die dafür zuständige Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) etwa beabsichtigen würde, den Rechnungszins in der Kalkulationsverordnung abzusenken.
Die Allianz Private Krankenversicherung plädierte 2011 nach einem Bericht der Ärzte Zeitung für eine allgemeine Absenkung des Rechnungszinses in der privaten Krankenversicherung (PKV). Das liege im Interesse der Kunden und deshalb der gesamten Branche, sagte Vorstand Christian Molt bei der Fachkreistagung Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte in Köln. "Eine moderate Absenkung des Rechnungszinses wäre sinnvoll. Wir sollten diesen Weg in der Branche gehen."
Der Rechnungszins für die Alterungsrückstellungen, der seit Jahren bei 3,5 Prozent liegt, ist von vielen Anbietern gesenkt worden, aber nur für neue Verträge. Ab 2014 sind auch Altkunden betroffen.

Die private Krankenversicherung leidet genauso wie die Lebensversicherung unter den sinkenden Zinsen, allerdings wirkt der Zinsrückgang hier anders. In der PKV zahlen die Versicherten Prämien, von denen ein Teil am Kapitalmarkt angelegt wird. So wird ein Kapitalstock aufgebaut, der im Alter dafür eingesetzt werden soll, das Prämienniveau erträglich zu halten.

Diese Altersrückstellungen wurden bisher jahrzehntelang fast durchweg in der Branche mit dem Zinssatz von 3,5 Prozent verzinst. Auch in den vergangenen Jahren ist es den meisten Unternehmen – zumindest im mehrjährigen Durchschnitt – noch gelungen, diese Rendite zu erwirtschaften. Doch angesichts des Zinsverfalls hat die Branche immer mehr Schwierigkeiten, den zugesagten Rechnungszins zu erwirtschaften.

Warum die Prämien in der PKV steigen müssen
Die PKV verfügt weit über 150 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen. Mit dem Geld soll der Beitragsanstieg im Alter gedämpft werden. Die Summe entspreche etwa 15.000 Euro je Versicherten und deckt nach Berechnung der AOK-Studie nur rund 600 Euro Mehrausgaben pro Jahr je Versicherten ab – für Senioren ab dem 65. Lebensjahr.
„Ohne Ausgleich durch Prämienanpassung fehlen der PKV laut Modellrechnung je Versicherten etwa 2.700 Euro pro Jahr an Altersrückstellungen.“ Um den prognostizierten Fehlbetrag auszugleichen, seien etwa 4 Prozent Prämiensteigerungen pro Jahr notwendig
Die AOK bilde keinerlei Vorsorge für die steigende Lebenserwartung und die steigenden Gesundheitsausgaben ihrer Versicherten, reagierte der PKV-Verband auf die These. Angesichts der kapitalgedeckten Vorsorge sei es „schon dreist, dass die AOK Spekulationen über zukünftige Kosten des System-Wettbewerbers anstellt“.
Hauptgrund für steigende Prämien sind die stark steigenden Kosten im Gesundheitswesen. In der PKV spielen auch die Vertriebskosten eine große Rolle. Um neue Kunden zu finden, zahlen die Versicherer an ihre Vermittler hohe Provisionen.
Die AOK-Studie kalkuliert die Kosten für den medizinischen Fortschritt so: Die Ausgaben für Leistungen an die Versicherten steigen pro Jahr um 4,4 Prozent. Das entspricht über 51 Jahre einer Steigerung von 900 Prozent. Die dafür notwendigen zusätzlichen Alterungsrückstellungen beliefen sich auf etwa 1.670 Euro pro Versicherte je Jahr
Die Lebenserwartung der Krankenversicherten dürfte weiter steigen. Die AOK-Studie geht davon aus, dass die Lebenserwartung in 40 Jahren 7 Jahre höher ist. Dies entspreche zusätzlichen rund 200 Euro pro Versicherten je Jahr.
Die Zinsen sind niedrig und könnten niedrig bleiben. Derzeit kalkuliert die PKV noch mit einem Rechnungszins, der meist 3,5 Prozent beträgt. Realistischer wären 2,5 Prozent, nimmt die AOK-Studie an. Das entspreche rund 30 Euro pro Versicherten je Jahr an zusätzlichen Kosten.
Wenn die Alterungsrückstellungen mit niedrigeren Zinsen kalkuliert würden, entgingen der PKV Zinsen. Diesen Effekt kalkuliert die AOK-Studie mit rund 800 Euro je Versicherten und Jahr.

Schafft ein Unternehmen die Marke jedoch nicht mehr, wirkt im Gegensatz zur Lebensversicherung ein verhängnisvoller Mechanismus: Wenn die Verzinsung der Beiträge herabgesenkt wird, muss die Prämie im Gegenzug steigen. Auf die ohnehin fällige Steigerungsrate aufgrund der Kostensteigerung im Gesundheitswesen käme dieser Effekt noch obendrauf. Deshalb versuchen die Versicherer, solch einen Schritt so lange wie möglich hinaus zu zögern. Oder wenn es doch unvermeidlich geworden ist, dann reden sie nicht darüber.

Interessant ist, wie sich aus der Antwort der Regierung ergibt: 13 der 48 PKV-Unternehmen haben bereits 2011 den geltenden Rechnungszins von 3,5 Prozent nicht erreicht. Sechs davon bieten Vollversicherungen an, sieben nur Zusatzversicherungen.

Statt 3,5 Prozent schlagen nun manche Versicherer bloß noch 3,0 Prozent Zinsen auf die Altersrückstellungen. Dies gilt für die Altkunden.

Für Kunden, die nun neu geworben werden, sieht die Situation noch ein wenig schlechter aus. Manche Unternehmen kalkulieren hier bereits mit Werten von 2,5 Prozent, viele mit 2,75 Prozent – so wie es die Versicherungsmathematiker der Branche empfohlen haben.

Fazit: Beim wichtigen Rechnungszins ist ein buntes Durcheinander entstanden. Mit der Folge: Keiner blickt mehr durch, welcher Versicherer seine Altersrückstellungen mit welchem Satz berechnet. Für Privatpatienten ist es jedoch enorm wichtig, dies zu wissen. Schließlich geht es um die Frage: Wie viel Geld steht denn im Alter für die Dämpfung des Beitragsanstiegs zur Verfügung? Je höher die Rückstellungen verzinst werden, um so mehr Kapital kann sich ansammeln.  

Die Beitragsspirale in der GKV
Schnitt über fünf Jahre: 3,27 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut2012: Beitragssteigerung: 3,03%; Höchster Beitrag: 592,88 Euro2011: Beitragssteigerung: 2,99%; Höchster Beitrag: 575,44 Euro2010: Beitragssteigerung: -1,91%; Höchster Beitrag: 558,75 Euro2009: Beitragssteigerung: 6,20%; Höchster Beitrag: 569,63 Euro2008: Beitragssteigerung: 6,03%; Höchster Beitrag: 536,4 Euro
Schnitt über zehn Jahre: 2,7 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut2007: Beitragssteigerung: 0,00%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro2006: Beitragssteigerung: 0,36%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro2005: Beitragssteigerung: 1,07%; Höchster Beitrag: 504,08 Euro2004: Beitragssteigerung: 3,25%; Höchster Beitrag: 498,72 Euro2003: Beitragssteigerung: 6,01%; Höchster Beitrag: 483 Euro
Schnitt über 15 Jahre: 2,28 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut2002: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 455,62 Euro2001: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 450,38 Euro2000: Beitragssteigerung: 0,43%; Höchster Beitrag: 445,21 Euro1999: Beitragssteigerung: 1,19%; Höchster Beitrag: 443,29 Euro1998: Beitragssteigerung: 3,20%; Höchster Beitrag: 438,07 Euro
Schnitt über 20 Jahre: 3 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut1997: Beitragssteigerung: 2,50%; Höchster Beitrag: 424,5 Euro1996: Beitragssteigerung: 4,90%; Höchster Beitrag: 414,15 Euro1995: Beitragssteigerung: 2,63%; Höchster Beitrag: 394,82 Euro1994: Beitragssteigerung: 3,98%; Höchster Beitrag: 384,7 Euro1993: Beitragssteigerung: 11,72%; Höchster Beitrag: 369,97 Euro
Schnitt über 25 Jahre: 3,18 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut1992: Beitragssteigerung: 8,90%; Höchster Beitrag: 331,16 Euro1991: Beitragssteigerung: 0,70%; Höchster Beitrag: 304,09 Euro1990: Beitragssteigerung: 0,08%; Höchster Beitrag: 01,98 Euro1989: Beitragssteigerung: 1,67%; Höchster Beitrag: 301,75 Euro1988: Beitragssteigerung: 7,77%; Höchster Beitrag: 296,8 Euro
Schnitt über 30 Jahre: 3,48 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut1987: Beitragssteigerung: 5,12%; Höchster Beitrag: 275,41 Euro1986: Beitragssteigerung: 7,22%; Höchster Beitrag: 261,99 Euro1985: Beitragssteigerung: 7,49%; Höchster Beitrag: 244,35 Euro1984: Beitragssteigerung: 0,47%; Höchster Beitrag: 227,32 Euro1983: Beitragssteigerung: 4,61%; Höchster Beitrag: 226,25 Euro
Schnitt über 35 Jahre: 4,08 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut1982: Beitragssteigerung: 8,63%; Höchster Beitrag: 216,28 Euro1981: Beitragssteigerung: 6,61%; Höchster Beitrag: 99,1 Euro1980: Beitragssteigerung: 7,74%; Höchster Beitrag: 186,75 Euro1979: Beitragssteigerung: 7,16%; Höchster Beitrag: 173,33 Euro1978: Beitragssteigerung: 8,83%; Höchster Beitrag: 161,75 Euro
Schnitt über 40 Jahre: 5,72 ProzentGKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut1977: Beitragssteigerung: 10,65%; Höchster Beitrag: 148,63 Euro1976: Beitragssteigerung: 19,15%; Höchster Beitrag: 134,33 Euro1975: Beitragssteigerung: 23,78%; Höchster Beitrag: 112,74 Euro1974: Beitragssteigerung: 12,25%; Höchster Beitrag: 91,08 Euro1973: Beitragssteigerung: 19,96%; Höchster Beitrag: 81,14 Euro

Bisher war die Höhe des Rechnungszinses kein Problem, weil die Branche grundsätzlich mit 3,5 Prozent rechnete. Seit dies nicht mehr der Fall ist, wird der Rechnungszins zum Wettbewerbsfaktor, den Kunden – und vor allem auch Analysten – kennen sollten. Sonst kann kein vernünftiges Urteil über einen Versicherer und dessen Tarife gefällt werden.  

 

Tricks in der PKV

So überlisten Versicherer ihre Kunden

Die Beiträge in der PKV steigen im Laufe der Jahre relativ stark. Wichtige Gründe für immer wieder feststellbare Anpassungen sind die Kostensteigerung im Gesundheitswesen oder auch hohe Ausgaben für Leistungen an Kranke. Beitragserhöhungen sind zudem die Kehrseite sinkender Zinsen für Altersrückstellungen. Da der Beitrag im Alter niedrig sein soll, muss die Prämie steigen, wenn der Versicherer weniger Zinsen erwirtschaften kann.

