Bewerber: Wie zeitgemäß ist das klassische Anschreiben noch?
Ein Anschreiben kann Kopfzerbrechen bereiten.
Foto: imago images/agefotostockDüsseldorf. Jürgen Hesse kann getrost als „Bewerbungskoryphäe“ bezeichnet werden. Seit mehr als 40 Jahren schreibt er zusammen mit seinem Co-Autor Hans Christian Schrader Bücher über das Arbeitsleben und vor allem zu Bewerbungen. Außerdem coachen die beiden Bewerber.
Aktuell, sagt Hesse, sorgt vor allem ein Faktor dafür, dass sich die Regeln ändern, nach denen Bewerber lange spielen mussten: der Fachkräftemangel. Der um sich greifende Personalmangel hat zur Folge, dass Kandidaten sich selbstbewusster präsentieren und neue Schwerpunkte setzen können – und dass Personaler einige Dinge verzeihen, die zuvor als No-Gos galten.
Doch was bedeutet diese Entwicklung für den Angstgegner vieler Bewerberinnen und Bewerber – das Anschreiben? Im Handelsblatt-Interview verrät Jürgen Hesse, wie heute ein hervorragendes Bewerbungsschreiben aussieht, in welchem Fall es überhaupt eines braucht, womit Kandidaten bei der Bewerbung Pluspunkte sammeln – und was sie von Liebesbriefen lernen können.
Lesen Sie hier das Interview mit Jürgen Hesse zu Bewerbungsschreiben, Bewerbung und Jobsuche:
Herr Hesse, 2016 haben Sie mit Ihrem Co-Autor Hans Christian Schrader das Buch „Das perfekte Anschreiben“ publiziert. Was hat sich seitdem geändert? Gibt es Tipps, die Sie heute nicht mehr geben würden?
Heute würde ich sagen: Machen Sie sich nicht so viele Gedanken über das Anschreiben. Früher war das Anschreiben viel wichtiger. Heute ist es eher eine Vorspeise oder eine Nachspeise in der Bewerbung. Die Hauptspeise ist der Lebenslauf. Personaler wollen schnell wissen, mit wem sie es zu tun haben. Also ob Sie gerade als Ingenieur bei einem Großkonzern arbeiten oder sich als Freigänger aus dem Knast heraus bewerben.