Health-i Sonderpreis 2025: Organe aus dem 3D-Drucker
Hamburg/Düsseldorf. Der Gedanke klingt nach Science-Fiction, ist aber längst im Labor angekommen. Das Berliner Biotech-Start-up Cellbricks entwickelt Gewebeimplantate aus dem 3D-Drucker. Das Ziel: Eines Tages menschliche Organe herstellen zu können, um Patientinnen und Patienten zu helfen, die heute oft jahrelang auf ein Spenderorgan warten. Für diese visionäre Arbeit wurde Alexander Leutner, Mitgründer und CEO des Unternehmens, zur Health-i Persönlichkeit des Jahres 2025 gekürt.
„Wir machen stetig Fortschritte“, sagt Leutner im Gespräch. „Unser Durchbruch war, dass wir erstmals zeigen konnten, dass 3D-gedrucktes Gewebe im Organismus funktioniert.“ In Versuchen an Mäusen gelang es dem Team, Fettgewebe zu implantieren, das vom Körper angenommen wurde. Die nächsten Schritte sind nun Tests an Schweinen – bevor klinische Studien am Menschen beginnen können.
Schicht für Schicht zum funktionierenden Gewebe
Der Weg dorthin ist komplex: Zunächst werden digitale Modelle des gewünschten Gewebes erstellt. Anschließend kombinieren die Forschenden lebende menschliche Zellen mit speziell angepassten Biomaterialien. „Dadurch geben wir den Zellen ein Haus“, erklärt Leutner. „Dieses Haus bauen wir mit unserem 3D-Bioprinter Schicht für Schicht auf – bis ein funktionales Gewebe entsteht.“ So entstehen Zellimplantate, die langfristig zu vollwertigen Organen weiterentwickelt werden könn(t)en.
→ Zum Artikel über die Preisverleihung wechseln Foto: Marc-Steffen Unger
Cellbricks verfolgt dabei zwei Entwicklungsprogramme: Zum einen sogenannte Fettimplantate, die bei der Wundheilung helfen sollen und in wenigen Jahren in klinischen Studien getestet werden. Zum anderen erforscht das Team den Nachbau von Lebergewebe – ein Schritt auf dem Weg zur Herstellung ganzer Organe.
Die Jury des Health-i Awards, eine Initiative von Handelsblatt und Techniker Krankenkasse, begründet ihre Entscheidung so: „Mit diesem Sonderpreis möchten wir eine Persönlichkeit auszeichnen, die nicht nur an der Zukunft arbeitet – sondern sie neu denkt.“
Standortfrage: Deutschland vs. USA
Leutners Antrieb ist nicht nur technologischer Natur, sondern auch persönlich. Sein Bruder wartete selbst auf ein Spenderorgan. „Wenn man das in der Familie erlebt, versteht man, wie groß der Bedarf ist und wie wenig sich in der Transplantationsmedizin über Jahrzehnte entwickelt hat“, sagt er.
Trotz der Fortschritte muss Cellbricks auch einige Hürden überwinden: lange Genehmigungsprozesse, regulatorische Vorgaben, begrenzter Zugang zu Kapital. „In den USA dauert die Genehmigung einer Tierversuchsstudie sechs Wochen, bei uns gerne mal ein Jahr“, sagt Leutner. Dennoch will er den Standort Deutschland nicht aufgeben. „Wir versuchen, so lange wie möglich hier zu bleiben und idealerweise gelingt es uns, unseren Hauptsitz in Berlin zu halten.“ Leutner sieht in Deutschland nicht nur einen Forschungsstandort, sondern auch das Potenzial, ein Leitmarkt für regenerative Medizin zu werden. Die Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Entfaltungsmöglichkeiten positiv entwickeln.
Trotz persönlicher Auszeichnung will der Cellbricks-CEO den Health-i Award nicht allein für sich reklamieren. „Das ist eine Auszeichnung, die unserem ganzen Team gehört“, sagt er. Die Cellbricks-Vision bleibt ehrgeizig – aber nicht abgehoben: Schritt für Schritt, von Fettgewebe über kleine Leberimplantate bis hin zu vollwertigen Organen. Was heute noch futuristisch klingt, soll morgen Leben retten.