Beamtentum: „Wir sind stark reguliert und eingeschränkt“
- Eine Karriere im öffentlichen Dienst ist für viele Menschen attraktiv, gerade in der Generation Z. Und die Zahl der beim Staat Beschäftigten steigt kontinuierlich – genauso wie der Personalbedarf.
- Der Wirtschaftsweise Martin Werding hält eine grundlegende Reform des Beamtentums für notwendig. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, wie sie aussehen könnte.
- Ob als Referentin, Sachbearbeiter, Diplomatin oder Lehrer: Beim Staat werden Jobsuchende mit unterschiedlichen Hintergründen fündig. Für ein Jobprofil ist der Personalbedarf besonders groß.
- Doch rechnet sich eine Karriere als Beamter im Vergleich zur Privatwirtschaft? Eine exklusive Modellrechnung macht anhand eines Beispiels deutlich, welcher Karriereweg sich mit Blick auf das Lebenseinkommen mehr lohnt.
Berlin. Feierabend um Punkt fünf Uhr, gemächliches Arbeitstempo, Jobsicherheit: An all das dachte Silke Lehnhardt nicht, als sie 2021 von der Topmanagerin zur Amtsleiterin wurde. Sie wollte nur eins, sagt sie: sinnstiftend arbeiten, etwas für die Gesellschaft tun. Und zwar im Amt für Innovation, Organisation und Digitalisierung der Stadt Wiesbaden.
Lehnhardt hatte jahrzehntelang erst in den Führungsetagen von Lufthansa und Telekom gearbeitet, war unter anderem Vorständin bei Lufthansa Cargo gewesen. Danach wurde sie selbstständige Interimsmanagerin. Zum Ende ihrer Karriere habe sie noch einmal etwas Neues ausprobieren wollen. In den öffentlichen Dienst ging sie in einer Phase ihres Arbeitslebens, „in der man Geld auch mal etwas relativieren kann“.
Für die Amtsleiterin mag die Hoffnung auf Sicherheit, Planbarkeit und geringe Belastung nicht die entscheidende Rolle gespielt haben. Für viele andere Menschen machen diese vermeintlichen Traumbedingungen den Reiz des Staates als Arbeitgeber aus. „Der öffentliche Dienst ist attraktiv“, sagt Rainer Bernnat, der bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC für den öffentlichen Sektor zuständig ist.