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Gastkolumne Die Vorstandsvorsitzenden wirken omnipräsent – Macht Presse Macht?

Wirtschaftsmedien fördern ihre sehr eigene Art der Corporate Governance. Das wirft ein falsches Licht auf die Aufsichtsräte, die wenig Beachtung finden.
18.01.2021 - 09:37 Uhr Kommentieren
Zeitungsberichte suggerieren, der Vorstand würde dem Aufsichtsrat die Richtung vorgeben – dem ist nicht so, meint Manuel René Theisen. Quelle: Reuters
Roland Busch und Joe Kaser

Zeitungsberichte suggerieren, der Vorstand würde dem Aufsichtsrat die Richtung vorgeben – dem ist nicht so, meint Manuel René Theisen.

(Foto: Reuters)

Nicht nur in Krisenzeiten wundert sich Otto Normalleser darüber, dass der Aufsichtsrat so wenig Beachtung in der Wirtschaftspresse findet. Und wenn das zweite Organ deutscher Kapitalgesellschaften dort in Erscheinung tritt, dann nahezu ausnahmslos mit negativer Konnotation: Versagt, geschlafen, inkompetent, überflüssig sind da einige der gebetsmühlenhaft bemühten Adjektive.

Dieser Eindruck, die Richtigkeit der Beobachtung unterstellt, überrascht. Der Aufsichtsrat ist nicht nur zentrales Überwachungsorgan und damit zuständig für das Wohl und Wehe des Vorstandshandelns in den großen Unternehmen. Sondern er hat auch die exklusive Personalverantwortung für die Führungselite, von der Einstellung bis zum Rausschmiss. Der historische Gesetzgeber hat damit dem weitgehend nur nach innen gerichteten Aufsichtsratshandeln eine zentrale Funktion zugeordnet: Wer bei der Auswahl und Besetzung sowie Zusammensetzung von Führungsteams patzt oder versagt, der kann später häufig nur mehr reagieren und reparieren. Diese Kompetenz sollte hinreichend Gewicht generieren, um eine dauerhafte Präsenz und Kommentierung des Überwachungshandelns in der die Öffentlichkeit informierenden Wirtschaftspresse zu sichern. Sollte man meinen.

Die Praxis sieht anders aus: Der Vorstandsvorsitzende „dünnt den Vorstand aus“, tönte zum Beispiel eine Personalie-Meldung in einer süddeutschen Zeitung, „Er räumt weiter auf [...] und präsentiert dem Aufsichtsrat den Nachfolger.“ Und vom Allianz-Vorstandsvorsitzenden Oliver Bäte weiß ein Hochglanzmagazin sogar jüngst zu berichten: „Er wechselte […] den Vorstand einmal komplett aus und füllte ihn mit eigenen Gefolgsleuten wieder auf.“ Klare Sache: ein starker Mann, der auf seinen Aufsichtsrat hustet – so die wenig kaschierte „Message“. Und vom neuen Siemens-Vorstandsvorsitzenden Roland Busch wusste eine Sonntagszeitung in vorauseilendem Gehorsam zu berichten, dass dieser „zum Auftakt den Vorstand umbaut. […] Dies muss der Aufsichtsrat noch offiziell beschließen,[...] die Würfel aber seien gefallen.“

Da auch für diese Gesellschaften das Aktienrecht gilt, bleibt offen, welche Rolle deren Aufsichtsräte bei der Vorstandsorganisation haben. Der unterlegte journalistische Duktus ist klar: Der Vorstandsvorsitzende hat bei Vorstandspersonalien das Heft des Handelns in der Hand; diese Hand gilt es aus naheliegenden Gründen pfleglich zu behandeln. Oder soll der „Boss“ etwa dankbar die Zusammensetzung des Vorstands hinnehmen, die sein Aufsichtsrat ihm auferlegt?

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    Das ließe ihn doch schon am Start medial zum Befehlsempfänger verkommen. Will uns sagen: Wer glaubt noch an den Osterhasen? Presse macht Macht.

    Der Autor ist geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Lesen Sie mehr in der Januarausgabe.

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