Tipps für preissensible PKV-Kunden
Die Motivation, Geld einzusparen, sollte bei der Entscheidung für eine private Krankenversicherung (PKV) nicht die Hauptrolle spielen.Quelle: Franke & Bornberg
Wer sich neu für eine private Krankenversicherung entscheidet, sollte das unter dem Leistungsgesichtspunkt tun und dabei höchstens für einen zeitlich eng umrissenen Übergangszeitraum einen Einsteigertarif in Erwägung ziehen.
Schildern Sie Ihrem Berater Ihre Anforderungen und Vorstellungen für die passende Krankenversicherung. Diese Vorstellungen und auch die Gründe, die gegebenenfalls für die Wahl eines Einsteigertarifes sprechen sollten Sie am besten schriftlich festhalten.
Lassen Sie sich genau aufzeigen, mit welchen Leistungseinschränkungen gegenüber der GKV und den „normalen“ PKV-Tarifen Sie bei der Wahl des Einsteigertarifes rechnen müssen.
Lassen Sie sich an verschiedenen Beispielen erläutern, wie sich die Wahl eines Einsteigertarifes auswirkt, zum Beispiel bei einer schweren Erkrankung oder bei Zahnersatz-Behandlungen.
Lassen Sie sich als Vergleichsmöglichkeit ein alternatives Angebot mit einem „echten“ PKV-Tarif machen.
Wenn Sie sich für einen Einsteiger-Tarif entscheiden: Wählen Sie nur einen Tarif, bei dem eine Option zur Umstellung auf einen „normalen“ PKV-Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung möglich ist. Lassen Sie sich über die Modalitäten zur Umstellung und die möglichen Zeitpunkte umfassend aufklären.
Auch wenn eine Umstellung in einen höherwertigen Tarif zunächst teurer wird: Auf lange Sicht fahren Sie mir einem beitragsstabileren Tarif wesentlich besser und profitieren natürlich zusätzlich vom höheren Erstattungsniveau. Auch wenn Sie keine Wechseloption geltend machen können: Bitten Sie Ihren Versicherer, Ihnen ein Angebot für einen „echten PKV-Tarif“ zu erstellen.

Um welche Beträge es allein beim Thema Rechnungszins annähernd geht, zeigt ein Beispiel der Aktuare für den Branchenprimus Debeka. Wenn bei der Debeka der Rechnungszins von 3,5 auf 3,0 Prozent gesenkt würde, hätte dies für einen 30 Jahre alten Privatpatienten Beitragssteigerungen von 3,7 bis 7 Prozent zur Folge. Jüngere Versicherer seien grundsätzlich stärker betroffen als ältere, glaubt auch die Bundesregierung.

Insgesamt sieben Unternehmen hat die Finanzaufsicht Bafin bereits zu einer neuen Kalkulation gezwungen. Das heißt: Der generelle Rechnungszins von 3,5 Prozent ist nicht nur bei Neukunden, sondern auch bei Altkunden schon gefallen. Bis zu 280.000 Versicherte könnten davon betroffen sein, schätzt die Regierung. Die Folge für diese Privatpatienten: Ihre Beiträge dürften steigen, wissen sie aber auch warum? 

Wer beim Wechsel in die GKV hilft
Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.
Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht
Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema
Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.
Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice
Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.
Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.
Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.
In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

Im Gegensatz zur Lebensversicherung existiere in der Krankenversicherung kein Garantiezins, stellt Weinberg fest: „Umso wichtiger wäre es, wenn die Kunden die Namen der Gesellschaften kennen dürften, die nur niedrige Zinsen erwirtschaften.“

Dies dürfe aber gemäß § 84 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) nicht mitgeteilt werden, urteilt die Regierung in mehreren Antworten auf die Weinberg-Anfrage. „Unseres Erachtens wäre hier eine Änderung zu prüfen, die aber von der Bundesregierung implizit abgelehnt wird.“

Weinbergs Fazit: „Die Zinsen sinken, die Beiträge steigen. Das gilt für alle Versicherungen. Aber es gibt Unterschiede zwischen den Unternehmen. Die Versicherten sollen dies aber nicht erfahren. Von Transparenz als Grundbedingung für einen fairen Wettbewerb, der angeblich im PKV-Markt herrscht, ist da nichts zu sehen.“

 

Was Verkäufer in der Finanzbranche verdienen
Die folgenden Euro-Beträge für verschiedene Produkte von Versicherungen, Banken, Bausparkassen und Fonds wurden anhand üblicher Provisionssätze und marktgängiger Anlagesummen berechnet. Die Rangliste liefert einen Anhaltspunkt über die Bedeutung der jeweiligen Provisionsart für Vermittler. Quelle: www.monero.de, Vermittler, Finanzunternehmen, eigene Berechnungen
Sachversicherung11,25 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Haftpflichtversicherung
Sachversicherung   45 Euro für einen 1-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Krankenzusatzversicherung90 Euro für eine Zahnzusatzversicherung
Sachversicherung200 Euro für einen Fünf-Jahresvertrag in der Hausratversicherung
Bausparvertrag325 Euro für einen Vertrag mit einer Bausparsumme von 25.000 Euro
Fondsanlage450 Euro für ein Investment mit einer Anlagesumme von 10.000 Euro
Lebensversicherung 1440 Euro für einen Vertrag mit einem Monatsbeitrag von 100 Euro, Laufzeit 30 Jahre
Immobilienfinanzierung1500 Euro für einen Vertrag mit einer Kreditsumme von 200.000 Euro
Krankenversicherung2100 Euro für eine PKV-Vollversicherung mit einem Monatsbeitrag von 350 Euro
Unternehmerische Beteiligungen3000 Euro für einen geschlossenen Fonds mit einer Anlagesumme von 30.000 Euro

Wie viel Geld die privaten Krankenversicherer für die Verwaltung ausgeben, ist höchst unterschiedlich. Das zeigen schon die Quoten, die von der Branche selbst oder von Analysten genannt werden. Allerdings ist das Niveau der Verwaltungskosten, die Berechnungsmethode sowie die mögliche Höhe zwischen Krankenkassen und Versicherern sehr umstritten.

