Kamala Harris: Wieso Frauen erst in Krisen an die Macht kommen
Düsseldorf. Joe Biden? War gestern. Die USA schauen auf Kamala Harris, die für die Demokraten doch noch Donald Trump bei den US-Präsidentschaftswahlen im November schlagen soll.
Harris ist weiblich und zudem afroamerikanischer und asiatisch-amerikanischer Herkunft. Ist es nur ein Zufall, dass eine schwere Krise ihr zur Präsidentschaftskandidatur verhelfen könnte? Vielleicht nicht, glaubt Managementforscher Max Reinwald. Die Umstände seien vielmehr typisch für ein Phänomen, das es in der Unternehmensführung gibt und das Frauen strukturell diskriminiert.
Reinwald ist Assistant Professor am „Institute for Leadership and Organization“ der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er forscht zu Unternehmensführung, Management und Diversität. Im Interview erklärt er, was es mit dem Phänomen der „gläsernen Klippe“ auf sich hat und warum es nicht immer gut ist, wenn Frauen in Führungspositionen geraten.
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Herr Reinwald, Sie forschen zu Wechseln in der Unternehmensführung. Wenn die Geschäfte rundlaufen, dann bleiben die Männer an der Spitze. Und sobald eine Krise kommt, müssen Frauen den Laden schmeißen?
Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Aber die Tendenz sehen meine Kollegen Johannes Zaia, Florian Kunze und ich tatsächlich in den Daten. Es gibt zwar meist im Vorstand von Krisenunternehmen immer noch mehr Männer als Frauen. Doch Frauen haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, an eine Top-Führungsposition zu kommen, wenn das Unternehmen in einer Krise steckt. In der Organisationsforschung nennt man das den Glass-Cliff-Effekt, wir sprechen von einer „gläsernen Klippe“. Der Begriff stammt von den Sozialpsychologen Michel Ryan und Alexander Haslam aus dem Jahr 2007. Wer auf der gläsernen Klippe steht, sieht den Abgrund deutlicher unter sich. Das heißt, die Gefahr des Absturzes wird noch mal klarer und eindrücklicher.