Immobilien-Blick: Der Weg zu einem grünen Gebäudebestand ist noch weit
Düsseldorf. Nachhaltige Gebäude mit einem geringen CO2-Ausstoß sind bei Investoren und Nutzern gefragt. Allerdings hindern Kosten und fehlende Standards die Branche, die Dekarbonisierung des Gebäudesektors konsequent voranzutreiben. Das zeigt der Nachhaltigkeitsbericht der Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS), eines Berufsverbands für Immobilienfachleute.
Wie die Baubranche grüner werden kann, diskutierte in dieser Woche auch die Allianz für Transformation. An dem Treffen nahmen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft teil. Sie tauschten sich darüber aus, wie die Kreislaufwirtschaft in der Branche etabliert werden kann.
Nachhaltigkeit wird noch nicht konsequent durchgesetzt
Zirkuläres Bauen kann einen erheblichen Beitrag leisten, den CO2-Ausstoß von Gebäuden zu senken und Ressourcen zu schonen: Bleiben Baumaterialien in ihrer Qualität erhalten und werden konsequent weiterverwendet, anstatt sie nach dem Abriss eines Gebäudes zu entsorgen, sinkt der CO2-Ausstoß deutlich. Die Bundesregierung will mit gezielten Projekten wie etwa der Holzbauinitiative und der Entwicklung eines digitalen Gebäuderessourcenpasses das nachhaltige Bauen voranbringen.
Allerdings dürfte das noch ein weiter Weg sein, denn Maßnahmen für ressourcensparende und energieeffiziente Gebäude werden noch nicht konsequent umgesetzt: Die Dekarbonisierung sei im Immobiliensektor noch zu langsam und nicht ausreichend effektiv, die Klimaziele seien so nicht zu erreichen, sagte Susanne Eickermann-Riepe, Vorsitzende des RICS European World Regional Board. Sie stellte ebenfalls in dieser Woche den aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Berufsverbandes für Immobilienfachleute vor.
Auch Eickermann-Riepe sprach sich unter anderem für eine Kreislaufwirtschaft in der Branche und eine Dokumentation der CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes aus.
Sie stützt sich bei ihren Aussagen auf die Ergebnisse des Nachhaltigkeitsreports, für den weltweit 4000 Immobilienexperten befragt wurden. So gaben zum Beispiel 43 Prozent der Experten aus der Baubranche an, dass sie das in den Projekten gebundene CO2 nicht ermitteln. Gemeint sind damit die Emissionen, die bei der Produktion der Baustoffe und während des Baus anfallen.
Interesse an grünen Gebäuden steigt
Auch wenn das Messen und Dokumentieren von CO2-Emissionen noch nicht branchenweit etabliert ist und ein Drittel der Befragten gemeinsame Normen und Definitionen sowie fehlende Standards als Hindernisse für weitere Investitionen sehen: Das Interesse von Investoren und Nutzern an grünen Gebäuden steigt, besonders in Deutschland und Europa.
Hierzulande gaben 84,5 Prozent der für den RICS-Report Befragten an, dass das Interesse der Investoren an nachhaltigen Immobilien in den vergangenen zwölf Monaten zugenommen hat. Europaweit waren es 77 Prozent, weltweit etwas mehr als die Hälfte. Ähnlich fallen die Antworten zum Mieterinteresse an nachhaltigen Immobilien aus.
Haupthindernis für den Erwerb grüner Gebäude sind für fast drei Fünftel der Befragten die hohen Anschaffungskosten. Für 40 Prozent sind fehlende Belege für eine Kapitalrendite sowie der Mangel an Daten zu den Vorteilen nachhaltiger Gebäude entscheidende Probleme.