So verdiente Mehmet Göker mit Provisionen Millionen
„Bericht zur ersten Gläubigerversammlungim Insolvenzverfahren MEG AGAmtsgericht Kassel Az. 661 IN 381/09vorgelegt vom InsolvenzverwalterDr. Fritz WesthelleRechtsanwaltFachanwalt für Insolvenz- und Arbeitsrecht“ Quelle: Insolvenzbericht
Mehmet Göker wurde am 2. April 1979 geboren. Die Ursprünge der MEG gehen auf ein Einzelunternehmen zurück, das durch nach seiner Ausbildung zum Versicherungskaufmann bei der DKV am 01.04.2003 gegründet wurde. Er firmierte unter der Bezeichnung “MEG Versicherungsspezialist e. K.“ und übte laut Handelsregistereintragung die Tätigkeit als Makler von Versicherungen und Bausparverträgen aus.
Das Geschäftsmodell war anfangs so: Die für Göker tätigen, selbständigen Vermittler erwarben Kundenkontakte bzw. Kundendaten („Leads“). Dabei handelt es sich um Kundendaten speziell aus den Bereichen Versicherungen, Finanzierungen und Geldanlagen, die von diesen Vertriebsagenturen insbesondere auf Internetplattformen generiert werden.Der jeweilige Mitarbeiter reichte den Antrag bei der MEG e. K. ein. Danach floss - je nach den vereinbarten Konditionen mit dem Versicherer - die Abschlussprovision an die MEG e. K. In der Regel verblieben zwischen 25 - 35 Prozent der Provision eines jeden Vertrages bei der MEG e. K.
Umsatzerlöse erstes Halbjahr 2003: gut 77.000 Euro, Gewinn: ca. 24.000 Euro.Bilanz für 2004: Umsatz von ca. 109.000 Euro. Tatsächlich beliefen sich die vereinnahmten Provisionen auf ca. 513.000 Euro. Die Differenz hängt damit zusammen, dass die Provision im Verkauf von privaten Krankenversicherungen erst nach Ablauf einer Stornofrist von 12 Monaten endgültig verdient ist. Die Gewinn- und Verlustrechnung ergab einen Fehlbetrag in Höhe von gut 98.000 Euro.
Bis Ende 2004 entwickelte sich das Geschäft der MEG e. K. positiv, zumal das Unternehmen gemessen an den Umsatzzahlen einen relativ geringen Kostenapparat hatte. Letztlich hielt jeder einzelne Vertriebsmitarbeiter den Kontakt zu dem Kunden und stand für Fragen zu dem jeweiligen Versicherungsvertrag zur Verfügung. Die MEG e. K. verfügte bereits in kurzer Zeit über eine feste Vertriebsstruktur. Es gab in der oberen Vertriebsebene einige Organisationsdirektoren, unter denen sich weitere Vertriebsmitarbeiter formierten, die zuvor von den Organisationsdirektoren angeworben wurden.
Ende 2005 verfügte die MEG e. K. über gut 40 selbständige Mitarbeiter. Der Führungsstab wurde um mehrere Organisationsdirektoren erweitert, die selbst mindestens drei bis sechs neue Vertriebsmitarbeiter anzuwerben hatten. Nach Auskunft eines ehemaligen Vertriebsmitarbeiters habe bereits zu dieser Zeit die Qualität der Vertragsabschlüsse gelitten, da auch ungelernte selbstständige Mitarbeiter angeworben wurden.
Im Jahr 2005 flossen Provisionen von ca. 2,6 Millionen Euro. Es wurde ein Gewinn von knapp 52.000 Euro errechnet, demgegenüber lagen die Entnahmen des Inhabers, saldiert mit den Einlagen, bei ca. 490.000 Euro. 2005 wurde erstmals ein gebrauchter Ferrari zum Kaufpreis von 77.900 Euro angeschafft. Insgesamt wurden in diesem Jahr für ca. 178.000 Euro Investitionen in den Fuhrpark vorgenommen.
Die MEG e. K. bot den Vertriebsmitarbeitern Ende 2005 / Anfang 2006 die Möglichkeit an, die Leads direkt über die MEG e. K. zu erwerben. Die Beratung und der Verkauf der Versicherungen erfolgte in der Regel per Telefon, so dass die Kosten bei den Vertriebsmitarbeitern im Rahmen gehalten werden konnten. Neben der Vertriebsstruktur versuchte die MEG e. K. daneben auch, eine eigene Betriebsstruktur aufzubauen für Nachbereitung und Verwaltung der abgeschlossenen Verträge aufzubauen.
Die MEG AG wurde am 13.07.2006 im Handelsregister des Amtsgerichts Kassel unter Nummer HRB 13995 eingetragen. Das Grundkapital betrug seinerzeit und bis zur Erstellung des Insolvenzberichts 50.000 Euro. Der Umsatz schnellt 2006 auf ca. 13,95 Millionen Euro hoch, vervielfacht sich also gegenüber den Einnahmen von 2,6 Millionen Euro im Vorjahr. Bei Gründung hatte die MEG AG ca. 40 Mitarbeiter, zum Jahresende 2006 waren über 150 Mitarbeiter beschäftigt. Von Ende 2007 bis Anfang 2008 gründete die Gesellschaft Zweigniederlassungen unter der glei-chen Firma in München, Bielefeld, Stuttgart, Würzburg, Hamburg und Cottbus. Später kamen noch hinzu Berlin, Düsseldorf-Ratingen, Frankfurt-Eschborn, Hannover, Lübeck und Mannheim. Geplant war die Eröffnung weiterer Standorte in Dortmund, Dresden, Frankfurt/Oder, Lüneburg und Nürnberg.
Der „Vertrieb“ war streng strukturiert und hierarchisch angelegt. Unterhalb des Vertriebsvorstandes waren Mitglieder des Vorstandes angesiedelt, die wiederum für eine bestimmte Zahl von Vertriebsdirektoren verantwortlich waren. Unterhalb der Vertriebsdirektoren waren „Orga-Direktoren“ angesiedelt, die eigene Vertriebstruppen von bis zu dreißig Vertriebsmitarbeitern führten. Die Entlohnung erfolgte von oben nach unten. Bei Abschluss eines Vertrages schüttet die jeweilige Versicherung bis zu 15 Monatsbeiträge als Abschlussprovision an die MEG AG aus. Durchschnittlich waren es ca. 14,43 Monatsbeiträge (bei Gewichtung der sechs sog. „Premium-Versicherungen“, mit denen die größten Umsätze erzielt wurden). Bei dem Vertriebsmitarbeiter, der für den Abschluss verantwortlich war, kamen hiervon bei selbständig Tätigen zwischen 6,5 und 8 Monatsbeiträgen an, bei angestellten Mitarbeitern zwischen 1,75 und 4,25 Monatsbeiträgen.
2007 führte aus rechtlicher Sicht die aufgekommene Frage der Scheinselbständigkeit der für die Gesellschaft tätigen Vertriebsmitarbeiter zu wesentlichen Veränderungen innerhalb der Vertriebsstrukturen der Gesellschaft. Zu dieser Zeit waren ca. 300 Vertriebsmitarbeiter für die MEG AG tätig. Die Frage der Scheinselbständigkeit war letztlich auch Anknüpfungspunkt für die Strafverfolgungsorgane und Sozialversicherungsträger, Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Unternehmens wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und der Unterschlagung von Sozialabgaben einzuleiten. Dies führte im April 2007 zu Durchsuchungen des Firmengebäudes und auch von Privatwohnungen einzelner Vorstandsmitglieder und weitergehender Ermittlungen insbesondere gegen Mehmet Göker.
Am Ende des gegen Mehmet Göker insoweit eingeleiteten Strafverfahrens wurde er bei einem angenommenen täglichen Nettoverdienst von 1.000 Euro zu einer Gesamtgeldstrafe von 720.000 Euro verurteilt. Letztlich stellte die Rentenversicherung am Ende ihrer Ermittlungen fest, dass die von der Gesellschaft als Vertriebsmitarbeiter eingesetzten Personen deren Direktionsrecht unterlagen, in den Betrieb der Insolvenzschuldnerin eingegliedert und der Gesellschaft gegenüber weisungsgebunden waren.
Zu Beginn des Jahres 2008 hatte die MEG AG die meisten der bislang für sie selbständig tätigen Mitarbeiter nach und nach in abhängige Beschäftigungsverhältnisses übergeleitet. Die Konditionen mit den Mitarbeitern waren allerdings unterschiedlich vereinbart. So konnte zum Beispiel ein Mitarbeiter bei einem Grundgehalt von 4.000,00 EUR noch zusätzliche Einnahmen durch Provisionen erzielen. Auf diese Weise mussten sogar die Auszubildenden im Vertrieb ihre Ausbildungsgehälter „ins Verdienen bringen“. Wer also keine Provisionen erarbeitete, bekam letzten Endes nicht einmal seine Ausbildungsvergütung.
Insbesondere durch vorschussweise ausbezahlte Provisionen einzelner Versicherungsgesellschaften in Millionenhöhe gelang es der MEG AG, sich als weiterhin wachsendes Unternehmen darzustellen. Die Vorauszahlungen auf noch abzuschließende Versicherungsverträge erfolgten bereits im Gründungsjahr der Gesellschaft im Jahr 2006, danach bis in das Jahr 2009 hinein jeweils zu Beginn eines Jahres.
Umsatzerlöse:2006: 11,18 Millionen Euro2007: 33,3 Millionen Euro2008: 53,7 Millionen EuroBis August 2009: 48,5 Millionen Euro Jahresüberschuss:2006: - 2.294.333,592007: 280.589,822008: 3.118.472,94Bis August 2009: -418.022,29
Sowohl die Mitarbeiter der MEG AG als auch die mit der MEG AG zusammen arbeitenden Versicherungsgesellschaften verloren immer mehr das Vertrauen in Herrn Göker, da er die Versprechungen, die er abgab, nicht einhielt. Hierneben äußerte der Aufsichtsrat immer deutlicher seinen „Unmut“ über die Alleingänge des Herrn Göker, da er trotz früherer Ermahnungen des Aufsichtsrats noch immer ohne die vorherige Zustimmung der zuständigen Organe Privatentnahmen vornahm. So wurden Privatentnahmen des Vorstandsvorsitzenden und Alleinaktionärs Göker verzeichnet in Höhe von ca. 1,3 Millionen Euro für die Begleichung privater Steuerschulden, 400.000 Euro für die Restzahlung der Türkeivillen und 100.000 Euro für Kreditkartenverbindlichkeiten aus einer Reise nach Las Vegas. Ferner wurden Erlöse aus Verkäufen von MEG - Fahrzeugen in Höhe von ca. 60.000 Euro an Göker privat bemängelt, ohne dass ein ordnungsgemäßer Kasseneingang vermerkt werden konnte.
In dem Protokoll über die Sitzung des Aufsichtsrats vom 12.08.2009 wurde festgestellt, dass die MEG AG unter der Führung des Vorstandsvorsitzenden Göker zu lange Zeit zu großen Wert auf personelles Wachstum des Vertriebs und den bloßen Umsatz gelegt habe. Im Gegenzug sei es versäumt worden, die Qualität der Mitarbeiter und des Maklergeschäftes ausreichend zu beachten. Mit der Häufung von aufgedeckten Fällen der Urkundenfälschung trat die immer mehr zurückgehende Qualität der Leistungen der Vertriebsmitarbeiter nunmehr immer deutlicher zum Vorschein und führte dazu, dass die Versicherungsgesellschaften auf Distanz zur MEG AG gingen. Letztlich führte die in der Führungsebene der MEG AG eingetretene Krise dazu, dass Göker am 11. September 2009 seine Ämter niederlegte und seinen Arbeitsplatz bei der MEG AG räumte. Die Geschäfte übernahm ab diesem Zeitpunkt das Vorstandsmitglied Michael Kopeinigg.
Um die MEG AG aus der bedrohlichen finanziellen Schieflage zu bringen, führte Kopeinigg eine Vielzahl von Gesprächen mit den Versicherungen mit dem Ziel, zerstörtes Vertrauen wieder aufzubauen. Hierneben verhandelte er mit diversen Beteiligungsgesellschaften über eine mögliche Beteiligung an der MEG AG. Auf Initiative der AXA, die eine Beteiligung an der Aragon AG hält, wurden sodann Übernahmeverhandlungen geführt, die nach relativ kurzer Prüfungsphase seitens der Aragon AG mit Anteilskaufvertrag vom 25.09.2009 zu Ende gebracht wurden. Sämtliche Aktien des Herrn Göker wurden an die Aragon AG verkauft, was umso bemerkenswerter ist, als dieser zuvor seine Aktien zur Besicherung von aufgenommenen Darlehen der Insolvenzschuldnerin verpfändet hatte. Der Kaufpreis belief sich auf 1,00 Euro. Für den Fall, dass es gelingen sollte, in einem der folgenden Geschäftsjahre mindestens 5 Millionen Euro Gewinn vor Steuern zu erzielen, wurden weitere Zusatzkaufpreise versprochen, die sich im Höchstfall auf 8 Millionen Euro belaufen hätten.
Obwohl die Aragon AG 6,5 Mio. Euro in das Unternehmen einbrachte, mussten deren Vorstände nach nicht einmal 5 Wochen erkennen, dass die Zahlungsunfähigkeit der MEG  nicht zu verhindern war. In Folge dessen wurde der Darlehensvertrag am 27.10.2009 seitens der Aragon AG gegenüber der MEG AG wegen eingetretener Zahlungsunfähigkeit fristlos gekündigt. Danach blieb keine andere Möglichkeit als der nunmehr schriftlich festgeschriebenen Zahlungsunfähigkeit Rechnung zu tragen und das Insolvenzverfahren zu beantragen.

So stellte die Debeka jüngst aufgrund eigener Berechnungen fest: „Die privaten Krankenversicherungen (PKV) in Deutschland arbeiten deutlich kostengünstiger als die gesetzlichen Krankenkassen (GKV).“ Während 2011 der Durchschnitt der Verwaltungskosten je Versichertem in der GKV pro Jahr bei 134 Euro gelegen habe, komme der größte Krankenversicherer bei seien Privatversicherten dagegen auf einen Wert von nur 13,49 Euro je Mitglied.

Das hört sich gut an, sagt aber wenig über den Rest der Branche. Denn: Die Debeka arbeitet besonders sparsam in der Branche, außerdem hat der Versicherer einen angestellten Außendienst – auch das ist ungewöhnlich und eine Ausnahme in der Branche. Schließlich ist die Debeka dafür bekannt, dass ihre Provisionen deutlich unter dem Branchenschnitt der PKV liegen.

Das Problem liegt woanders: in der Intransparenz der Daten. Die Regierung könnte dafür sorgen, dass die Branche vergleichbare und belastbare Daten zu ihren Verwaltungskosten vorlegt. Doch dies ist nicht gewollt, wie die Antwort auf die Weinberg-Anfrage zeigt. Auch hier werden mit einem Verweis auf die Verschwiegenheitspflicht im VAG weitere Informationen abgeblockt.

Fazit: Es gibt sie also, die Zusatzinformationen. Doch der Zugang dazu soll Kunden, Vermittlern und Analysten entweder verwehrt oder erschwert werden.

