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Gastkommentar Dekarbonisierung und Digitalisierung könnten die Wirtschaft erneuern

Megatrends werden Unternehmen künftig vor große Herausforderungen stellen. Doch sie können auch große Chancen mit sich bringen.
25.02.2020 - 19:20 Uhr Kommentieren
Der Autor ist Chairman des Fonds Arabesque Partners und Sprecher des Nachhaltigkeitsbeirats von VW.
Georg Kell

Der Autor ist Chairman des Fonds Arabesque Partners und Sprecher des Nachhaltigkeitsbeirats von VW.

Spätestens seit der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio ist der Welt bewusst, dass drastische Maßnahmen gegen den anthropogenen Klimawandel notwendig sind. Bereits damals hatte die zwölfjährige Severn Suzuki aus Kanada die Weltgemeinschaft von fünf Milliarden Menschen zum Handeln im Interesse künftiger Generationen aufgefordert.

Dennoch hat sich der Klimawandel in den letzten 28 Jahren beschleunigt und betrifft jetzt eine Weltgemeinschaft mit fast acht Milliarden Menschen. Die Erderwärmung und ihre erfassten Klimawirkungsketten haben wissenschaftlich dokumentierte Auswirkungen auf alle Bereiche von Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

Vor dem Hintergrund der global weiterhin ansteigenden Kohlendioxidemissionen besteht heute die wissenschaftlich fundierte Gewissheit, dass die fortgesetzte Erderwärmung mittelfristig zu disruptiven Ereignissen führen wird, die Klima, Landnutzung, Siedlungs- und Verkehrsstrukturen, Wirtschaft, Wohlstand und Frieden schnell und grundsätzlich verändern können.

Deshalb ist der Ausstieg aus der kohlenstoffbasierten Lebensweise, die Dekarbonisierung, ohne Alternative. Die Dekarbonisierung wird uns vor teils ungeahnte Herausforderungen stellen, und der Klimaschutz wird die nächsten Jahrzehnte prägen. Für die Gesellschaft ist es besser, die disruptiven Entwicklungen innerhalb der Volkswirtschaft aktiv zu gestalten, als passiv davon betroffen zu werden.

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    In diesem Zusammenhang ist es kontraproduktiv, bei den Zukunftsthemen nicht die Chancen, sondern die Probleme der Gegenwart zu diskutieren. Mit hohem moralischem Anspruch wird über Schuldfragen, Versäumnisse, Gebote, Verbote, Einschränkungen und sozial gerechte Lastenverteilung in einem der reichsten Länder der Welt diskutiert.

    Chance, die Wirtschaft zu erneuern

    Eine zuversichtliche Diskussion über die Potenziale neuer Technologien, Dienstleistungen und Märkte und die sich daraus ergebenden Chancen findet nicht statt. Aber der Handlungsdruck wächst. Je eher Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf symbolische und wirkungslose Diskussionen und Scheinlösungen verzichten und tatsächlich effektiv handeln, desto besser können sie auch die Zukunft erfolgreich gestalten. Die Dekarbonisierung bietet die Chance, die gesamte Wirtschaft zu erneuern.

    Währenddessen arbeitet sich im Schatten der Klimadiskussion ein anderer Disruptor, die Digitalisierung, bereits durch alle Bereiche unseres wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und sozialen Lebens. In der Wirtschaft hat es der Exportweltmeister bisher verstanden, durch geschickte Integration digitaler Elemente in seine bestehenden industriellen Middle-Tech-Produkte und deren Produktion wettbewerbsfähig zu bleiben.

    Jedoch ist der Erfolg von heute die Arbeit von gestern. Gegenwärtig fällt Deutschland global in der Wettbewerbsfähigkeit zurück, läuft in der Entwicklung und Anwendung von digitalen Technologien hinterher und hat, wie der „Economist“ feststellt, vom Ausbau der nächsten Generation von Breitbandnetzen bis hin zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz geringen Anteil an den aufsteigenden Technologien.

    Aber beide Megatrends, Digitalisierung und Dekarbonisierung, ergänzen sich und bieten zukünftig ungeahnte wirtschaftliche Möglichkeiten. Neue Technologien, neue Konzepte, neue Industrien und neue Waren werden weltweit nachgefragt. Deutschland ist mit seiner global herausragenden Stellung in einer guten Ausgangsposition. Erste Großunternehmen wie Volkswagen, Siemens und Bosch haben die Chancen erkannt und transformieren sich in Richtung Dekarbonisierung und Digitalisierung.

    Einzelne Leuchttürme aber reichen nicht. Der Exportweltmeister muss schnell und erheblich in Forschung, Ausbildung, Kommunikation, neue Technologien, regenerative Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Klimaschutz und Digitalisierung müssen die verbale Politik- und Mediensphäre verlassen und zu einer Bildungs-, Wirtschafts- und Industriepolitik führen, die unbürokratisch die wirtschaftlichen Potenziale in allen Bereichen der Gesellschaft entfaltet.

    Dekarbonisierung und Digitalisierung sind die Felder, auf denen morgen der Wohlstand gesichert wird. Deshalb muss die in Deutschland weitverbreitete Skepsis gegen Hochtechnologie und Digitalisierung endlich einem gesunden Optimismus weichen, mit dem die Dekarbonisierung vorangetrieben und der Rückstand in der Digitalisierung aufgeholt wird.

    Deutschland hat auf den Weltmärkten einen guten Ruf, ist bestens etabliert und vernetzt. Damit verfügt Europas größte Volkswirtschaft über eine hervorragende Ausgangsposition. Noch können wir sie nutzen.

    Mehr: Bundesumweltministerin Schulze will schnellen Einstieg in die Wasserstoff-Wirtschaft.

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