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Arbeitsplätze 15 Prozent mehr Stellenausschreibungen als vor Corona: Wen die Firmen jetzt suchen

Ingenieure, IT-Spezialisten, Finanzexperten: Zahlen von Jobbörsen zeigen, welche Branchen gerade suchen. Selbst die Corona-Verlierer stellen ein – wenn sie Personal finden.
01.07.2021 - 09:12 Uhr Kommentieren
Die Jobbörse Stepstone zählt besonders viele Vakanzen für Ingenieure. Quelle: thisisengineering-raeng/Unsplash
Ingenieur

Die Jobbörse Stepstone zählt besonders viele Vakanzen für Ingenieure.

(Foto: thisisengineering-raeng/Unsplash)

Düsseldorf Wenn die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag ihre monatliche Statistik präsentiert, wird die Zahl der Arbeitslosen um 68.000 auf 2,62 Millionen sinken. Das prognostiziert zumindest die Jobbörse Stepstone.

Die Düsseldorfer sagen seit Monaten die Arbeitsmarkt-Statistik voraus und weichen von den offiziellen Zahlen oft nur minimal ab. Das belegt, wie umfassend die Daten sind, die Stepstone von Firmen und Jobsuchenden auf der Plattform bekommt.

Diese Zahlen zeigen auch, welche Berufsgruppen gerade gefragt sind. Grundsätzlich gilt: Weil immer mehr Menschen gegen Covid-19 geimpft sind und nahezu alle Branchen öffnen, suchen die Betriebe wieder häufiger nach Personal. Verglichen mit dem Vorkrisenniveau zählt Stepstone 15 Prozent mehr Stellenausschreibungen, Konkurrent Indeed kommt auf ein Plus von elf Prozent.

Den Aufwärtstrend bestätigt auch das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das mit 107,4 Punkten ein Allzeithoch erreicht hat. „Die Arbeitsagenturen haben noch nie eine so starke Verbesserung der Arbeitsmarktlage erwartet“, sagt IAB-Ökonom Enzo Weber. Die Infektionszahlen in Deutschland seien niedrig und die Weltkonjunktur ziehe an: „Jetzt ist das Zeitfenster da für eine starke Arbeitsmarkterholung.“

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    Selbst die Verliererbranchen der Coronakrise gehören zu den neuen Gewinnern des Jobmarktes. Diese täten sich zwar weiterhin schwer, „aber auch dort ist die Talsohle durchschritten und die Zeichen stehen auf Erholung“, sagt Indeed-Deutschlandchef Frank Hensgens.

    Tourismus und Luftfahrt erholen sich und suchen Beschäftigte

    So ist die Zahl der Stellenangebote auf Indeed im Bereich Tourismus zwar immer noch um ein Zehntel niedriger als vor dem Ausbruch der Pandemie. Doch jüngst hat die Nachfrage wieder angezogen: Seit Mitte Mai zählt die Jobplattform für die Branche 23 Prozent mehr Stellenanzeigen. Ähnlich stark ist der Anstieg auch in der Gastronomie.

    Zum Vergleich: Über alle Branchen gesehen, stieg die Zahl der Offerten im vergangenen Monat um vier Prozent. Überdurchschnittlich wuchs mit 27 Prozent auch der Bereich Sport, etwa weil Fitnesstrainer oder Schwimmlehrer in den wiedergeöffneten Studios, Schwimm- und Freibädern gebraucht werden.

    Selbst die krisengebeutelte Luftfahrt ist wieder auf Personalsuche. Indeed zählt im Monatsvergleich drei Prozent mehr Jobangebote. So hat etwa die Lufthansa-Tochter Eurowings 250 Stellen für Flugbegleiter ausgeschrieben.

    Aufschwung könnte von Fachkräftemangel gebremst werden

    Es gibt jedoch ein Problem: Airlines, Flughäfen und Bodendienstleister dürften wegen der vielen Flugbuchungen schon bald vor einem personellen Engpass stehen. Zwar können die Unternehmen Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückholen. Es ist aber fraglich, ob das ausreicht. Denn viele Beschäftigte haben sich während der Krise beruflich neu orientiert.

    Über fehlende Fachkräfte klagen auch Hotels, Gaststätten und Touristikbetriebe. „Besonders Köche und qualifiziertes Servicepersonal fehlen beim Neustart“, sagt Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Branchenverbands Dehoga. Insgesamt neun Monate Lockdown hätten etliche Mitarbeiter zweifeln lassen, ob sie noch eine Zukunft in der Branche haben.

    Der Fachkräftemangel wird für die gesamte Wirtschaft zum Risiko. Indeed-Manager Hensgens warnt: „Wir haben einen Arbeitskräftemangel über alle Qualifikationsniveaus und Bereiche hinweg.“ Schon jetzt sei klar, dass sich der Wettstreit um Talente nach dem Ende der Pandemie nochmals verschärfen werde, allein schon aus demografischen Gründen.