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung
Ob es älteren Semestern gelingt, zurück in das gesetzliche System zu kommen, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab, unter anderem Berufsstatus, Einkommen und Alter. Der Gesetzgeber hat etliche Bedingungen formuliert, um generelle und schnelle Wechsel zu verhindern.
Das Einkommen muss für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. 2015 liegt diese Einkommensgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 54.900 Euro. Ein gutverdienender Angestellter könnte sein Einkommen zum Beispiel dadurch unter diese Grenze drücken, wenn er nicht mehr voll arbeitet, sondern nur noch einen Teilzeitvertrag hat.
Arbeitnehmer, die sich auf Antrag in der Vergangenheit von der Versicherungspflicht befreien ließen, können den Weg über einen Teilzeitvertrag nicht gehen. Die Befreiung von der Versicherungspflicht wird auf Antrag ausgesprochen, wenn das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze gesunken ist und der Arbeitnehmer aber privat versichert bleiben möchte.
Wer bisher frei arbeitet, kann in ein Angestellten-Verhältnis wechseln. Sein Gehalt müsste dann aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Er könnte seine Selbstständigkeit auch vollkommen aufgeben und in die Familienversicherung seines Partners wechseln.
Auch wenn ihr Gehalt von Anfang über der Versicherungspflichtgrenze liegt, können sie sofort in die GKV. Studenten, die während des Studiums privat versichert waren, kommen so zurück in die GKV.
Wer arbeitslos wird, den versichern die Arbeitsämter meist automatisch in der GKV.
Eine wichtige Grenze in den Regeln ist das Alter. Eine Rückkehr in die GKV geht für Angestellte und Selbstständige nur, wenn sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Wer älter ist, hat nur unter speziellen Voraussetzungen noch eine Chance zum Systemwechsel. „Diese Informationen sind im Gesetzestext gut versteckt, da bei diesen Personen die Rückkehr in die GKV verhindert bzw. möglichst schwer gemacht werden soll“, heißt es auf der Internetseite PKV-Selbstvergleich.de. „Außerdem ist die Rückkehr nicht bei jedem möglich, sondern an bestimmte Bedingungen geknüpft.“ In diesem Fall empfiehlt sich also die Beratung durch einen Spezialisten, etwa einen Anwalt, der die Regeln des Sozialgesetzbuches sehr gut kennt.
PKV-Experten weisen darauf hin, dass eine Rückkehr in die GKV gar nicht mehr nötig sei, weil auch die privaten Krankenversicherer inzwischen Tarife anbieten müssen, die denen der GKV ähneln. Dies ist der sogenannte Basistarif. Daneben gibt es noch einen Standardtarif.
Die Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung gehen verloren, wenn man zurück in die GKV wechselt. Diese Vorsorge dient dazu, die PKV-Beiträge im Alter zu dämpfen.

Die Provisionen in der PKV sind seit langem ein heißes Thema, nicht zuletzt seit der Pleite des Finanzvertriebs MEG, dem Unternehmen des Versicherungsverkäufers Mehmet Göker. Der begnadete Antreiber, der heute von der Türkei aus operiert, hat wie kein zweiter Vermittler die Gier der privaten Krankenversicherer nach neuen Kunden ausgenutzt und die Provisionen für Vermittlungen enorm in die Höhe getrieben.

Mehmet Göker (Verkäufer): Ein Versicherungsvertreter blamiert die PKV

Der Film "Versicherungsvertreter" hat das Image der Privaten Krankenversicherung in Deutschland ruiniert. Der Filmemacher Klaus Stern drehte das Dokumentarstück. Er sagt über den Verkäufer von privaten Krankenversicherungen, Mehmet Göker:

"Er schreit und übt Druck aus, um seine Leute gefügig zu machen. Das Prinzip Mehmet ist Einschüchterung. Manche sagen, es war eine Sekte. Ohne den Führer hätte es den Laden nicht gegeben. Und irgendwann wollte er den größten Finanzvertrieb der Welt haben, wie er im Film sagt. Anscheinend geht so was nicht mit Ringelpiez.

Sie meinen auch den Druck, den Versicherungen immer mehr Abschlüsse zu liefern, um mehr Provision zu kassieren.

Stern: Bei MEG haben sicher einige gute Verkäufer gearbeitet. Aber es gehört auch die andere Seite dazu, die Versicherungsfirmen als Auftraggeber. Die haben den Stoff, also die enormen Provisionen geliefert. Das wirft für die Branche Fragen auf. Selbstkritik bei den Versicherungen habe ich aber noch nicht gehört. Bezeichnend: Keine Versicherung wollte vor die Kamera."

Die Firma MEG ist 2009 pleite gegangen. Göker und die MEG lösten Änderungen am Provisionssystem in der Branche aus. Der begnadete Verkäufer gilt vielen nun als schwarzes Schaf der Branche. Er selbst sieht weiter Chancen im Verkauf von privaten Krankenversicherungen. Dafür braucht er Leute, die ihr bisheriges Leben hinter sich lassen und vor allem einen Wunsch haben: schnell reich zu werden. "Vier Jahre braucht ein Verkäufer, um an meiner Seite Millionär zu werden", ist einer der Sprüche, durch die er bekannt wurde.

Foto: Handelsblatt

Versicherungsmanager: Viele haben es übertrieben

Der Versicherungsverkäufer Mehmet Göker konnte nicht ohne die Versicherer arbeiten. Er sagt selbst: "Der Spruch „Gier frisst Hirn“ hat auf mich hundertprozentig gepasst." Bei ihm saßen viele bekannte Namen aus der Versicherungswirtschaft mit im Boot. Das zeigt: Bei MEG geht es nicht um einen spektakulären Einzelfall, hier zeigt eine Branche ein Gesicht, das viele bisher nicht kennen. Göker selbst hat dabei keine Hemmungen, seine ehemaligen Partner über den Film vorzuführen. Indem er sein Leben öffentlich zeigt und alle Vorwürfe elegant abwehrt, blamiert ein einziger Vertreter eine ganze Branche.

Viele Versicherungsmanager wissen, dass sie es übertrieben haben. Nicht umsonst diskutierte die Versicherungswirtschaft nach dem Niedergang der MEG besonders intensiv über Provisionen in der privaten Krankenversicherung. Nun werden zwar die Provisionen pro Vertragsabschluss zwar begrenzt. Doch an den Vertriebsmethoden, wie sie in dem Film beschrieben werden, ändert sich wenig. Verkauf ist eben ein hartes Geschäft.

Im Bild: Versicherungsmanager auf der MEG-Party in Melsungen 2007. Von links nach rechts: Frank Kettnaker, Vertriebschef der Alten Leipziger/Hallesche; Oliver Kuhlmann, Vertriebschef der Gothaer; Mehmet E. Göker, Gernot Schlösser, Axa-Vorstandschef (Mitte); Bernhard Lüneborg, Vertriebschef der Hallesche Krankenversicherung, Oliver Kuhlmann, Vertriebschef der Gothaer und Roland Zimmer, Chef der Axa-Krankenversicherung (rechts).

Fotoquelle: Sternfilm / Ulf Schaumlöffel

Foto: Handelsblatt

Krankenversicherer Central: Sonderboni und Beitragssteigerungen

Als Negativbeispiel für aggressives Vertriebsverhalten, das negative Folgen hat, gilt der private Krankenversicherer Central, der zur Generali Deutschland gehört. Zuerst ging der Versicherer mit umstrittenen Sonderboni auf Kundenjagd bei der gesetzlichen und privaten Konkurrenz. Nur wenige Monate später folgte die strategische Kehrtwende: Abkehr von Billigtarifen mit schlechten Leistungen und extrem starke Beitragserhöhungen für viele Kunden. „Die durchschnittliche Anpassung zum 1. Januar 2012 beträgt gemessen am Monatssollbeitrag 12,9 Prozent“, teilte das fünfgrößte Unternehmen in der privaten Krankenversicherung (PKV) auf Anfrage des Handelsblatts mit. Insbesondere diese Aktion löste große Empörung bei Verbraucherschützern und Entsetzen in der Politik aus. Galt die Central doch als Spitze des Eisbergs.

Foto: dpa

Gerd Billen (Verbraucherschützer): "Sie werden sich selbst abschaffen."

"Unabhängig von den akuten Problemen müssen in der PKV grundlegende Änderungen vollzogen werden, um Gerechtigkeitsdefizite auszugleichen und Effizienzsteigerungen zu erzielen“, sagt Gerd Billen, der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband. Allen voran Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr müsse initiativ werden, um für gleiche Chancen und fairen Wettbewerb im Gesundheitswesen zu sorgen. Innerhalb der PKV fehle es an einer Qualitätssicherung bei den Leistungserbringern und einer wirksamen Kostendämpfung. „Die Folgen einer finanziellen Überforderung der Verbraucher dürfen nicht sozialisiert werden, sondern müssen innerhalb des PKV-Systems gelöst werden“, mahnt Billen.

"Sie werden sich selbst abschaffen", sagte Billen in Berlin weiter. Der teilweise eklatante Anstieg der Prämien zum Jahresanfang sei ein Beleg dafür. Es gebe eine ganze Reihe von Beitragszahlern, die inzwischen mit ihren Zahlungen überfordert seien. "Das ist Ausdruck eines sich überholenden Systems."

Foto: dapd

Andrea Nahles (SPD): "Preislich kein Vergnügen"

"Die Recherche der Verbraucherzentrale zeigt erneut: Die Beitragssteigerungen in der PKV nehmen zum Teil ein irrwitziges Ausmaß an. Die PKV steht mittlerweile für preislich kein Vergnügen. Es besteht dringender Handlungsbedarf bei der PKV. Für die SPD ist klar: Beitragsstabilität kann nur durch mehr Solidarität erreicht werden. Jetzt ist es Zeit, die Bürgerversicherung einzuführen. Kostenvorteile für die PKV ohne eine Einbeziehung in die gesamtgesellschaftliche Solidarität, lehnen wir ab."

Die SPD-Generalsekretärin kommentiert die Studie der Verbraucherzentralen.

Foto: dpa

Axel Kleinlein (Verbraucherschützer): PKV-Provisionen senken

Der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages hat beschlossen, dass Vermittler ab April 2012 bis zu neun Monatsbeiträge für den Abschluss bekommen. Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten (BdV), geht das nicht weit genug: „Zu hohe Provisionen dürfen nicht von der Information und Beratung des Verbrauchers ablenken. Wir haben deshalb eine Begrenzung auf sechs Monatsbeiträge gefordert.“

"Ein Beispiel zeigt, wie hoch die Provisionen heute sind: Will ein Versicherer den Absatz eines bestimmten Tarifes fördern, zahlt er nicht selten 15 Monatsbeiträge und mehr. Das entspricht 6.525 Euro, wenn sich beispielsweise ein 30-jähriger Mann privat krankenversichern will. Würde der Versicherer sechs Monatsbeiträge an den Vermittler auskehren, wie vom BdV als Höchstgrenze gefordert, bekäme dieser noch immer 2.610 Euro. Bei einem durchschnittlichen Zeitaufwand von acht Stunden für die Beratung und Vermittlung des Vertrages entspricht dies einem Stundensatz von rund 326 Euro."

Axel Kleinlein: „Diese Vergütung erscheint uns mehr als angemessen und grundsätzlich auskömmlich.“"

Foto: Frank Beer für Handelsblatt

Sven Giegold (Grüne): "Verbraucherabzocke in der PKV kann weiter gehen"

Querschüsse gegen die PKV kommen nun auch aus Europa.

Für alle Produkte außerhalb der klassischen Lebensversicherung habe die Versicherungslobby in Europa eine Transparenzpause von fünf Jahren durchgesetzt. „Die Verbraucherabzocke in der Privaten Krankenversicherung mit hohen Vermittlungsgebühren kann somit weitergehen“, lautet das Fazit von Sven Giegold, Europa-Abgeordneter der Grünen.

