Dienstreisen: 880 Euro gegen die Panik: Hilft ein Wochenendseminar, um Flugangst zu besiegen?
Fast jeder zweite Deutsche leidet unter Flugangst oder fühlt sich im Flieger unwohl.
Foto: Kevin Woblick/UnsplashMünchen. Das Drama spielt sich in den Reihen 17 bis 19 ab. Eine Frau klammert sich an ihren Sitz, ihr laufen Tränen über die Wangen. Der Informatiker vor ihr hat schweißnasse Hände, er atmet konzentriert. Für die meisten Menschen an Bord des Airbus A321 ist LH 2070 ein normaler Linienflug, der sie von München nach Hamburg befördert. Doch für zwölf Passagiere ist es der Abschluss eines zweitägigen Seminars, mit dem sie ihre größte Panik besiegen wollen: die Flugangst.
30 Stunden zuvor liegen Postkarten aus allen Kontinenten in einem Seminarraum am Flughafen – von früheren Teilnehmern. Sie sollen die neun Frauen und drei Männer motivieren, die alle mit verschränkten Armen im Stuhlkreis sitzen. Ein Informatiker von Audi erzählt, dass er nur Projekte im Inland betreuen könne. „Ich hasse, dass ich mich wegen meiner Flugangst beruflich so einschränken muss.“
Wegen der Pandemie lag die Luftfahrt am Boden. Doch durch die Lockerungen heben nun wieder mehr Jets ab – und eine fast vergessene Angst kehrt zurück: 13 Prozent der Deutschen leiden unter Flugangst, weitere 26 Prozent fühlen sich über den Wolken zumindest unwohl, zeigte eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach schon vor der Pandemie.