    Grafik

    Mit dem Sommer und den niedrigen Inzidenzen sind wieder jene Probleme sichtbarer, die den Arbeitsmarkt schon vor der Pandemie beschäftigt haben. „Der Mangel an Fachkräften bremst sicherlich bei vielen Firmen den Aufschwung“, sagt Ifo-Ökonom Klaus Wohlrabe. Es seien teilweise genügend Aufträge da, die dann entweder nicht angenommen oder nur langsamer abgearbeitet werden können, weil das entsprechende Personal fehle.

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    Allein die 30 Dax-Firmen haben 14.000 Stellen vakant, wie eine Handelsblatt-Umfrage schon Anfang Juni gezeigt hat. Die Unternehmen suchen vor allem jene Profile, die rar auf dem Arbeitsmarkt – und besonders häufig auf den Jobportalen offeriert sind.

    Ingenieure, IT-Fachkräfte und Finanzexperten gesucht

    Besonders viele offene Stellen zählt Stepstone bei Ingenieuren und in technischen Berufen. 18,3 Prozent aller Stellenausschreibungen im April und Mai entfielen auf diese Berufsgruppen. Gerade Projektmanager, Elektro- oder Servicetechniker sind gefragt.

    Indeed-Zahlen bestätigen: Seit Februar 2020, also kurz vor Ausbruch der Pandemie, zählt die Jobplattform 21 Prozent mehr Ausschreibungen für Wirtschaftsingenieure. Auch die Dax-Konzerne suchen akribisch nach solchen Profilen: Henkel braucht Prozess- und Chemieingenieure, BASF sucht Spezialisten für Produktion und Technik.

    Es gibt Jobprofile, bei denen sich trotz Krise kaum oder nur wenig geändert hat: So sind IT-Fachkräfte branchenübergreifend gefragt. Gut 16 Prozent aller Stepstone-Stellen entfallen auf sie. Besonders gesucht: Softwareentwickler, Systemadministrationen oder SAP-Berater. Laut Indeed gibt es seit Beginn der Pandemie ein Fünftel mehr Stellengesuche für Softwareentwickler, bei ITlern beträgt das Plus 14 Prozent.

    So will Volkswagen in den kommenden Jahren 9000 Stellen in den Bereichen Software und Digitalisierung neu schaffen. BMW interessiert sich ebenfalls für Beschäftigte mit Kompetenzen in diesen beiden Bereichen. Und Continental braucht KI-Experten.

    Fast ein Zehntel aller Stepstone-Stellen entfällt auf die Berufsgruppe Vertrieb und Verkauf (insbesondere Innendienst, Außendienst, Kundenservice).

    Und gut sieben Prozent auf den Bereich Finanzen (vor allem Finanzbuchhaltung, Controlling, Steuern, Prozessmanagement). Für Finance-Experten zählt Indeed seit Krisenbeginn 22 Prozent mehr Offerten. So hat die Deutsche Bank Jobs im regulatorischen Umfeld ausgeschrieben, etwa in den Bereichen Risikomanagement und bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität.

    Logistik und Handwerk boomen weiter

    Durch die Krise suchen vor allem Firmen im Gesundheitswesen. Allein der Klinikbetreiber Fresenius hat 2700 Vakanzen, so viele wie niemand sonst im Dax. „Ein erheblicher Personalbedarf besteht bei Jobs, deren Relevanz gerade in der Pandemie deutlich geworden ist“, sagt Stepstone-Arbeitsmarktexperte Tobias Zimmermann.

    Das gilt auch für den Boombereich Einkauf, Materialwirtschaft und Logistik. Knapp sechs Prozent aller Stepstone-Stellen fallen in diesen Bereich, viele Offerten gibt es für Einkäufer, Lagerlogistiker und Dispositionsexperten. Die Indeed-Auswertung bestätigt: Die Zahl der Logistikstellen ist während der Coronakrise um ein Fünftel gestiegen. Im Dax profitiert davon vor allem die Post: Allein in diesem Jahr hat der Konzern in den Bereichen Transport, Sortierung und Zustellung mehr als 9000 Beschäftigte eingestellt.

    Viele Vakanzen gibt es auf Stepstone auch im Bereich Marketing und Kommunikation (vor allem Onlinemarketing, Unternehmenskommunikation, Redaktion) und bei Handwerk, Dienstleistung und Fertigung (insbesondere Mechaniker, Monteure und Elektriker und Sanitär-, Heizungs- und Klimaspezialisten). Auch Indeed sieht im Vor-Krisen-Vergleich 20 Prozent mehr Jobofferten im Bereich Bauwesen.

    Mitarbeit: Jens Koenen, Frank Specht, Katrin Terpitz

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