Foto: dpa

Doris Pfeiffer (GKV-Spitzenverband): "PKV läuft von selbst aus."

Die Krankenkassen stimmen in den Anti-PKV-Chor ein. Schließlich gilt es, die lästige Konkurrenz zu schwächen.

"Die PKV hat offenkundig ein Existenzproblem. Ich bin überzeugt, dass das Geschäftsmodell der PKV auf Dauer nicht tragfähig ist. Die PKV kämpft seit Jahren mit steigenden Ausgaben. Die Ausgabensteigerungen sind höher als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die PKV hat keine Instrumente, das in den Griff zu bekommen."

"Einige Versicherungsunternehmen haben von sich aus schon in Frage gestellt, ob das Vollversicherungsgeschäft künftig noch ein Feld für sie sein wird."

"Ich glaube nicht, dass es einer politischen Entscheidung bedarf. Meine Einschätzung ist, dass das Geschäft der Privaten Krankenversicherung von selbst ausläuft, weil das Geschäftsmodell auf Dauer nicht tragfähig ist. Es werden sich immer mehr Unternehmen aus dem Krankenversicherungsgeschäft zurückziehen. Auch bei den Versicherten macht sich eine zunehmende Skepsis gegenüber der PKV breit", sagte Doris Pfeiffer der Rheinischen Post.

Fotoquelle: GKV-Spitzenverband

Foto: Handelsblatt

Jürgen Graalmann (AOK): "Lage der PKV ist bedrohlich."

"Die Lage der PKV ist ganz offensichtlich bedrohlich. So wie es aussieht, bekommen die Versicherer diese Krise nicht selbst unter Kontrolle."

"Von unseren Erfolgen will die PKV jetzt profitieren, weil sie selbst nicht von ihrem massiven Kostenproblem runterkommt. In der Folge steigen Prämien dort auf ein immer höheres Niveau. Aus Umfragen wissen wir, dass mittlerweile jeder Dritte Privatversicherte gerne in die GKV wechseln will. Vor diesem Hintergrund halte ich einen einheitlichen Versicherungsmarkt für die logische Konsequenz.»

In einem Interview mit dpa.

Jürgen Graalmann ist Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Fotoquelle: AOK

Foto: Handelsblatt

AOK: PKV-Versicherte profitieren von GKV-Versorgung

Der Krankenkassenverbund AOK bezeichnet folgende Aussage als Irrtum: "Die PKV finanziert überproportional das Gesundheitswesen"

"Tatsache ist: Mehr als 186 Milliarden Euro wendeten GKV und PKV 2010 an Leistungsausgaben für ihre Versicherten auf. 88,7 Prozent davon kamen von der GKV, 11,3 Prozent von der PKV.

Die Anteile der Leistungsausgaben entsprechen fast genau dem jeweiligen Versichertenanteil: Von knapp 79 Millionen Krankenversicherten entfielen 88,6 Prozent auf die GKV, 11,4 Prozent auf die PKV. Eine Subventionierung des Gesundheitswesens durch die PKV findet also nicht statt. Vielmehr sind es die GKV-Mittel, die die Infrastrukturen unseres Gesundheitswesens finanzieren und somit eine flächendeckende medizinische Versorgung sicherstellen. Folglich profitieren PKV-Versicherte überproportional von der vorwiegend GKV-finanzierten flächendeckenden medizinischen Versorgung."

AOK Schulmeister 2013

Quelle: AOK.

Foto: obs

Jens Baas (TK): "PKV abschaffen."

"Die PKV passt nicht in unser System. Wir sollten sie abschaffen. Das müsste auf einen Schritt geschehen. Es dürften dann keine neuen Kunden mehr zur PKV. Wer dort bereits versichert ist, sollte bleiben dürfen oder seine Altersrückstellungen mitnehmen können zu einer gesetzlichen Kasse. Die privaten Versicherungen sollten dann noch Zusatzversicherungen anbieten dürfen. Die gesetzlichen Kassen müssten die Ärzte dann höher bezahlen, wenn diese nicht mehr höheres Honorar von der PKV bekommen. Profitieren würden Ärzte auf dem Land, die wenig Privatpatienten haben - zu Lasten von Ärzten in Städten und Ballungsräumen.“

Das sagte Jens Baas, der neue Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten Unternehmens in der gesetzlichen Krankenversicherung, der Techniker Krankenkasse (TK), der Nachrichtenagentur dpa. Und er wiederholte es sinngemäß auch gegenüber der Rheinischen Post.

Foto: Handelsblatt

Christoph Straub (Barmer): PKV muss ihre Probleme lösen

"Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme. Allerdings müssen die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen. Die Kosten des medizinischen Fortschritts treffen die PKV genauso wie uns. Wir sind allerdings besser in der Lage, über Verträge mit den Akteuren im Gesundheitswesen, Qualität und Preise von Leistungen zu definieren. Außerdem hat die PKV das Problem, dass sich das Zinsniveau für ihre Alterungsrückstellungen verringert, weil die Renditen am Kapitalmarkt niedriger sind als in der Vergangenheit. Für sinnvoll halte ich daher eine Debatte darüber, wie GKV und PKV angenähert werden können. Wir wollen einen Versicherungsmarkt, der einheitliche Regeln für alle Beteiligten bietet und allen Unternehmen sowohl in der Vollversicherung wie in der Zusatzversicherung offen stehen sollten."

Der Chef der Barmer GEK im Interview mit dem Handelsblatt.

Foto: dpa

Jürgen Wasem (Gesundheitsökonom): Den Garantiezins senken

Experten kritisieren die Rechnungsgrundlagen der Branche als nicht mehr zeitgemäß. Dazu zählen auch die Zinsen und die Alterrückstellungen. Ein Interview in Handelsblatt Online:

"Eine starke Senkung des Rechnungszinses bedeutet vermutlich zweistellige Beitragssteigerungen in der PKV? Der Aufschrei der Kunden wäre gewiss!
"Da muss die PKV durch. Ein starker Beitragsanstieg wäre sicher auch schlecht für das Neugeschäft. Doch die Branche will demografiefest sein. Das bedeutet auch, dass sie ältere Versicherte zu vernünftigen Prämien versichern kann. Außerdem muss eine Absenkung des Rechnungszinses ja nicht für immer sein."

Können einzelne Unternehmen dies umsetzen?
Nein, der Gesetzgeber sollte die Initiative besser ergreifen und wie in der Lebensversicherung den Rechnungszins für alle Versicherer generell senken. Den Unternehmen dies zu überlassen, würde wohl nicht funktionieren. Dazu ist der Wettbewerb in der Branche zu hoch und das Thema zu wichtig. Schließlich müssen die Versicherten einen höheren Beitrag zahlen, wenn ihr Rechnungszins gesenkt wird.

Und falls nichts passiert?
Dann würden gerade ältere Versicherte in der PKV ein großes Problem bekommen. Denn ihre Altersrückstellungen verlören an Wert."

Der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem im Interview mit dem Handelsblatt.

Foto: Handelsblatt

Biggi Bender (Grüne): "Die PKV ist eine Fehlkonstruktion."

Ebenso wie die Verbraucherschützer hat in diesem Jahr nun auch die Politik in Berlin die Branche ins Visier genommen. Eine Bundestagsdebatte belegt, wie stark die Kritik an der PKV in den Köpfen der Entscheider angekommen ist.

"Die Beiträge für neu eintretende Männer sind gestiegen. Aber glauben Sie etwa, die für die Frauen seien gesunken? Ganz im Gegenteil! Tatsächlich haben diese Tarife bei diversen Unternehmen sogar zugelegt. Da der PKV die Ausgaben davonlaufen, braucht sie nämlich jeden Cent, und da passen Beitragssenkungen eben nicht ins Konzept. Hier zeigt sich wieder einmal: Die Doppelstruktur von gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist nicht nur ungerecht, weil sie Gutverdienenden ermöglicht, sich vom Solidarausgleich zu verabschieden. Die PKV als solche ist eine Fehlkonstruktion, nichts anderes."

Aussagen in der Bundestagsdebatte zur PKV Anfang 2013.

Fotoquelle: Bender

Foto: Handelsblatt

Karl Lauterbach (SPD): "Privatpatienten sind die Versuchskaninchen des Systems."

"Die Patienten, die privat versichert sind, sind oft die Versuchskaninchen des Systems. Sie werden mit Medikamenten behandelt, die noch nicht wissenschaftlich ausreichend erprobt sind. Sie waren mehr vom Vioxx- Problem betroffen als die gesetzlich Versicherten. In der Onkologie gibt es zahlreiche Antikörpertherapien, die nicht evidenzbasiert sind, die bevorzugt bei privat Versicherten eingesetzt werden. Unilaterale Kniegelenksprothesen, die in der Regel nur fünf Jahre halten, werden bei privat Versicherten bevorzugt eingesetzt. Das Gleiche gilt für die sogenannte Überkronung des Hüftgelenkes, ein Eingriff, der für denjenigen sozusagen lukrativ ist, der ihn vornimmt, dessen Erfolg aber wissenschaftlich überhaupt nicht gesichert ist. Die Protonentherapie wird bei Privatpatienten vornehmlich genutzt, obwohl neuere Studien keinen Vorteil zeigen. Jeder leidet für sich allein. Beide Gruppen – privat wie gesetzlich Versicherte – sind betroffen. Viele ältere Privatversicherte müssen ihre Ansprüche zurückschrauben, weil sie mit dem Geld nicht mehr klarkommen. Rentner zahlen 800, 900 Euro Krankenversicherung, haben aber nur eine Rente von 1 500 Euro. Oft ist dabei die Armutsgrenze fast erreicht.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach im Bundestag.

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Harald Weinberg (Linke): "Privatpatienten werden häufiger und teurer behandelt."

"Welchen Grund gibt es, von Menschen mit gleichem Einkommen unterschiedliche Beiträge zu verlangen? Welchen Grund gibt es, Menschen mit der gleichen Krankheit, mit der gleichen Diagnose, die beim selben Arzt in Behandlung sind, verschieden zu behandeln? Ich rede hier nicht von schlechter oder besser. Die Annahme, die auch in der Bevölkerung weit verbreitet ist, als Privatpatient werde man automatisch besser behandelt, ist zumindest sehr zweifelhaft. Richtig ist: Man bekommt schneller einen Termin beim Facharzt. Richtig ist: Man hat womöglich eigene Wartezonen. Richtig ist: Man bekommt vielleicht einen Kaffee. Aber man wird zweifellos häufiger und teurer behandelt, weil mehr Geld zu verdienen ist. Das ist nicht nur schädlich für das Portemonnaie, das kann auch durchaus der Gesundheit abträglich sein, weil letztlich auch Fragwürdiges abgerechnet werden kann."

Der Linken-Abgeordnete Harald Weinberg im Bundestag.

Fotoquelle: Weinberg

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Jens Spahn (CDU): "Da ist nicht nur Etwas faul."

In der Privaten Krankenversicherung "gibt es eine Reihe vonProblemen, die mittlerweile auch von führenden Branchenvertretern offen benannt werden: deutliche Kostensteigerungen auf der Leistungsseite, da neben steigender Morbidität und Alterung auch Unnötiges abgerechnet wird; in der Folge überdurchschnittliche Beitragssteigerungen in vielen Tarifen, die immer mehr Privatversicherte überfordern, denn anders als von SPD & Co suggeriert sind die allermeisten Privatversichertennicht reich, sondern Beamte, Pensionäre oder kleine Selbstständige; das Angebot von Lock- und Billigtarifen, die nicht ansatzweise halten, was sie versprechen; insgesamt ein Markt, der vertriebs- und nicht versorgungsgesteuert ist, was auch an den Provisions- und Vertriebsexzessen der letzten Jahre deutlich wird, und der mit Tausenden von verschiedenen Tarifen alles andere als transparent und wettbewerblich ist. Kurzum: Da ist nicht nur Etwas faul."

Aus: Zehn Thesen zu 'Anforderungen an eine gesetzliche Krankenversicherung in der Zukunft'

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Lars Lindemann (FDP): Zweifel an der Vollversicherung

Der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann fordert "grundlegende Veränderungen" von der PKV. "Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann", sagte er dem stern.

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Rudolf Henke (CDU): Wie die PKV reformiert werden muss

"Ja, wir müssen beide Systeme reformieren. Das ist eine Daueraufgabe. Bezogen auf die PKV gehört dazu: ein Ende der Billigtarife, eine überarbeitete Systematik zur Kalkulation der Tarife, ein einheitlich definierter Mindestversicherungsschutz, eine stärkere Versorgungs- und eine geringere Vertriebsorientierung bei den Versicherungen. Das sind alles Punkte, über die wir diskutieren und reden können, über die wir bereits sprechen."

Der CDU-Politiker ist Vorsitzender der Ärzteorganisation Marburger Bund. Er machte diese Aussagen im Januar 2013 in der Bundestagsdebatte über die PKV.

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Karin Maag (CDU): "PKV hat Schwächen."

"Selbstverständlich, auch das System der PKV – das haben wir erkannt; wir sind ja nicht blöd, Herr Weinberg – hat Schwächen, und daran arbeiten wir. Es ist doch sinnvoll, diese Schwächen aufzuarbeiten, das heißt, das System zu stärken. Das ist unsere Aufgabe."

"11 Prozent privat Versicherte sorgen im Durchschnitt für 25 Prozent der Honorare in einer Arztpraxis. Auch im niedergelassenen Bereich kommt das den gesetzlich Versicherten zugute."

"Sie haben die schwarzen Schafe bei der PKV angeführt. Klar, es gibt solche PKVen, die die Tarife nicht auskömmlich kalkulieren, die Provisionen jenseits des Tolerierbaren gezahlt haben. Genau dort haben wir gehandelt. Wir haben die Provisionen begrenzt. Wir haben die PKVen daran erinnert, dass sie ihre Versicherungsnehmer darüber informieren müssen, dass die Tarife gewechselt werden können. Wir haben den Ausgabenanstieg auch dort und nicht nur in der GKV begrenzt, etwa mit dem Privatklinikausgründungsverbot."

Die CDU-Politikerin in der Bundestagsdebatte über die PKV.

Fotoquelle: Karin Maag

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Daniel Bahr (FDP): Druck auf PKV ist gut

Selbst der eigentlich branchenfreundliche Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) sieht die Versicherungsbranche nun in der Pflicht. "Es ist Aufgabe der Privaten Krankenversicherung, andere Angebote zu machen. Sie müssen zeigen, dass es auch neue und günstigere Tarife gibt. Insofern ist es gut, wenn die Verbraucherzentralen auf solche Ausreißer, bei neun Millionen immerhin 140 Beschwerdefälle, hinweisen und damit Druck machen", erklärte der Minister gegenüber dem NDR.

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Mit der Pleite der MEG im Jahre 2009 setzte hier ein Nachdenken ein, sowohl in der Branche wie in der Politik. Es führte dazu, dass die Branche bei der Regierung indirekt auf eine Deckelung der Provisionen für Vermittler drängte. Das wurde schließlich auch umgesetzt, wenngleich böse Zungen in der Branche behaupten, dass die neue Obergrenze bei den Provisionen nicht eingehalten wird.

Grundsätzlich dürfen Vermittler nun nicht mehr als neun Monatsbeiträge des Kunden erhalten, wenn sie einen PKV-Vertrag vermitteln. Früher waren es angeblich teilweise doppelt so viel. Doch auch bei neun Monatsbeiträgen geht es noch um viel Geld: Rund 3.000 Euro für einen durchschnittlichen PKV-Vertrag erhält ein Vermittler.

Ein großes Problem in der Branche ist dabei, dass die privaten Krankenversicherer sich gegenseitig die Kunden abwerben – ein gefundenes Fressen für Vermittler, denn jedes Mal ist dann auch wieder eine Provision fällig. Wie aus den wenigen verfügbaren Daten des PKV-Verbandes hervorgeht, entfallen rund die Hälfte der Neuzugänge auf solche Wechsel.

Kein Wunder also, dass manche Vermittler ihre Ex-Kunden nach einem oder zwei Jahren wieder abtelefonieren und Daten von Interessenten heiß gehandelt werden. Denn eine gute Adresse ist für den Vermittler oft schon die Hälfte der Provision.  

Wie viel die einzelnen Anbieter letztlich für Verwaltung und Provisionen ausgeben, ist schwer zu sagen. Die Regierung beruft sich hier wieder auf ihre Verschwiegenheitspflicht. Das überrascht, weil die Versicherer ja regelmäßig Bilanzen veröffentlichen.

Umdeckung in der privaten Krankenversicherung (PKV)
Umdeckungen sind in der Versicherungsbranche verpönt. Es geht um die Auflösung eines Vertrages und den Abschluss eines neuen Vertrages im eigenen Kundenstamm, wobei sich der Versicherungsschutz nicht wesentlich ändert. Bei Vermittlern sind solche Umdeckungen beliebt, weil sie dadurch hohe Provisionen erhalten – mit einem vergleichsweise geringen Aufwand.
Seit 2009 nehmen Versicherte ihre Altersrückstellungen bei einem Wechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung mit. Diese Zahlen sind in den Statistiken der Versicherer nachvollziehbar. Dadurch lässt sich dann auch erkennen, in welche Gesellschaften die Vermittler in der PKV am liebsten vermitteln und aus welchen Gesellschaften sie gerade Kunden abziehen.
Der alte Grundsatz, wonach Alterungsrückstellungen lebenslänglich beim Versicherer bleiben und im Alter des Versicherten eingesetzt werden, um den Versicherungsschutz bezahlbar zu halten, gilt seit einigen Jahren nicht mehr, stellt der ehemalige PKV-Ombudsmann und Branchenexperte Arno Surminski in der Zeitschrift für Versicherungswesen fest.
Das sind jene Gesellschaften, in die Vermittler PKV-Kunden gerne hineinziehen, um erneut eine Provision einzunehmen an einem Kunden, den sie schon kennen.Quelle: Versicherungsjournal, Zeitschrift für Versicherungswesen
Die Hallesche hat 2011 fünf Millionen Euro an Altersrückstellungen in der PKV erhalten, aber nur drei Millionen Euro abgegeben.
Der Marktführer Debeka, der regelmäßig die meisten PKV-Neukunden an sich zieht, ist auch bei Vermittlern beliebt, die ihre Kunden woanders unterbringen wollen. 5,2 Millionen Altersrückstellungen flossen aus der Branche an die Gesellschaft, nur 2,4 Millionen Euro gingen weg.
Der Dortmunder Versicherer Continentale hat sich auf private Krankenversicherungen spezialisiert. 8,5 Millionen Euro an Altersrückstellungen sind ein stolzes Ergebnis – bei Abgängen von 3,9 Millionen Euro.
Der Deutsche Ring gehört zur Signal-Iduna-Gruppe. Der Versicherungsverein ist in der PKV in den vergangenen Jahren besonders beliebt geworden, was sich in einem Saldo bei den Altersrückstellungen zeigt: 5,5 Millionen Euro. Das bedeutet aufgeschlüsselt: 8 Millionen Euro erhalten – und 2,5 Millionen Euro abgegeben.
Die mit Abstand beliebteste Gesellschaft bei Vermittlern, die schnell Geld verdienen möchte, ist Hanse-Merkur aus Hamburg. 29,8 Millionen Euro an Altersrückstellungen flossen 2011 aus der Branche in das Unternehmen.  Mehr als bei den vier Nächstplatzierten zusammen. Nur 4,2 Millionen Euro gab die Gesellschaft ab. Das entspricht einem Saldo von 25,6 Millionen Euro. Die zehn nächsten Gesellschaften in der Rangliste kommen noch nicht einmal zusammen auf diese Summe.
Aus diesen Gesellschaften haben die Vermittler besonders gern PKV-Kunden abgezogen (Saldo der abgeflossenen und zugeflossenen Altersrückstellungen: 1. Central2. Barmenia3. Allianz

Klar ist damit bisher nur, dass die Spanne in diesem Bereich sehr groß ist. Für Kunden wäre es wichtig zu wissen, wer vergleichsweise viel für Verwaltung und Provisionen ausgibt und wer sparsam haushaltet.

Harald Weinberg folgert aus den spärlichen Angaben der Regierung und der Branche: „Wer nicht will, dass erhebliche Teile seines Beitrags in die Verwaltung und an die Vermittler fließen, der sollte sich lieber gesetzlich krankenversichern. Die Bundesregierung will den Versicherten nicht mitteilen, wie hoch die Nebenkosten bei den einzelnen Gesellschaften sind, obwohl es erhebliche Unterschiede gibt.“

 

Private Krankenversicherung

Ein Fall für die Notaufnahme

Es gibt erst wenige Informationen über die neun Millionen PKV-Versicherten. Eine Auswertung der Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 zeigt, dass es sich bei den Privatpatienten um eine sehr heterogene Gruppe handelt. So heißt es in einem Bericht des Wissenschaftlichen Institutes der PKV.

Warum die PKV scheitern könnte
Private und gesetzliche Krankenversicherung konkurrieren vor allem um Selbstständige und besser verdienende Kunden. Die Privaten haben die Nase vorn, obwohl ihre Beiträge langfristig stärker steigen. Doch die Gesetzlichen repräsentieren mit mehr als 70 Millionen Versicherten nach wie vor die große Masse – entsprechend ist ihr politisches Gewicht. Demgegenüber sind nur neun Millionen Menschen vollständig privat versichert.
Die Krankenkassen werben ganz offen um die Abschaffung der Konkurrenz. Ein Beispiel war Jürgen Graalmann, der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. Sein Credo in einem Welt-Interview: „Die private Krankenversicherung kann nicht so weitermachen wie bisher. Ich halte das Geschäftsmodell der PKV in der Vollversicherung für gescheitert.“ Graalmann nennt dafür vier Gründe.
Die Beiträge in der PKV steigen immer weiter, monieren die Kritiker. In die Schlagzeilen geriet die PKV auch, weil manche Kunden unter extremen Erhöhungen leiden mussten. Zum Teil war die Ursache dafür eine verfehlte Geschäftspolitik der Versicherer und falsche Versprechen von Beratern.
Die Krankenkassen sehen die private Konkurrenz vor einem „immensen Kostenproblem“. Ursache ist: Die PKV-Unternehmen können die Kosten von Arzneimitteln nicht so gut drücken wie die Krankenkassen. Zudem rechnen Ärzte oft für Privatpatienten mehr ab als für Kassenpatienten. Zudem war der Druck, die Kosten im Griff zu halten, bisher geringer als bei den Krankenkassen.
Aus Umfragen schließen die Krankenkassen: Jeder dritte Privatpatient würde gerne zu einer gesetzlichen Krankenkasse wechseln. Vor allem ältere PKV-Kunden haben das Problem, dass sie im Rentenalter wahrscheinlich deutlich mehr als in der GKV zahlen.
SPD und Grüne haben mit einer Einheitsversicherung ein scheinbar attraktives Gegenmodell zur bisherigen Zweiteilung im Gesundheitswesen entworfen. AOK-Manager Graalmann kann damit gut leben, er sähe private und gesetzliche Anbieter dann als gleichberechtigte Wettbewerber.

Nur die Hälfte aller Privatversicherten gehört danach zu den Erwerbstätigen. Die Beamten bilden zwar die größte Personengruppe, aber ihr Anteil am gesamten PKV-Kollektiv beträgt lediglich 25 Prozent. Rund elf Prozent der Privatversicherten seien Arbeitnehmer.

Interessant ist dies: Nur 20 Prozent aller PKV-Versicherten hatten im Jahr 2008 Einnahmen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze (4.012,50 Euro pro Monat). Damit könne widerlegt werden, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohen Einkommen versichert sind, urteilen die Autoren. Die Zahlen bestätigen allerdings auch die Argumentation der Kritiker. Denn bei vergleichsweise niedrigem Einkommen erhöht sich das Risiko, dass PKV-Versicherte sich ihre Prämien im Alter nicht mehr leisten können.

Warum die PKV nicht untergeht
„Sozialpolitiker, Verbraucherschützer und gesetzliche Krankenkassen haben einen Feldzug zur Abschaffung der PKV gestartet und zu diesem Zweck die Medien instrumentalisiert“, kritisiert der Versicherungsexperte Arno Surminski in der Zeitschrift für das Versicherungswesen. „Offenbar soll die Bevölkerung in einer Art Vorwahlkampf für die nächste Bundestagswahl auf die von SPD und Gründen geforderte Bürgerversicherung eingestimmt werden.“ Er findet die Untergangsszenarien ungerechtfertigt und nennt dafür sechs Gründe.
Es wäre nicht das erste Mal, dass das Ende der PKV eingeläutet wird. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es immer wieder Konstellationen, in denen kein Pfifferling auf die PKV gegeben wurde. Ihr Überleben als reiner Zusatzversicherer war oft schon beschlossene Sache.
Die PKV ist für gewisse Bevölkerungsgruppe unverzichtbar. Zu ihren Verbündeten zählen Mediziner, die auf Privatpatienten angewiesen sind, weil sie von GKV-Leistungen allein kaum eine Praxis unterhalten können.
Fast die Hälfte der Privatversicherten gehört zur Gruppen der Beamten. Sie sind mit der jetzigen Regelung (Beihilfe plus Privatversicherung) gut bedingt und haben keine Neigung in eine Einheitsbürgerversicherung zu wechseln.
Altersrückstellungen sind eine Errungenschaft, die sich die anderen Systeme zum Vorbild nehmen sollten: Kapital ansparen in jungen Jahren, um aus diesen Mitteln die höheren Gesundheitskosten im Alter abzufangen.
Im Bereich der Altersrückstellungen funktioniert die PKV im Bereich der Gesundheitskosten wie die Lebens- und Rentenversicherung bei der Altersvorsorge. Jeder Zugriff auf die Altersrückstellungen verstößt gegen die Eigentumsgarantie des Grundgesetzes.
Das Nebeneinander von GKV und PKV hat große Vorteile für die Krankenversicherten in ihrer Gesamtheit. Der Wettbewerb der Systeme zwingt Privatunternehmen und Kassen, sich verstärkt um ihre Versicherten zu kümmern, sie möglichst nicht zu enttäuschen.

Kein Wunder also, wenn immer mehr ältere PKV-Versicherte Angst vor zu hohen Prämien im Alter haben, wie es auch Weinberg berichtet. Die Bundesregierung sehe keinen Änderungsbedarf an diesem System, könne aber auch nicht mit irgendwelchen Daten zeigen, dass es funktioniert, kritisiert Weinberg. Die Regierung gibt an, sie besitze keine Erkenntnisse über durchschnittliche Beitragshöhen abhängig vom Alter der Versicherten. Hier verweis die Regierung auf eine fast 17 Jahre alte Bundestagsdrucksache, hebt Weinberg hervor.

Zudem weiß die Regierung nicht, wie hoch das durchschnittliche Netto-Einkommen der Ruheständler in der PKV ist und welchen Anteil die Krankenversicherungsbeiträge an deren Einkommen ausmachen. „Vertuschen und verleugnen ist hier das Prinzip“, schimpft Weinberg.

Pro & Contra Gesetzliche Krankenversicherung
Solidargemeinschaft von Alten und Jungen, Gesunden und Kranken – die Risiken werden ständig gemischt.Quelle: wiwo.de
Kinder und nicht berufstätige Ehegatten sind kostenlos mitversichert
Viele Leistungen für Kinder sind bei der GKV vorgeschrieben, die die PKV nicht ohne höhere Beiträge bietet.
Pharmafirmen, Ärzte oder Kliniken bekommen feste Kostensätze erstattet – die Leistungserbringer können nicht pokern wie in der PKV und mehrfache Sätze abrechnen.
Von politischen Kostensenkungsmaßnahmen oder Kosten-Nutzen-Analysen profitieren die Versicherten, weil so die Beitragssteigerungen moderater ausfallen
Den Leistungskatalog bestimmt die Politik – das heißt: nichts ist sicher
Die monatlichen Beiträge werden von der Politik festgelegt – Kassen, die gut wirtschaften, können keine niedrigeren Beiträge anbieten
Die Politik bremst Kassen aus, die neue Ideen z.B,. bei Kooperationen oder im Krankheitsmanangement realisieren wollen.
Die GKV legt keine Altersreserven an, das Geld wird ausgegeben, wie es reinkommt

Weder Bundesregierung noch die Private Krankenversicherung hätten Daten darüber, ob sich Ruheständler die Privatversicherung noch leisten können oder ob sie zum Sozialamt müssen. Aber beide sagten, es gäbe kein grundsätzliches Problem.

 

Pro & Contra Private Krankenversicherung
Viele Tarife sind beim Abschluss des Vertrages deutlich günstiger als die Beiträge bei gesetzlichen Kassen.
Einmal vertraglich zugesicherte Leistungen bleiben erhalten. Die Politik mischt sich nicht in den Leistungskatalog ein. Zum Vergleich: Bei der GKV können Leistungen gestrichen werden, wie etwa die Zuzahlung für eine Brille.
Versicherte können ihren Leistungskatalog individuell zusammenstellen. Nicht nur Einbettzimmer, Chefarztbehandlung oder Zuzahlungen für Zahnbehandlung lassen sich optional absichern.
Der Leistungskatalog kann bei steigenden Kosten auf Wunsch des Versicherten verringert werden, um die Prämie zu senken.
Wenn der Versicherer gut gewirtschaftet hat, können Beitragsrückerstattungen anfallen.
Altersrückstellungen können die steigenden Kosten im Alter zumindest zu einem Teil auffangen. Trotzdem bleiben steigende Beiträge das Hauptproblem der PKV. Wie stark die Sätze steigen hängt stark an der Qualität des Tarifes.
Die Solidargemeinschaft unter den Versicherten greift nicht so stark wie in der GKV. Zumindest theoretisch spart jeder Versicherte einen Teil der Beiträge für sich selbst an.
PKV-Versicherte hängen an der Entwicklung aller in ihrem Tarif Versicherten. Wird der Tarif geschlossen für junge, gesunde Neuzugänge, überaltert die ganze Tarifgruppe und es wird teurer.
Das Hauptproblem für Privatversicherte: Die Beiträge für zunächst günstige Einstiegstarife können schnell steigen. Im Neugeschäft verteuerten sich die Tarife in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um fünf Prozent per anno.
Versicherte müssen die Abrechnungen selber bezahlen und bei der Versicherung einfordern.
Ärger mit Ärzten oder Kliniken, falls die aus Sicht der Versicherung überhöhte Rechnungen stellen.
Wer nicht kerngesund ist, muss je nach früherer oder akuter Krankheit sofort höhere Beiträge zahlen oder wird abgelehnt.
Keine Solidargemeinschaft unter den Versicherten – wer die Beiträge nicht mehr finanzieren kann, muss in den abgespeckten Basistarif seines Anbieters wechseln und seinen Ärzten jedes Mal erklären, dass er zwar privat versichert ist, der Arzt aber nur sehr begrenzt abrechnen kann.
Kinder und nicht berufstätige Ehefrauen sind nicht wie in der GKV automatisch und kostenlos mitversichert.
Viele Leistungen aus dem GKV-Katalog sind für PKV-Versicherte nicht ohne höheren Beitrag zu bekommen. Dazu zählen unter anderem Haushaltshilfen in Notfällen, spezielle Leistungen für Kinder oder Mutter-Kind-Kuren.
PKV-Versicherte gelten oft als überversorgt, weil zwecks Honorarabrechnung mehr Untersuchungen an ihnen praktiziert werden, als medizinisch nötig sind. Quelle: wiwo.de

Die PKV stellt zwar regelmäßig heraus, dass sie über ein hohes Niveau an Altersrückstellungen verfügt. Und auch, dass dies den Beitrag im Alter vermutlich dämpft. So stellte der Verbandschef der PKV, Reinhold Schulte, jüngst im Interview mit dem Spiegel fest: „Unsere mehr als 170 Milliarden Euro an Alterungsrückstellungen führen dazu, dass ab etwa 65 oder 70 Jahren die Beiträge nicht mehr mit dem Alter steigen, sondern oft sogar sinken.“

GKV gegen PKV: Was die Kämpfer fordern
Politiker, Manager und Ökonomen diskutieren seit Monaten über die Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland. Einige Auszüge.
Volker Leienbach, PKV-Verband: „Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei.
FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann fordert "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“.
Können die Versicherer überhaupt noch 3,5 Prozent am Kapitalmarkt erwirtschaften?Professor Jürgen Wasem: „Im Moment gelingt das noch, weil die Alterungsrückstellungen langfristig angelegt sind. Doch auf Dauer ist das zu bezweifeln, vor allem wenn die Kapitalmarktzinsen so niedrig bleiben wie derzeit. In der Lebensversicherung wurde daher der Garantiezins ja bereits auf 1,75 Prozent gesenkt.“
Jürgen Graalmann, Verbandschef der Krankenkassengruppe AOK:„Ich halte das Geschäftsmodell der PKV im Bereich der Vollversicherung für gescheitert.“
Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der größten Krankenkasse Barmer GEK:„Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme. Allerdings müssen die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen."
Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des mit 2,2 Millionen Vollversicherten größten privaten Krankenversicherers: "Die PKV ist die bessere Alternative im Gesundheitswesen.“ Laue beklagt eine „Anti-PKV-Propaganda, bei der Einzelfälle ohne Hintergründe und Beweise skandalisiert werden, um ein funktionierendes System Schritt für Schritt kaputt zu reden“.
Die Krankenkassen halten das Geschäftsmodell der PKV für gescheitert. Hat ihr letztes Stündchen bald geschlagen? Reinhold Schulte, Chef des PKV-Verbandes und des Versicherers Signal Iduna: „Jedes Jahr wechseln deutlich mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private Krankenversicherung als in umgekehrter Richtung. Gegenteilige Behauptungen sind absurd und nachweislich falsch. Wenn einzelne Vertreter gesetzlicher Krankenkassen versuchen, einen anderen Eindruck zu erwecken, ist das nicht seriös.“

Doch wie sich die Beiträge im Alter tatsächlich entwickeln, ist branchenweit nicht bekannt. Nur Marktführer Debeka, der in einer Sondersituation ist, liefert dazu bisher einige Informationen. Die Debeka stellt aufgrund einer Analyse ihrer Bestandsbeiträge fest, dass 90-jährige keinen höheren Beitrag als 65-jährige Versicherte zahlen.

"Die Beiträge sinken im Alter tendenziell“, stellt Vorstandsvorsitzender Uwe Laue fest. Durchschnittlich zahlten sowohl weibliche als auch männliche Arbeitnehmer und Selbstständige für einen umfassenden Versicherungsschutz auch im hohen Alter Monatsbeiträge von unter 500 Euro. Von Beitragsexplosionen im Alter könne also bei der Debeka keine Rede sein.

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Die Antworten der Regierung zur PKV

Allerdings ist fraglich, ob diese Angaben repräsentativ für die Branche sind. Das räumt Laue auch indirekt ein, indem er auf die Gründe für die stabilen Beiträge hinweist. Diese seien Resultat eines nachhaltigen Aufbaus von Alterungsrückstellungen, einer Konzentration auf nur ein Tarifwerk sowie einer konsequenten Ausrichtung auf die Kundeninteressen. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit sei die Debeka ausschließlich ihren Mitgliedern verpflichtet. Mit der Folge: Überschüsse bleiben im System und kommen den Versicherten zugute.

Damit weist die Debeka gleich eine Reihe von Besonderheiten auf. Etliche Konkurrenten sind daneben auch ihren Aktionären verpflichtet. Zudem ist es typisch für viele PKV-Unternehmen, regelmäßig neue Tarife auf den Markt zu bringen. Schließlich arbeitet die Debeka im Branchenvergleich besonders kostenbewusst.

PKV-Kritiker, wie die Grünen-Politikerin Biggi Bender, stellen zudem fest: „Die Altersrückstellungen der Branche reichen nicht annähernd aus, um den Beitragsanstieg im Alter in Grenzen zu halten.“ Man müsse bedenken, dass es derzeit noch gar nicht viele Hochbetagte in der PKV gibt. Denn die Älteren seien bisher relativ schnell wieder weg aus der PKV gewesen, wenn ihre Beiträge im Alter das GKV-Niveau erreichten oder überschritten. „Die eigentliche Welle von Älteren kommt jetzt erst in der PKV an. Die Folge wird sein: ständig steigende Prämien.“

Doch wie stark die Prämien tatsächlich steigen, ist nicht bekannt. Dazu gibt es auch nur vereinzelte Informationen der Gesellschaften und einige bruchstückhafte Auswertungen von Branchenexperten. Klar ist nur, dass die PKV-Beiträge langfristig im Schnitt eher stärker steigen als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Und dass Angestellte eher mehr zahlen als Beamte.

 

Im Jahr 2011 seien rund 157.600 Versicherte aus der PKV in die GKV gewechselt, heißt es im Zahlenbericht der PKV. Diese Personen hätten völlig umsonst Alterungsrückstellungen gebildet, denn mit dem Wechsel zurück zu den Krankenkassen verfällt dieses Geld, das jahrelang als Prämie gezahlt wurde, stellt Weinberg fest.

Von dem Geld, auf das Wechsler verzichten, profitieren im Prinzip diejenigen, die im Kollektiv zurückbleiben. Doch mehr als die Höhe der Wechsler weiß auch die Bundesregierung über diese Gruppe nicht. Die Zahl derer, die zwischen verschiedenen PKV-Unternehmen wechseln und die dabei auch auf Altersrückstellungen verzichten, kennt die Regierung ebenfalls nicht.

Weinberg stellt aufgrund dieser Antwort fest: Viel größer dürfte noch die Zahl derer sein, die das Versicherungsunternehmen nicht wechseln, weil sie ihre Alterungsrückstellungen nicht mitnehmen können und damit erhebliche Beitragssteigerungen verbunden wären.

Fazit: Mehr Informationen über diese Wechsler und ihre Motive wären interessant, um zu beurteilen, wer in dem Meinungsstreit um ältere Versicherte richtig liegt. So steht oft Meinung gegen Meinung, ohne dass beide Seiten auf fundierte Erkenntnisse verweisen können. PKV-Interessenten können sich kein wirklich fundiertes Urteil bilden.

 

Seit ein paar Jahren tobt der Streit zwischen Versicherern und Verbraucherschützern um die beste Beratung. Eine Kernfrage dabei lautet: Bezahlt der Kunde über eine Provision oder ein Honorar seinen Berater? Die Versicherer beharren auf der Beratung gegen Provision, weil sie davon ausgehen, dass die Kunden in der Masse nicht bereit wären, ein vorher vereinbartes Honorar zu zahlen.

Zudem ist die Provisionsberatung in vielen Fällen für die Vermittler sehr angenehm, weil sie keine separate Rechnung stellen müssen, sondern ihr Lohn mit den ersten Beiträgen gezahlt wird. Umfragen ergaben: Viele Kunden wissen oder merken daher gar nicht, was sie eigentlich an den Vermittler zahlen, auch wenn sie das heute in vielen Fällen im Vertrag nachlesen können.

Viele Wechsler in die PKV seien sich der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst, stellt Weinberg fest. Auch hierzu erhalte er viele Zuschriften. „Unseres Erachtens liegt das unter anderem daran, dass die einzige Beratung zu einem Wechsel in die PKV durch den Versicherungsvermittler stattfindet, der auf Provisionsbasis arbeitet.“ Dies sehen auch viele Verbraucherschützer so, sogar innerhalb der Branche kommt Kritik auf.

Umdeckungen innerhalb der PKV verursachten für die Branche insgesamt keinerlei Mehrwert, sondern nur Kosten, mahnt der Branchenexperte und ehemalige PKV-Ombudsmann Arno Surminski. „Denn jeder Wechsel muss mit Provisionen bezahlt werden.“

Dadurch kannibalisiere sich die Branche selbst. Deshalb sollte die PKV überlegen, ob bei Wechseln innerhalb des Systems nicht generell auf Provisionen verzichtet wird. „Es sollte keine Belohnung dafür geben, dass der Vertrieb diesen Wechsel fördert.“

Die Bundesregierung ist anderer Ansicht, wie ihre Antworten auf die Fragen 22 und 23 zeigen. Sie hat zwar keine tiefer gehenden Erkenntnisse dazu, geht aber „davon aus, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ausführlich über Vor- und Nachteile informieren und erst dann wechseln“.

Weinberg und andere schlagen eine unabhängige Beratung vor. Diese könnte verpflichtend sein. Doch dazu äußert sich die Regierung nicht ausdrücklich. Sie verweist nur auf frühere Antworten, wonach die Bürger sich wohl schon richtig informieren würden.

Die Erfahrung der Verbraucherschützer ist jedoch in vielen Fällen völlig anders. Ein Muster, das sie feststellen: Die Menschen werden durch niedrige Beiträge in die PKV gezogen, ohne jedoch die komplexen Regeln zu durchblicken. Erst im Laufe der Jahre merken sie, was los ist und müssen sich dann mühsam PKV-Wissen aneignen. Der Weg zurück in die GKV ist in vielen Fällen dann schon verbaut.

Eine unabhängige Beratung könnte solche Risiken aufzeigen – ohne Interesse an der Vermittlung eines Vertrages. Das wäre im Sinne des Verbrauchers, der eine wichtige Entscheidung gut informiert treffen möchte. Der Nachteil für die Branche: Die Hochdruck-Verkäufer würden dann wohl nicht mehr so leichtes Spiel haben, schlecht informierte Kunden in die PKV zu ziehen. Weinberg ist jedenfalls sicher: Bei einer verpflichtenden unabhängigen Beratung über die Vor- und Nachteile der privaten Krankenversicherung würde kaum jemand mehr in die PKV wechseln.

 

Ein Vorteil der PKV ist, dass die Kunden genau wählen können, wie gut ihr Schutz sein soll. Wer nur das Nötigste möchte, zahlt weniger. Wer gegen die meisten Eventualitäten abgesichert sein möchte, zahlt entsprechend mehr.

Grundsätzlich trägt die PKV dabei das Bild vor sich her, dass der private Schutz höherwertig ist. Ihre Kunden seien also besser geschützt als in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). In einem Bereich, den stark verkauften Billigtarifen, dürfte dies jedoch sehr oft nicht der Fall sein. Diese Tarife sind häufig eher löchrig.

Wie viele Kunden jedoch tatsächlich Verträge haben, die unter dem GKV-Niveau liegen, ist nicht bekannt. Das räumt auch die Bundesregierung ein. Sie verfügt über keine Erkenntnisse. Gerade mit Leistungsausschlüssen, etwa weil sie weniger zahlen wollen, können Privatpatienten ihren Krankenschutz jedoch entscheidend durchlöchern.

 

Wie gut Kunden die Risiken kennen
Risikozuschläge gibt es nur in der PKV. Der Kunde zahlt zum Beispiel mehr, wenn er Vorerkrankungen hat. Wie viele PKV-Kunden bewusst Leistungen ausschließen, um für alte Krankheiten nicht mehr zu bezahlen, ist nicht bekannt.

Fazit: Bei Leistungsausschlüssen und Risikozuschlägen wären mehr Informationen hilfreich, damit PKV-Interessenten oder PKV-Wechsler Leistungen und Prämie besser vergleichen können – auch im Verhältnis zur GKV. Angesichts der Fülle von Behandlungsmethoden und Heilbereichen dürften viele Kunden überfordert sein, GKV- und PKV-Schutz ohne fremde Hilfe zu vergleichen.  

Das heißt: Das Risiko, krank zu werden und dabei finanziell drauf zu zahlen, kennen viele vermutlich nur ungefähr. Mehr Informationen – ob nun für Branchenexperten oder Endkunden – könnten die Transparenz in dieser schwierigen Branche erhöhen.

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Die Antworten der Regierung zur PKV im Original:

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